Noch in diesem Jahr soll der erste Spatenstich für das neue Sport- und Freizeitbad am Potsdamer Brauhausberg erfolgen. Mit der Einreichung des Bauantrages für das bis zu 36,2 Millionen teure Bade- und Wellness-Projekt haben die Stadtwerke Potsdam nun einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Über Pläne und Zeitabläufe informierten Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Stadtwerke-Geschäftsführer Wilfried Böhme am Mittwoch.
Auf einer Fläche von 18.000 Quadratmetern soll in den nächsten zweieinhalb Jahren ein moderner Ersatz für das in die Jahre gekommene Bad am Brauhausberg entstehen. Ein 50-Meter-Sportbecken mit zehn Bahnen nach internationalen Standards für Wasserball und Schwimmen, eine Tribüne mit 400 Plätzen, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden vor allem für die rund 70.000 Schulschwimmer, ein integrierter Sprungbereich mit einer Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage sind geplant, ebenso ein Familienbad mit Kleinkinderbereich samt Freizeitbecken mit Strömungskanal, ein großer Saunabereich und zwei große Rutschen.
Auch Gastronomie wird Platz im neuen dreigeschossigen Sport- und Freizeitbad finden. In einem Parkhaus, zugänglich von der Leipziger Straße, und vor dem Gebäudekomplex wird es Parkplätze geben, Stellplätze für vier Busse und zahlreiche Motorräder sowie 342 Fahrradstellplätze sind ebenso eingeplant.
„So weit waren wir noch nie“
„Nach unendlich langen Diskussionen geht es nun endlich einen Schritt weiter“, erklärte Oberbürgermeister Jakobs. „Das Bad scheint nun wirklich Realität zu werden, so weit waren wir noch nie“, fügte er hinzu. Als nächsten Schritt werde die Bauaufsicht die Bauantragsunterlagen zügig prüfen: „Um den Zeitplan des Gesamtprojektes nicht zu gefährden, haben wir uns das Ziel gesetzt, bereits Ende August 2014 eine Baugenehmigung zu erteilen“, sagte er weiter. Dies sei zwar ein ambitionierter Termin für ein derartiges Großprojekt. Doch deswegen erwarte Jakobs auch von allen Beteiligten in der Verwaltung und beim Bauherrn ein Höchstmaß an Engagement.
Für das neue Bad hatten die Stadtwerke bereits am 29. November mit der „gmp Generalplanungsgesellschaft“ einen Generalplanvertrag unterschrieben. Es handelt sich dabei um das Büro von Meinhard von Gerkan, das neben dem Berliner Hauptbahnhof auch den Hauptstadtflughafen BER geplant hat.
Gerkan, Marg und Partner hatten den im März 2013 ausgelobten Wettbewerb gewonnen. Drei von insgesamt 16 Planungsbüros waren in die engere Wahl gekommen, und der mit Abstand teuerste setzte sich durch. So wird der Entwurf des neuen Bades nicht nur positiv gewertet, hatten die Stadtverordneten doch eine Kostendeckelung von 23 Millionen Euro beschlossen. Stattdessen sind für den Bau nun insgesamt 31,5 Millionen Euro veranschlagt. Für mögliche Baukostensteigerungen und die noch nicht feststehenden Einnahmen aus geplanten Grundstücksverkäufen planen die Stadtwerke Potsdam zusätzlich einen Puffer von 15 Prozent ein. Und so wird mit Kosten von bis zu 36,2 Millionen gerechnet.
30 Lose werden ausgeschrieben
„Seit November 2013 ist viel geschehen“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Wilfried Böhme. „Wir haben eine sehr intensive Vorplanungsphase hinter uns, und nun gilt es, die Weichen für die konkrete Ausgestaltung zu stellen.“ Parallel zur Prüfung der Bauantragsunterlagen läuft nun der Planungsprozess weiter. Es werden die Ausführungsplanungen erarbeitet und Leistungsverzeichnisse für die Ausschreibungen erstellt. Nach Erhalt der Baugenehmigung sollen die Ausschreibungen für die Bauleistungen beginnen, wahrscheinlich bereits im September. Im Unterschied zu den Planungsleistungen vergeben die Stadtwerke die Bauleistungen nicht an einen Generalunternehmer. Sie werden in bis zu 30 Losen und damit mittelstandsfreundlich ausgeschrieben.
Soviel steht schon fest: „Es wird neuer, fetziger, besser als andere Bäder“, ist Ute Sello, Geschäftsführerin der Bäderlandschaft Potsdam, überzeugt. Vor allem mit der rund 80 Meter langen Röhrenrutsche mit Reifennutzung sei man außer Konkurrenz.
Erste Planungen für ein neues Freizeitbad waren bereits 2007 an den Kosten gescheitert. Die Wirtschaftsministerien des Bundes und des Landes stuften den Entwurf des mittlerweile verstorbenen brasilianischen Stararchitekten Oskar Niemeyer für sein futuristisch wirkendes Bad als nicht förderfähig ein. Dabei hatte Potsdam bereits mehrere Millionen Euro in die Planungen investiert. Dazu erklärte Jakobs: „Niemeyer war gestern. Jetzt gibt es etwas Neues, und das werden wir umsetzten.“




