Prenzlauer Berg

Bötzow-Brauerei wird zu Schwimmklub und Biergarten

Die Bötzow-Brauerei soll für 250 Millionen Euro entwickelt werden. Auf dem Gelände sollen eine Rollstuhlfirma, eine Brauerei und ein Schwimmbad entstehen. Die Planung übernimmt David Chipperfield.

Foto: Eventpress Herrmann

Masterpläne liegen im Trend. Ein neuer macht nun von sich reden, denn er ist von David Chipperfield Architects ausgearbeitet. Es ist der Masterplan für das Areal Bötzow Berlin, die einstige Brauerei an Prenzlauer Allee und Saarbrücker Straße. 24.000 Quadratmeter groß ist die Fläche. Das Medizintechnikunternehmen Otto Bock zieht ein. Eine Rollstuhlmanufaktur, ein Hotel mit Reha-Lofts, Räume für Start-up-Firmen, eine Brauerei mit Biergarten und ein Schwimmbad sind geplant. Bis zu 250 Millionen Euro will Hans Georg Näder investieren, der Inhaber und Geschäftsführer von Otto Bock HealthCare. Am Mittwoch präsentierte der Firmenchef den Masterplan in Gegenwart von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Für den Unternehmer Näder ist das Vorhaben mit großen Traditionen verbunden, denen er sich verpflichtet fühlt. Zum einen der Tradition des einstigen Brauereibetreibers. „Hier ist der ganz große Charme, dass Julius Bötzow eigentlich seiner Zeit extrem voraus war“, sagte Hans Georg Näder. „Mit vielen Dingen, zum Beispiel dem Pool, wo die Mitarbeiter schwimmen durften, bis hin zu den Fertigungsanlagen.“ Näder ist begeistert von den denkmalgeschützten Bauten. Auf dem Gelände der Bötzowbrauerei gebe es nicht nur „Oberwelten“, die sichtbar sind. „Sondern auch die Kellerwelten, die einmalig sind. Alle Besucher, die aus der ganzen Welt kommen, sind fasziniert.“

Bötzow-Brauerei-Investor Näder will Familiengeschichte fortschreiben

Zum anderen will Näder seine eigene Familiengeschichte fortschreiben. Er ist Enkel von Firmengründer Otto Bock. Bock sei Start-up-Unternehmer gewesen, sagte Näder. 1919 habe er das Unternehmen an der Köpenicker Straße in Kreuzberg gegründet. „Nach fast 100 Jahren kommen wir mit Innovationen nach Berlin zurück.“ 2010 hatte Näder das Gelände in Prenzlauer Berg gekauft. In den vergangenen drei Jahren habe man „Kurven gedreht“ bezüglich der Planung. „Loft Living zum Beispiel haben wir beerdigt.“ Das sei schwierig zu vermitteln. „Wir gehen jetzt ganz in Richtung Innovation und Technologie, machen Projekte mit jungen Start-up-Firmen und Lebensmittelherstellern.“ Die ersten sollen schon im November einziehen, nahe der Saarbrücker Straße.

Im Bötzow-Berlin-Projekt „erfinden wir uns selber neu“, sagte Näder. Der Stammsitz seiner Firma liegt in Duderstedt. „Familienunternehmen 4.0“ nennt er das Berliner Vorhaben deshalb. „Das ist viel mehr als ein weiteres Immobilienprojekt in Berlin.“ Oft seien Investoren tätig, die dann wieder verschwinden. „Im Unterschied dazu werden wir mit Mitarbeitern auf dem Gelände aktiv sein, in der Stadt, wo das Unternehmen vor fast 100 Jahren gegründet wurde.“ Die Anlage werde offen für die Bevölkerung sein. Der Biergarten werde 1500 Plätze haben. Im Keller sollen „Food Markets“ sein, analog zu „Meat Markets“ in New York. „Wo private kleine Anbieter authentische Lebensmittel anbieten.“

Meatpacking Distict in New York als Vorbild für Berlin

Auch am Meatpacking District von Manhattan orientiert sich der Unternehmer Näder, an dem boomenden Viertel in Manhattan mit Restaurants, Clubs und Galerien. „Es ist gut, dass wir David Chipperfield an Bord geholt haben“, sagte er. Den Stararchitekten zu gewinnen, „war gar nicht so schwer. Es brauchte nur einen Spaziergang durch die Kellerwelten, und dann war eigentlich Chipperfield derjenige, der uns getrieben hat“. Der Architekt sei voll dabei, „mit seinem Geist und Intellekt. Und ist ein toller Partner“. Drei Neubauten entstehen neben der alten, denkmalgeschützten Brauerei. Einer wird der Kunst gewidmet sein. „In meinem Nebenleben sammele ich zeitgenössische Kunst“, erzählte Näder. „Wir werden Ausstellungen zeigen.“ In einem weiteren Gebäude werde ein Schwimmklub entstehen, eine Art Volksbad mit einem Spa-Konzept. „An den Details müssen wir noch arbeiten.“ Das dritte neue Haus wird eine Brauerei. Er habe Kontakt mit der Brooklyn-Brauerei in New York, sagte Näder. Die amerikanische Firma werde brauen und den Biergarten betreiben.

Im Altbau der Brauerei wird ein Hotel eingerichtet. Nicht irgendeines. „Es soll ein kleines Haus für den Medizintourismus werden.“ Mit bis zu 50 Zimmern. Die Kliniklandschaft mit Charité und Unfallkrankenhaus sei herausragend. Besonders für Patienten aus dem Nahen Osten oder aus dem europäischen Ausland sei das Angebot interessant.

Hans Georg Näder drängt jetzt auf einen raschen Baubeginn. Vor Pfingsten sollen die Bauanträge eingereicht werden. „Wir hoffen auf zügige Genehmigung.“ Als erstes werde das Otto Bock Zukunftslabor errichtet, mit einer Investition von rund 40 Millionen Euro. „Dann wird das Gelände Schritt für Schritt entwickelt. 2019 wollen wir fertig sein.“ Ab dem Jahr 2020 werden dann 200 Mitarbeiter der Firma Otto Bock in der alten Bötzowbrauerei arbeiten. „Es sind neue Arbeitsplätze“, betonte der Unternehmer.