Seen und Schwimmbäder

Der Sommer kommt - Berlin geht endlich baden

Die Badesaison hat zwar schon begonnen, bei dem grauen Wetter trauten sich aber nur wenige ins Wasser. Das wird sich ab Dienstag ändern, wenn die Temperaturen steigen. Die Freibäder sind vorbereitet.

Foto: David Heerde

Vergangenen Donnerstag begann offiziell die Berliner Badesaison. Nach einer Abkühlung wird aber den wenigsten Städtern am Wochenende zumute gewesen sein, grau und verregnet war der Sonntag. Nun aber ziehen die Temperaturen an, und endlich kann der Badespaß losgehen. Am Dienstag sollen es 27 Grad werden, am Mittwoch sogar 29 Grad. Doch geben die Berliner Seen schon das her, was die sommerhungrigen Bewohner von ihnen verlangen?

Ja, tun sie. Damit sich jeder davon selbst überzeugen kann, bietet das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) im Internet eine stets aktuelle Liste mit detaillierten Angaben zu allen 38 offiziellen Badestellen. Sie informiert über Sichttiefe und Bakterienvorkommen ebenso wie über Algenwachstum, alle zwei Wochen lässt das Lageso Proben entnehmen. Und auch dieses Jahr stehen die Berliner Badegewässer ihrem guten Ruf in nichts nach.

„Es war zwar noch nicht wirklich Badewetter“, sagt Lageso-Sprecherin Silvia Kostner. „Aber bisher sieht alles gut aus.“ Wie schon im Vorjahr kann an 36 von 38 Berliner Stränden ohne Bedenken gebadet werden. Vom Schwimmen an zwei einander gegenüberliegenden Stellen der Unterhavel, an der Kleinen Badewiese in Spandau sowie am Grunewaldturm in Wilmersdorf rät das Amt hingegen das fünfte Jahr in Folge ab. Grund dafür sind zeitweise erhöhte Keimzahlwerte, die unter anderem durch den unweiten Zufluss der Spree aus dem Stadtgebiet entstehen. „Wenn nach Starkregen die Berliner Mischwasserkanalisation überläuft, dann können sich dort Fäkalkeime sammeln“, so Kostner. Grundlage sind die strengen Gewässerrichtlinien der EU, viele Leute baden an besagten Stellen trotzdem, auch mit kleinen Kindern.

Nach starken Gewittern nicht baden gehen

Als Laie, der die Wasserqualität nur schwer einschätzen kann, sollte man auf die Sichttiefe des Wassers achten. Diese sollte mindestens eineinhalb Meter betragen. Zum einen dient eine klare Sicht der Sicherheit, vor allem beim Baden mit kleinen Kindern. „Außerdem ist es einfach schöner, die eigenen Füße im Wasser noch zu sehen“, meint Kostner. Am Alten Hof an der Unterhavel etwa beträgt die Sichttiefe derzeit phänomenale vier Meter, ebenso im Freibad Heiligensee in Reinickendorf. An der großen Krampe in Köpenick hingegen sieht man nur etwa 70 Zentimeter tief, gebadet kann dort aber trotzdem werden, die Wasserqualität ist gut.

Gemindert wird diese zum Beispiel bei Starkregen, da durch ihn Dreck wie liegengelassener Müll oder tote Tiere in die Gewässer gespült werden können. Deshalb rät Silvia Kostner davon ab, nach starken Gewittern baden zu gehen, bis zu drei Tage sollte das Wasser gemieden werden. Vor allem kleine Kinder könnten durch geschlucktes Wasser Durchfall bekommen. Doch Regen wie der am Sonntag sei unbedenklich. „Es muss schon so richtig kübeln“, so die Sprecherin. Außerdem habe die Saison noch gar nicht richtig begonnen, weshalb kaum Müll die Strände verdrecke. Dieser sollte von jedem Kurzzeiturlauber nach Verlassen des Strandes unbedingt eingesammelt werden, da er Ratten anzieht. Und noch eine Verhaltensregel gibt Silvia Kostner den Planschwütigen mit auf den Weg zum Strand: „Den Schilfgürtel, der an die meisten Badestellen grenzt, sollten die Leute nicht betreten“, mahnt Kostner. Denn er dient der Regenerierung der Wasserqualität.

Diese wird übrigens durch Algenwachstum nicht beeinträchtigt, im Gegenteil. Viele Badende ekeln sich trotzdem vor den grünen Pflanzen. Gefährlich sind aber nur Blaualgen, die Toxine ausstoßen können. Diese sind laut Kostner aber noch nicht gesichtet worden.

In Zukunft mitten in Berlin im Spreekanal schwimmen

Wer sich auf ein Algenrisiko gar nicht erst einlassen will und lieber Bahnen zieht, wird eher ein Sommerbad mit Sportbecken aufsuchen. Im Kreuzberger Prinzenbad sieht man dem erwarteten Ansturm gelassen entgegen. „Wir können uns darauf gar nicht vorbereiten“, so ein Mitarbeiter. „Man kann nur hoffen, dass keiner ausflippt.“ Das passiere bei Warmwetter-Gedrängel häufiger. Doch vielleicht lassen sich die Gemüter durch 24 Grad Wassertemperatur im Sport- und im Nichtschwimmerbecken beruhigen. Inwieweit sich die Preiserhöhung der Berliner Bäderbetriebe (BBB) vom Januar auf die Besucherzahlen auswirkt, bleibt abzuwarten. Denn in den Sommerbädern gilt die finanzielle Unterscheidung zwischen Haupt- und Randzeiten nicht, den ganzen Tag über kostet ein Ticket im Normaltarif 5,50 Euro.

Den BBB zwar angegliedert, aber durch Verpachtung preislich unabhängig sind die meisten Strandbäder. Das Strandbad Orankesee in Lichtenberg etwa bleibt mit einem Eintrittspreis von 4,50 Euro unter dem der Bäderbetriebe. „Wir sind prima vorbereitet“, verkündet Brian Barnewski, der Sohn der Pächterin. „Wir stehen in den Startlöchern und warten.“ Er habe sogar schon zweimal den Rasen gemäht. Nach seiner Erfahrung brauchen die Leute nach kühlen Temperaturen aber erst einige warme Tage, um sich an das neue Klima zu gewöhnen und den Schritt ins Wasser zu wagen. Geöffnet wurde hier eigentlich am 1. Mai, doch wegen Regens und ausbleibender Kundschaft schloss man bald wieder. Seit Montag ist das Bad wieder geöffnet, die Wassertemperatur liege momentan bei 16 Grad. Im Strandbad Lübars lockt man die Badewilligen am Mittwoch sogar mit freiem Eintritt zum „Tag der offenen Tür“.

Doch vielleicht kann auch bald schon mitten im Stadtzentrum geschwommen werden, und das ganz umsonst. Der Verein „Flussbad Berlin“ will den Spreekanal renaturieren und in ein riesiges Open-Air-Schwimmbecken verwandeln. Ob sich die Stadt darauf einlässt, steht in den Sternen. Im Juli wird es zunächst eine Projektausstellung in der Bauakademie geben, bis dahin bleiben die zahlreichen Seen und Freibäder.