Kremmen

Hobbyreiter werden vom Gutshof Staffelde vertrieben

Die neue Eigentümerin des Gutshofs Staffelde hat allen Pächtern von Ställen gekündigt und ihnen den Zutritt auf das Grundstück verweigert. Das Gut soll saniert und privat genutzt werden.

Foto: Amin Akhtar

„Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde“, besagt ein Sprichwort. Dazu müssen aber Ross und Reiter erst einmal zueinanderkommen. Das wird nördlich von Berlin in Kremmen immer wieder verhindert.

Einige Pferdebesitzer haben ihre Tiere auf der Reitanlage „Gut Staffelde – Reiterhof am historischen Schloss“ zum Teil seit mehr als zehn Jahren dort untergestellt. Sie haben ihre Freizeit mit ihren Pferden auf der Reitanlage im Freien und in der Reithalle verbracht. Dafür haben sie dem Betreiber Miete gezahlt.

Doch Anfang Februar war es vorbei mit dem Reiten auf dem Grundstück an der Nauener Chaussee 22. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich eine Frau aus Berlin als neue Besitzerin der gesamten Gutsanlage einschließlich der Reitanlage mit einem schriftlichen Aushang an einem der Gebäude vor.

Kein Zugang zum Eigentum

In dem Schreiben heißt es: „Es liegen keinerlei gültige Nutzungsverträge für den Betrieb der Reitanlage vor!“ Als neue Eigentümerin könne sie diese offensichtlich rechtsgrundlose Nutzung der Anlage, für die auch an die Alteigentümer jahrelang keine Nutzungsentschädigung gezahlt wurde, nicht dulden, äußerte sich die neue Besitzerin schriftlich.

„Ich bin seit 14 Jahren Mieterin, habe einen gültigen Mietvertrag und nie eine Kündigung erhalten“, sagt Monika Schrödter. „Zu D-Mark-Zeiten habe ich 650 D-Mark im Monat gezahlt, jetzt zahle ich 333 Euro.“ Monika Schrödter steigt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst aufs Pferd, sie spannt es vor die Kutsche.

„Ich habe auf dem Grundstück ein Remisenhaus gemietet, in dem ich die Kutsche, einen Schlitten und das Fahrgeschirr untergebracht habe. Das Haus wurde aufgebrochen und mit einem neuen Schloss versehen. Ich habe keinen Zugang mehr zu meinem Eigentum.“

Umfangreiche Sanierungen des Gutes

Ihr sei der Zugang auf das Grundstück von einer privaten Sicherheitsfirma verwehrt worden, sagt sie. Erst die Polizei habe ihr den Zugang auf das Gelände verschafft. Zwei Strafanzeigen hat sie nach eigenen Angaben bereits erstattet.

Die neue Besitzerin, Bettina Brönner, kündigte in dem Aushang umfangreiche Sanierungen des Gutes an, Sperrungen wegen Baumarbeiten sowie das Abstellen von Strom und Wasser. „Bitte kümmern Sie sich also um anderweitige Einstallmöglichkeiten“, heißt es. Sie sehe keine andere Alternative, da Gespräche mit der Betreiberin der Reitanlage nicht zustande gekommen sind und sich die Situation wohl nicht anders klären lässt, schreibt sie.

Binnen weniger Tage sollten die Pferdebesitzer eine andere Bleibe finden. „Man wird durch das Verhalten der neuen Besitzerin zum Gehen gezwungen“, sagt Monika Schrödter. „Ich werde aber nicht einfach so gehen, dann kann ich meinem Hobby nicht mehr nachgehen.“ Bei den Mietern ist der Verdacht aufgekommen, dass sie von der Anlage vertrieben werden sollen.

Angst um die Gesundheit der Tiere

„Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma haben uns den Zutritt zu den Stallungen verwehrt, Türen waren zugenagelt“, sagt Pferdebesitzerin Ariadne Ioakimidis. „Am schlimmsten war, dass der Zugang zur Reithalle zugenagelt und der Reitplatz mit alten Ästen zugeschüttet wurde“, sagt Pferdebesitzerin Ioakimidis. „Das hatte zur Folge, dass wir bei den frostigen Temperaturen die Pferde nicht bewegen konnten.“ Das sei auch der Grund, aus dem viele Pferdebesitzer andere Unterstellplätze suchen würden. „Wir haben Angst um die Gesundheit der Pferde“, sagt sie. „Wer weiß, was noch alles passiert.“

Wieder einige Tage später sei der hintere Ausgang eines Stallgebäudes zugenagelt gewesen. „Die Sicherheitsleute haben der Pflegerin gestattet, die Tiere zu versorgen“, sagt Ariadne Ioakimidis. „Aber erst gegen 8 Uhr durften die Tiere auf die Weiden gebracht werden. Normalerweise dürfen die Pferde um 6 Uhr raus.“ Das sei auch die Tageszeit, an die sich die Tiere gewöhnt hätten. Die Sicherheitsleute hätten die Pferdebesitzer auch nicht mehr mit ihren Fahrzeugen auf das Grundstück gelassen, sagt Ioakimidis.

Job als Reitlehrerin verloren

Zudem sollen die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma zwei Pferdebesitzern Hausverbot erteilt haben und mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gedroht haben. Eine Besitzerin habe sich geweigert, ihren Personalausweis vorzuzeigen, eine andere habe die Mitarbeiter nach der Legitimation ihres Handelns gefragt.

„Es gibt keinen sachlichen Grund, warum die Pferde nicht auf die Weiden dürfen oder wir dort nicht mehr parken dürfen“, sagt Ariadne Ioakimidis. „Wir, die Einsteller, haben alle Verträge mit einer GbR, der die Reitanlage zur Nutzung überlassen worden ist. Wir zahlen dafür natürlich auch ein monatliches Entgelt und stehen dort keinesfalls illegal.“

Susanne Flügge hat ihren Job als Reitlehrerin auf der Reitanlage verloren. „Ich kann nicht mehr unterrichten und soll meine Pferde auch von der Anlage schaffen“, sagt sie. Auch sie hat einen gültigen Vertrag, den sie erst vor einigen Tagen Vertretern der neuen Besitzerin vorzeigen musste.

„Unklar, auf welche Nutzungsverträge sich die Einsteller stützen“

„Unsere Verträge können alle mit einer vierwöchigen Frist zum Monatsende gekündigt werden“, sagt sie. „Wir verstehen alle nicht, warum Frau Brönner uns nicht einfach fristgerecht kündigt, sondern uns mit ihren Maßnahmen schikaniert.“

Auf schriftliche Anfrage der Berliner Morgenpost antwortet Bettina Brönner: „Ich bin Eigentümerin des Gutshofes Staffelde und habe diesen von den Voreigentümern durch einen notariellen Kaufvertrag erworben. Das ist insoweit auch dem Grundbuch zu entnehmen.“ Weder der Zwangsverwalter noch der Insolvenzverwalter habe in den vergangenen Jahren eine Nutzungsentschädigung für die Nutzung der Reitanlage erhalten.

Weiter schreibt sie, „es ist unklar, auf welche Nutzungsverträge sich die derzeitigen Einsteller stützen, da sie sich derzeit mir gegenüber wie in der Vergangenheit dem Zwangsverwalter oder dem Insolvenzverwalter gegenüber weigern zu sagen, wer sie sind und auf welche vertragliche Grundlage sie ihr Nutzungsrecht stützen.“

Viele Pferdebesitzer haben inzwischen resigniert

Fragen zu Aushängen an den Stalltüren oder zur Überprüfung von Personalien beantwortete sie nicht. Sie äußerte sich auch nicht dazu, wer die Stalltüren verschlossen habe.

Zu ihren weiteren Plänen erklärt sie: „Das Gut soll ausschließlich privat genutzt werden. Es ist geplant, nach der entsprechenden Sanierung der Ställe und dem Versuch hier in Abstimmung mit dem Denkmalschutz die Haltungsbedingungen für die Pferde zu modernisieren, wieder eine Reitanlage in bisheriger Größe zu errichten.“

Die Pferdebesitzer haben inzwischen resigniert. Von den ungefähr 30 Mietern haben rund 15 ihre Tiere bereits abgezogen. Weitere wollen folgen. „Bis die neue Besitzerin auf den Plan trat, hat alles bestens funktioniert. Jetzt wird unsere gut funktionierende Reitergemeinschaft willkürlich auseinandergerissen“, sagt Ariadne Ioakimidis. „Das ist wirklich schade.“