Nach Insolvenz

Häuser der Treberhilfe werden zwangsversteigert

Durch ihren ehemaligen Chef Harald Ehlert war die gemeinnützigen Treberhilfe in Verruf geraten. Jetzt werden die Immobilien des Unternehmens nach und nach verkauft.

Foto: Steffen Pletl

Nach der Insolvenz der gemeinnützigen Treberhilfe im Jahr 2011 werden jetzt mehrere Immobilien in Brandenburg zwangsversteigert.

Es handelt sich unter anderem um eine Villa mit einem ungenutzten Seegrundstück in Caputh (Potsdam-Mittelmark). Das sanierungsbedürftige Gebäude am Schwielowsee, in dem einst drei Mietparteien wohnten und zu dem 10.000 Quadratmeter Land gehören, steht seit Jahren leer.

Der Chef der ehemaligen Treberhilfe, Harald Ehlert, der durch seine Liebe zu schnellen Autos und hohen Gewinnen bei den Sozialbehörden in Ungnade gefallen war, hatte das Anwesen 2008 erworben.

Ursprünglich wollte Ehlert an der Schwielowseestraße 62 eine psychiatrische Einrichtung für Kinder und Jugendliche aufbauen. Mit stationären Angeboten sollte nach seiner Auskunft die Versorgungslücke, die es in diesem Bereich in Brandenburg gab, geschlossen werden.

17,5 Millionen Euro Forderungen

Um die Grundstücksgeschäfte der alten Treberhilfe kümmert sich der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma aus der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt, in Brandenburg ist es Rolf Rattunde.

Laut Auskunft von Sprecher Jochen Mignat hat die alte Treberhilfe Schulden in Millionenhöhe, eine vollständige Tilgung sei durch die Immobilienverkäufe nicht zu erwarten. So seien inzwischen insgesamt 17,5 Millionen Euro Forderungen angemeldet. Der Insolvenzverwalter habe allerdings bislang erst 4,5 Millionen Euro anerkannt. Der Rest sei streitig. Noch sei also offen, wie viel der Gläubigerforderungen bezahlt werden müssen.

Der Preis für das Anwesen an der Schwielowseestraße 62 ist mit 1,1 Millionen Euro angesetzt. Ein Gutachten aus 2011 hat diesen Verkehrswert festgelegt. Es handelt sich um ein leer stehendes, abrissreifes Haus. Der Termin der Zwangsversteigerung soll am 23. April 2013 sein.

Nachfolgeverein hatte Immobilien nicht übernommen

Außerdem wird die ehemalige Geschäftsstelle der Treberhilfe Brandenburg im Holländischen Viertel in Potsdam, ein Holländerhaus an der Hebbelstraße 53, versteigert. Hier sollten eigentlich Sozialarbeiter aus allen diakonischen Werken in Deutschland für die bundesweite Obdachlosenarbeit geschult werden. Das war der Plan der alten Treberhilfe. Doch es kam anders. Ehlert und sein gemeinnütziges Unternehmen kamen nach der sogenannten Maserati-Affäre in Verruf und wurden, wie berichtet, nicht nur von den Aufträgen der Senatssozialverwaltung abgekoppelt, sondern auch aus dem Diakonischen Werk ausgeschlossen.

Der Nachfolgeverein Neue Treberhilfe, den es seit Dezember 2011 gibt und der unter dem Dach des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf arbeitet, hatte nicht die Immobilien übernommen, sondern führt nur Teile des Angebots mit den ehemaligen Mitarbeitern fort. Im Gegensatz zur alten Treberhilfe werden die Wohnprojekte, Krisendienste und ambulanten Hilfen für Obdachlose nicht in eigenen Immobilien, sondern in gemieteten Räumen geleistet.

Wie der ehemalige Chef der Treberhilfe, Harald Ehlert, am Dienstag sagte, sei die Versteigerung ein „völlig normaler Vorgang im Rahmen der Insolvenz“. Auch das Haus in Caputh am Templiner See, in dem er als Mieter wohne, werde verkauft werden, so wie alle Immobilien der ehemaligen Treberhilfe. „Viel wichtiger ist es, sich um die fehlenden 1000 Plätze für Obdachlose in Berlin zu kümmern. Das ist auch eine Folge der Insolvenz, die durch die rechtswidrige Kündigung der Verträge durch die Senatssozialverwaltung zustande kam“, kritisierte Ehlert.

Streit um Ehlerts Mietwohnung

Für das Holländerhaus an der Hebbelstraße wurde der Zwangsversteigerungstermin laut Sprecher Mignat auf den 7. Mai 2013 festgesetzt. Es sei zunächst versucht worden, das mit Grundpfandrechten belastete Haus ohne Zwangsversteigerung zu verkaufen. Doch das habe nicht funktioniert, sodass die Erstranggläubigerin, die Hypo Vereinsbank, das Haus jetzt zwangsversteigern lasse. Für die Villa DenkMal an der Potsdamer Straße in Caputh, wo Ehlert laut Auskunft des Sprechers eine Wohnung in einem 30er-Jahre-Haus hat, laufe ebenfalls die Zwangsversteigerung. Der Verkehrswert liege dort laut Gutachten bei 650.000 Euro. Über Ehlerts Mietvertrag gebe es noch rechtliche Auseinandersetzungen, sagte Mignat.

Das sei beim Haus an der Hebbelstraße, wo Gewerberäume leer stehen, Wohnräume aber vermietet sind, anders. Diese Mieter seien geschützt und müssten trotz Eigentümerwechsels nicht ausziehen.