Berliner Treberhilfe

Bei der Berliner Treberhilfe endet die Maserati-Ära

In der neuen Treberhilfe sind 80 der 120 Mitarbeiter untergekommen. Luxus-Dienstwagen gibt es nicht mehr.

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Nach den ungewissen Zeiten ist die Treberhilfe wieder voll im Einsatz, allerdings in abgespeckter Form: Bei der Nachfolgefirma „Neue Treberhilfe“ arbeiten 80 der zum Schluss noch 100 Beschäftigten der ehemaligen Treberhilfe.

Die beiden neuen Geschäftsführer Susette Schumann (44) und Sebastian Kalkowsky (36) sind froh, die Hürde des Neuanfangs gemeistert zu haben und sagen nach fünf Monaten Aufbauzeit: „Wir führen das Angebot im Wesentlichen fort, fast alle Trägerverträge mit der Senatsjugend- und Sozialverwaltung sind neu geschlossen worden.“

Das gilt auch für die von der Treberhilfe gemieteten Wohnungen für die Klienten. Waren das zu Hochzeiten der Treberhilfe fast 600 Wohnungen, sind es momentan 120.

Für die zwei neuen Geschäftsführer ein solider Anfang, der ausbaufähig ist. Kalkowsky ist seit 2006 Mitarbeiter des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf und leitet dort neben seiner neuen Aufgabe das Gebiet Finanzen und Rechnungswesen. Susette Schumann ist seit 24 Jahren Diakonieschwester und war zuletzt im Krisen- und Qualitätsmanagement in der Altenhilfe tätig.

Imagewechsel auf ganzer Linie

Die Maserati- und BMW-Ära ist vorbei. Bei der Neuen Treberhilfe hat auch bei den Dienstwagen ein Imagewechsel stattgefunden. Die beiden Geschäftsführer fahren BVG, „schon aus Prinzip“, wie sie sagen. Beim Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf, der die „Neue Treberhilfe gGmbH“ am 1. Dezember vergangenen Jahres gegründet hat, gibt es ohnehin nur zwei Geschäftswagen, die sich Verwaltung und Vorstand teilen: einen Polo und einen Golf.

Im Gegensatz zur alten Treberhilfe werden die Wohnprojekte, Krisendienste und ambulanten Hilfen für Obdachlose nicht in eigenen Immobilien, sondern in gemieteten Räumen geleistet. Acht der 28 Standorte wurden aufrechterhalten. Beispielsweise das Treberhaus Mitte und die Wohnprojekte Neukölln und Friedrichshain. Auch die Straßensozialarbeit im Bus am Bahnhof Zoo wird weiter einmal in der Woche geleistet, obwohl es dafür nach wie vor kein Geld vom Senat gibt.

Die Geschäftsstelle der neuen gemeinnützigen GmbH ist Ende März vom einstigen Geschäftssitz an der Schöneberger Hauptstraße ins „Mutterhaus“ des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf umgezogen.

Mit 2.100 Schwestern und Pflegern engagiert sich der Verein seit mehr als 100 Jahren im Gesundheitswesen. Er betreibt deutschlandweit 60 Kliniken im Bereich der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Diese Einrichtungen werden zentral von Zehlendorf aus verwaltet. Auf dem großzügigen Gelände mit den alten roten Backsteingebäuden werden auch 30 pensionierte Schwestern betreut.

Außerdem gibt es ein Gäste- und Tagungshaus. Das denkmalgeschützte Anwesen mit dem großen Garten liegt in der Nähe des U-Bahnhofs Krumme Lanke an der Glockenstraße 8. Hier finden einmal in der Woche die Sitzungen der Teamleiter der Neuen Treberhilfe statt.

Um die Grundstücksgeschäfte der alten Treberhilfe kümmert sich weiterhin der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma aus der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt. Die Schulden haben sich von ursprünglich rund neun Millionen Euro inzwischen auf 16,6 Millionen Euro erhöht. Dafür gibt es nach Auskunft des Insolvenzverwalters Köhler-Ma hauptsächlich drei Gründe: die Anmeldung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter, außerdem hat das Finanzamt Steuerforderungen angemeldet, die sich aus dem Wegfall der Gemeinnützigkeit der insolventen Treberhilfe ergeben könnten, zudem hatten weitere Vermieter Forderungen und Schadenersatz angemeldet.

Ob die Schulden durch die Immobilienwerte gedeckt sind, werde erst deren Verkauf zeigen, so der Insolvenzverwalter. Köhler-Ma ist nicht der Ansicht, dass die vom Finanzamt angemeldeten Forderungen entrichtet werden müssen. Seiner Ansicht nach „liegen keine Voraussetzungen für den Wegfall der Gemeinnützigkeit vor“.

Harald Ehlerts Plan ist gescheitert

Harald Ehlerts Wunsch, die Immobilie in Caputh mit dem Wohnhaus, Weiterbildungspavillon „Villa denk mal“ und Bootshaus zu kaufen, scheint hingegen gescheitert zu sein. Ehlert hätte den Kaufpreis über 895.000 Euro bis Ende März zahlen müssen.

Das ist nicht geschehen, weshalb der Kaufvertrag nicht vollzogen wurde. Der Insolvenzverwalter will auch diese Immobilie am Templiner See verkaufen, um die Schulden wie ausstehende Mieten zu zahlen. Harald Ehlert sagte zu seiner Wohnsituation nur: „Ich bin und bleibe dort Mieter.“ Nach wie vor ist er der Meinung, dass seine einst florierende Treberhilfe, die zeitweise einen Jahresumsatz von mehr als 15 Millionen Euro machte, nur durch die Kündigung der Verträge durch die Senatssozialverwaltung ins finanzielle Aus schlitterte.

Für das von der Treberhilfe gekaufte Grundstück mit der ehemaligen Schwielowsee-Grundschule an der Schöneberger Monumentenstraße gibt es nach Auskunft des Insolvenzverwalters Kaufinteressenten. Ehlerts große Pläne mit einem Nachbarschaftszentrum, Jugendfreizeitheim, einer Modellschule sowie einem Obdachlosenwohnheim sind längst passé. Planungsrechtlich kann dort nicht alles gebaut werden. Der Bebauungsplan beschränkt die Nutzung auf Bildung, Kultur, sozialen Gemeinbedarf, Jugendeinrichtungen, Grünfläche und Spielplatz. „Darüber hinaus ist uns an einer zeitnahen Lösung gelegen, damit wir dort nicht auf Dauer eine immer weiter verfallene Ruine haben“, sagte Sibyll Klotz (Grüne), Stadträtin für Stadtentwicklung.