Berliner Sozialunternehmen

Diakonieverein rettet insolvente Treberhilfe

Knapp zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag übernimmt der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf die Geschäfte der Treberhilfe – auf Basis einer neuen Firma mit einem Stammkapital von 500.000 Euro. Alle 100 Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt.

Foto: Christian Hahn

Die insolvente Treberhilfe Berlin ist gerettet – in Form einer neuen Firma. Die rund 100 Mitarbeiter – 50 weniger, als dem Insolvenzverwalter von der Geschäftsführung ursprünglich mitgeteilt worden waren – können beruhigt sein. Ebenso die ehemaligen Obdachlosen, die von den Sozialarbeitern der Treberhilfe betreut werden. Knapp zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag übernimmt der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf die Geschäfte. Die Hilfsangebote sollen alle aufrechterhalten werden. „Wir wollen die sehr gute Arbeit der Treberhilfe fortführen und ausbauen“, sagte Jan Dreher, kaufmännischer Vorstand des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf, in einer am Mittwoch einberufenen Pressekonferenz. Die Büroräume müssten nicht erhalten werden, wohl aber alle Standorte der Hilfsangebote.

Der Verein ist Träger der größten evangelischen Schwesternschaft, die sich seit mehr als 100 Jahren im Gesundheitswesen engagiert und jetzt ihre Aktivitäten auf den Obdachlosenbereich ausdehnen will. Um die Geschäfte der Treberhilfe fortzuführen, hat der Verein mit einem Stammkapital von 500.000 Euro eine neue Firma gegründet: die Neue Treberhilfe. Ab dem 1.Dezember sollen Löhne und Gehälter wieder pünktlich gezahlt werden. Außerdem hofft der Verein, dass auch die Vermieter der für die ehemaligen Obdachlosen angemieteten Wohnungen mitspielen, damit die betreuten Klienten nicht ausziehen müssen. Auch hier sollen die Mieten wieder pünktlich gezahlt werden, wenn die Wohnungen zu denselben Konditionen an die Neue Treberhilfe vermietet werden.

Immobilien sollen verkauft werden

Schon vor der Insolvenz sei der Verein von der Treberhilfe angesprochen worden, ob er sich eine Übernahme vorstellen könne. Doch die Ereignisse mit der Insolvenz hätten diese Gespräche überrollt. Außerdem hätten die Verhandlungen nicht zu Ergebnissen geführt, weil die Firmeneigentümer nicht wahrhaben wollten, dass das Kapital ihrer Firma verbraucht gewesen sei, sagte Ludger Westrick.

Der Bonner Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer ist Geschäftsführer der Neuen Treberhilfe. Um die Grundstücksgeschäfte geht es dabei nicht, wie Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma sagte. Der Verkauf der Immobilien, auch der in Caputh, wo Treberhilfe-Gründer Harald Ehlert wohnt, finde nicht kurzfristig statt. Ob bei der Verwertung der Immobilien – es bestünden neben den Schulden von 4,5 Millionen Euro etwa gleich hohe Bankverbindlichkeiten, die über die Grundstücke gesichert seien – etwas übrig bleibt, konnte Köhler-Ma noch nicht sagen.

Mit dem Immobilienverkauf sollen die Schulden getilgt werden. Dabei müsse aber erst geprüft werden, ob die Grundstücke mehr wert sind als die Belastungen. Auch die offenen Forderungen, die Ehlert auf mehrere Millionen Euro bezifferte, hätten eine große Bandbreite, sagte Köhler-Ma. Es werde Monate dauern, sie zu klären. Die Verwaltungen, die die Rechnungsadressaten sind, glaubten, alles bezahlt zu haben. Die Geschäftsleitung der Treberhilfe gehe von offenen Rechnungen in Höhe von rund zwei Millionen Euro aus.

Was mit dem Treberhilfe-Verein passiert, dem neben Ehlert rund die Hälfte der Gesellschafteranteile der Treberhilfe gehört, weiß Köhler-Ma ebenfalls noch nicht. Die Geschäftsanteile sind nach seiner Einschätzung vermutlich wertlos. Ehlert hofft, dass die Treberhilfe eine Perspektive hat: „Sozialpolitisch ist es jedenfalls gut, dass der gesamte Betrieb und nicht nur einzelne Teile übernommen wurden“, sagte er auf Anfrage. Ob sich die Geschäftsführung der Treberhilfe wegen Insolvenzverschleppung verantworten muss, prüfe die Staatsanwalt, sagte der Insolvenzverwalter. „Es laufen ohnehin schon staatsanwaltliche Ermittlungen, die sicherlich ausgeweitet werden“, so Köhler-Ma weiter.