Bad Saarow

Nach einem Jahr Ermittlung keine Spur im Fall Pepper

Die Kripo tritt nach den Attacken auf die Unternehmerfamilie weiterhin auf der Stelle. Vor allem das Motiv liegt im Dunkeln.

Foto: DPA

Die Anschläge auf die Mitglieder der Berliner Unternehmerfamilie Pepper waren brutal und überaus mysteriös. Trotz zweimaliger Ausstrahlung von Filmbeiträgen in der ZDF-Serie „Aktenzeichen XY ungelöst“ konnte der rätselhafte Täter von der Mordkommission in Frankfurt (O.) nicht identifiziert werden. Auch die mehr als 200 Hinweise aus der Bevölkerung haben die Ermittlungen nicht zum Ziel geführt. In der kommenden Woche wird ein Jahr nach dem ersten Übergriff vergangen sein. Bis heute ist offen, ob das Familienoberhaupt Christian Pepper durch die Anschläge getroffen werden sollte.

Anschlag trotz Wachschutz

Der Fall nimmt am Abend des 22. August 2011 seinen Anfang. Ein Unbekannter greift mit einem Schlagstock bewaffnet die 58 Jahre alte Petra Pepper auf dem Grundstück der Familie am Friedrich-Engels-Damm in Bad Saarow (Oder-Spree) an. Die Frau wird brutal niedergeschlagen und schwer verletzt. Nur weil die Hunde anschlagen, die das Opfer gerade ausführen wollte, und weil ein Zeuge sich nähert, lässt der Schläger schließlich von seinem Opfer ab und verschwindet unerkannt. Die Motivation des Angreifers bleibt im Dunkeln. Als Reaktion darauf engagiert Christian Pepper einen Wachschützer, um die Sicherheit seiner Familie zu gewährleisten.

Doch auch diese Vorsichtmaßnahme des Immobilienunternehmers kann einen weiteren, folgenschweren Anschlag nicht verhindern: Der mysteriöse Unbekannte sucht sich mit Peppers Tochter Louisa ein neues Opfer. Am frühen Morgen des 2. Oktober ist die junge Frau in Begleitung eines 31 Jahre alten Wachschützers auf der Pferdekoppel am Friedrich-Engels-Damm unterwegs. Um 7.20 Uhr fallen plötzlich mehrere Schüsse, die aber nicht die Frau, sondern den 31 Jahre alten Bodyguard treffen, der sich vor Louisa Pepper geworfen hatte. Die junge Frau hat Glück und trägt abgesehen von den psychischen Leiden keine äußeren Verletzungen davon. Der Wachmann jedoch bricht schwer getroffen mit inneren Verletzungen zusammen und muss notoperiert werden. Die behandelnden Ärzte können das Leben des Wachschützers retten, aber nicht verhindern, dass der Mann seither unter einer Querschnittslähmung leidet.

Flucht mit dem Motorrad

Die Ermittlungen der Mordkommission ergeben, dass der 1,70 bis 1,80 Meter große Schütze zu Fuß in Richtung Silberberger Straße geflüchtet war. In Höhe eines Trafohäuschens an einem Kreisverkehr hatte der Täter ein Motorrad abgestellt, auf dem er unbehelligt entkommen kann. Zur Tatzeit trug der Angreifer einen Militäranzug, außerdem schwarze Schnürstiefel. Auf dem Kopf hatte der Unbekannte einen Militärhelm, das Gesicht mit einem dazugehörigen Netz getarnt. Nicht sicher ist, ob der Mann auch eine Brille trug.

Die Familie bekommt Polizeischutz, lebt bis heute an einem unbekannten Ort und stellt eine Belohnung von 50.000 Euro in Aussicht, die zur Ergreifung des Täters führen sollen. Die Polizei in Berlin und Brandenburg kümmert sich um den Fall. Darüber hinaus sind Waffenexperten des Bundeskriminalamtes an den Untersuchungen beteiligt. Die Ermittler suchen mit einem unheimlich wirkenden Phantombild nach dem Täter. Zudem veröffentlicht die Polizei Fahndungsfotos, unter anderem vom Militäranzug und von Projektilen der eingesetzten Schusswaffe des Typs Ceska, ohne dass Hinweise hereinkommen, die die Aufklärung der Verbrechen wirklich voranbringen.

Ermittlungen in alle Richtungen

„Wir haben keinen entscheidenden Hinweis, der uns näher an den Täter herangebracht hat“, sagte der Sprecher der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (O.), Peter Salender. Der Mordanschlag in Bad Saarow wird von den Ermittlern aufwendig rekonstruiert. „Aber beim Motiv kommen wir nicht weiter“, muss Peter Salender eingestehen. Auch wenn der Immobilienunternehmer niemals direkt angegriffen wurde, könne nicht ausgeschlossen werden, dass er über die beiden Frauen die Zielscheibe gewesen sei, so Polizeisprecher Salender. Da jedoch andere Tatmotive nicht mit Sicherheit auszuschließen sind, heißt es seitens der Polizei wie seit fast einem Jahr: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Der Tatvorwurf lautet auf dreifachen Mordversuch. Die Ermittler gehen davon aus, dass es bei allen Anschlägen ein und derselbe Täter war, der mit „größtmöglicher Brutalität“ vorgegangen sei.

Während sich nach dem zweiten Angriff der Immobilienunternehmer Christian Pepper Medienberichten zu Folge öffentlich bei dem Wachmann für seinen Einsatz bedankt hat, schweigt die Unternehmensgruppe jetzt. Die Bedrohten sind Angehörige des im Jahr 2003 gestorbenen legendären Investors Karl Heinz Pepper, der unter anderem das Europacenter am Berliner Tauentzien nahe der Gedächtniskirche in Charlottenburg errichten ließ.

Polizeisprecher Salender sagte, dass das Anwesen in Bad Saarow weiterhin kontrolliert werde. „Ich bin überzeugt, dass wir den Fall klären werden – früher oder später.“

mit dpa