Brandenburg

Potsdamer demonstrieren für Kunsthalle von Hasso Plattner

Prominente und Potsdamer machen sich für die von SAP-Mitbegründer Hasso Plattner geplante Kunsthalle im Stadtzentrum stark.

Foto: DAPD

Selbst TV-Moderator Günter Jauch hätte den Mann mit dem dunklen Basecap auf den silbernen Locken zuerst fast nicht erkannt. „Mit ihnen habe ich heute Abend wirklich nicht gerechnet“, entfuhr es Jauch, als Hasso Plattner plötzlich vor ihm stand.

Wenig später trat der Software-Milliardär vor die rund 1000 Menschen, die sich am Montag auf dem Alten Markt versammelt hatten – und wurde mit lautem Beifall empfangen. Unterstützt von zahlreichen Prominenten, demonstrierten die Potsdamer dafür, dass Hasso Plattner die von ihm in Aussicht gestellte Kunsthalle doch noch am Lustgarten baut. Da, wo das 17-stöckige frühere DDR-"Interhotel" und heutige "Mercure" steht. In bester Lage gegenüber dem Landtags-Stadtschloss. Wegen der vor allem von den Linken geschürten Bedenken hatte Plattner vorige Woche überraschend angekündigt, die Halle am Jungfernsee bauen zu wollen.

Am Montagabend zeigte sich der 56-Jährige „überrascht davon“, wie wenige offenbar gegen die Kunsthalle im Zentrum der Stadt sind. Denn es hatte nur eine kleine, wenn auch lautstarke Gruppe den Weg zum Alten Markt gefunden. Mit Sprechchören und Transparenten demonstrierte sie für den Erhalt des Mercure. Hasso Plattner sicherte den jubelnden Lustgarten-Befürwortern schließlich zu: „Ich werde mir die Sache noch mal genau überlegen.“ Und unter heftigem Applaus fügte er hinzu: „An mir wird es nicht scheitern.“ Zuvor hatte er betont, dass er sein Geschenk nicht gegen den Willen der Potsdamer machen wolle.

Weiße Flotte will auf Hafengebäude verzichten

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) versprach, alles zu tun, damit die Kunsthalle an der Stelle des Hotel-Betonklotzes gebaut werden kann. Die 50 Hotel-Mitarbeiter „müssen keine Sorge um einen Arbeitsplatz haben“, sagte Jakobs. Mit dem Hotel- und Gaststättenverband sei vereinbart, dass es einen Personalpool geben werde und die Angestellten ein Angebot erhalten. Er kündigte auch an, Plattner die Verhandlungen mit der Weißen Flotte abnehmen zu wollen. Der Geschäftsführer der Weißen Flotte, Jan Lehmann, trat ebenfalls vor das Mikrofon. Auch er erhielt Applaus, als er sagte: „Wir werden zugunsten der Kunsthalle auf das derzeitige Hafengebäude verzichten.“ Die Reederei wolle aber an der Langen Brücke ihren Standort behalten.

Günther Jauch warb in seiner Ansprache vehement für Plattners Kunsthalle – und kritisierte die Linken als „Ewiggestrige“ scharf. Für seine Teilnahme an der Demonstration hatte er sogar seinen Urlaub unterbrochen. Jauch sprach von einem „Jahrhundertgeschenk“, das Plattner der Stadt Potsdam mit seiner Kunsthalle mache. „Hasso Plattner muss erfahren, dass eine überwältigende Mehrheit der Potsdamer sich über sein Engagement unbändig freut“, sagte Jauch. Es handele sich nur um wenige, „die anscheinend immer wieder (Schaden)-Freude daran haben, in Potsdam destruktiv tätig zu werden.“ Auch die Schauspielerin Nadja Uhl und Modedesigner Wolfgang Joop plädierten leidenschaftlich für die Kunsthalle am Lustgarten. Zu der Demonstration hatte die Initiative „Mitteschön!“ aufgerufen. „Wir freuen uns sehr, dass es zu diesem beeindruckenden Schulterschluss gekommen ist“, sagte Initiatorin Barbara Kuster.

Die Kunsthalle soll die derzeit etwa 25 DDR-Exponate umfassende private Sammlung Plattners beherbergen. Zudem soll auch Kunst der klassischen Moderne ihren Platz finden. Hasso Plattner will die Kunsthalle nicht nur errichten, sondern auch betreiben.

Als erste Kritik an dem von ihm und Oberbürgermeister Jann Jakobs vorgeschlagenen Standort anstelle des Mercure laut wurden, sagte Plattner: „Ich will mich keinesfalls gegen die Bürger stellen, selbst, wenn es eine Minderheit ist.“ Er wolle den Potsdamern nichts wegnehmen und „nicht als reicher Pinkel auftreten“. Bis 15. Juli, so heißt es, könne Plattner Blackstone, dem derzeitigen Eigentümer, das „Mercure“-Grundstück abkaufen. Der Hotel-Pachtvertrag für die Arcor-Gruppe läuft bis Jahresende.

„Bis zur Absage von Herrn Plattner haben sich nur die lautstark zu Wort gemeldet, die gegen den Standort gewettert haben“, hatte sich SPD-Fraktionsvorsitzende Mike Schubert vor der Veranstaltung zuversichtlich gezeigt. „Alle anderen wollten Gezänk vermeiden. Dadurch entstand ein Zerrbild.“ Der Meinung scheint Plattner nun auch. „Nun liegt es an der Stadt Potsdam“, sagte er.

Schon mehr als 20 Millionen Euro gespendet

In der brandenburgischen Hauptstadt ist Plattner, der als einer der reichsten Männer der Welt gilt, seit Jahren aktiv. Am Griebnitzsee baute der SAP-Mitbegründer und gebürtige Berliner ein Institut für Softwaresystemtechnik auf. Seit 2002 ist Plattner Ehrendoktor und seit 2004 Honorarprofessor der Universität Potsdam. Er besitzt eine Villa am Griebnitzsee und lebt auch in den USA und in Südafrika. Der Potsdam-Liebhaber spendete bereits mehr als 20 Millionen Euro für die Stadtschloss-Fassade des neuen Landtags und das historische Kupferdach.