Der Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner will Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam eine Kunsthalle stiften und dort eine Sammlung aufbauen lassen. Einen entsprechenden Bericht der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ bestätigte die Stadtverwaltung am Freitag. Bereits seit geraumer Zeit werde nach einem geeigneten Standort gesucht. Die Halle soll wechselnden Ausstellungen von Bildern und Skulpturen dienen sowie Plattners persönliche Kunstsammlung aus DDR-Zeiten aufnehmen. Dessen Stiftung werde sich um den weiteren Ausbau der Bestände kümmern, hieß es. Geplant sei „ein modernes Gebäude, das einen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung der Landeshauptstadt leistet“.

Das könnte einmal am Lustgarten, an der Schiffbauergasse, in der alten Speicherstadt oder am Blücherplatz stehen. Noch sei nichts entschieden, betonte die Pressestelle der knapp 160.000 Einwohner zählenden Kommune. Deren Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte aus seiner Freude und Begeisterung keinen Hehl: „Das Angebot von Hasso Plattner für eine Potsdamer Kunsthalle mit herausragenden Zeugnissen der Kunst ist eine einmalige Chance für die Landeshauptstadt. Sie wäre ein Aushängeschild mit internationaler Strahlkraft.“ Plattner wurde gleichzeitig mit den Worten zitiert: „Ein Standort in der Stadt Potsdam wäre äußerst wünschenswert vor dem Hintergrund meiner Verbundenheit zum Havelland.“

Von dieser Verbundenheit hat Potsdam schon reichlich profitiert: 1998 stiftete der Gründer und heutige Aufsichtsratschef des Softwarekonzerns SAP der Stadt Potsdam und ihrer Universität für 200 Millionen Euro das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI). Auch für die historische Fassade des alten Stadtschlosses, wo einmal der Landtag unterkommen soll, machte Plattner 20 Millionen Euro locker. Als es dann darum ging, das schon gelieferte Titanzink für das Dach womöglich durch teureres Kupfer zu ersetzen, legte Plattner noch einmal knapp zwei Millionen Euro oben drauf. Zu den Kosten der Kunsthalle wurden vorerst keine Angaben gemacht.

Leitung und Pressestelle des HPI zeigten sich am Freitag ebenso überrascht von seinen Kunsthallen-Plänen wie die Öffentlichkeit. Plattner war für eine Stellungnahme zunächst nicht direkt zu erreichen. Der leidenschaftliche Hochsee-Segler und Golfer hält sich nach Angaben seines Sprechers Hans-Joachim Allgaier derzeit in Kalifornien auf. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass ein Grundstück für einen repräsentativen Bau nicht einfach zu beschaffen ist, hoffe aber mit meiner Idee auf das Wohlwollen der Stadt Potsdam und seiner Bewohner zu stoßen“, ließ er mitteilen. „Ich bin der festen Überzeugung, mit einer solchen Institution einen besonderen Beitrag zum Kulturleben Potsdams leisten zu können.“

Als aussichtsreicher und wohl prominentester Standort für die neue Kunsthalle gilt der Platz, an dem jetzt das in den 1960er-Jahren errichtete Hotel Mercure nahe der Havel steht. Über seinen Abriss wird schon länger in der Landeshauptstadt debattiert, da es architektonisch nicht zu den umliegen Gebäuden wie etwa dem neuentstehenden Landtagsbau in der äußeren Gestalt des alten Stadtschlosses passt. Die Idee einer Kunsthalle war in der Vergangenheit immer wieder hochgekommen, aber vor allem aus Geldmangel nie verwirklicht worden. In Berlin ist sie ein Lieblingsprojekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) und fand immerhin Eingang in den Koalitionsvertrag von SPD und CDU, wonach ein Bau in der Bundeshauptstadt geprüft werden soll.

dpa/mim