Der Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner kann seine Kunsthalle in Potsdams Mitte errichten. Dafür soll das 17-stöckige Mercure und frühere Inter-Hotel gegenüber dem künftigen Landtags-Stadtschloss am Lustgarten weichen.
Die Stadtverwaltung Potsdam stellte dazu am Freitag eine entsprechende Standortstudie vor. „Der Lustgarten ist im Vergleich von sieben potenziellen Standorten klar die Nummer eins“, sagte Stadtplanerin Susanne Engelbrecht. Sie hat die Studie im Auftrag Potsdams erstellt.
Alle Standorte seien nach 19 Kriterien untersucht worden, ergänzte Potsdams Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne). Die Ergebnisse sollen den Stadtverordneten am kommenden Mittwoch vorgelegt werden.
Forderungen berücksichtigt
Zentrale Forderungen von Plattner seien berücksichtigt worden. So soll die Kunsthalle ein Solitär und gut zu sehen sein. Zudem müsste ein infrage kommendes Grundstück eine Baufläche von 4000 Quadratmetern aufweisen und es müsse moderne Architektur umsetzbar sein, erklärte Klipp weiter. Außerdem soll die Halle gut erreichbar sein. „All das ist beim Lustgarten-Grundstück erfüllt“, sagte Baudezernent Klipp.
So ein Neubau würde sich „ganz wunderbar“ einfügen, sagte Baudezernent Klipp. „Der Lustgarten war früher eine Wiese. Hier gab es nichts Historisches.“ Mit dem Landtagsneubau in direkter Nachbarschaft würde ein „wirklich toller Spannungsbogen“ entstehen.
Probleme mit dem Baurecht seien nicht zu erwarten. „Das Hotel aus DDR-Zeiten passt sich gar nicht in den Lustgarten ein“, so Klipp. Da der Hotelbetreiber Ende 2011 eine Frist zur Verlängerung des Pachtvertrages versäumt hat, werde der Komplex zum 31. Dezember dieses Jahres geräumt. Gespräche zwischen Plattner und dem Grundstückseigner „Black Stone“ über einen Kauf des Areals seien bereits im Gang, hieß es.
Der Verkehrswert des Grundstücks beläuft sich laut Klipp auf etwa 14 Millionen Euro. Das Projekt sei unter 40 Millionen Euro nicht zu stemmen, schätzte der Baudezernent vorsichtig.
Start in zwei Wochen möglich
Das Vorhaben könnten kurzfristig umgesetzt werden. „Abriss und Neuaufbau könnten nach Bauantragsstellung innerhalb von 14 Tagen starten“, sagte Klipp. „Die Verwaltung jedenfalls muss nicht lange in medias res gehen, wenn Bauherr Plattner der Stadt etwas schenken will“, stellte Klipp klar. Der Mäzen übernehme sogar nach Eröffnung sämtliche Betriebs- und Personalkosten.
Hasso Plattner hat Potsdam bereits rund 20 Millionen Euro für die historische Fassade des wiederaufzubauenden Stadtschlosses am Alten Markt gespendet. Dort soll nun nach Verzögerungen voraussichtlich Ende 2013 der Landtag einziehen.
Im April dieses Jahres überraschte Plattner damit, dass er Potsdam auch eine Kunsthalle stiften will. Der Bau und spätere Betrieb sollen über eine Stiftung finanziert werden. Die Kunsthalle soll wechselnden Ausstellungen von Bildern und Skulpturen dienen sowie Plattners persönliche Kunstsammlung aus DDR-Zeiten aufnehmen. Wie der Bau aussehen soll, sei noch unklar. Als ein mögliches Vorbild habe Hasso Plattner die Kunsthalle Baden-Baden genannt, sagte Klipp. Der Bauherr könnte sich die Halle zweistöckig vorstellen. Der Milliardär habe angekündigt, einen Wettbewerb durchführen zu wollen. Dieser wäre schnell auf die Beine zu stellen, ergänzte Stadtplanerin Engelbrecht.
Plattner möchte seine Kunsthalle allerdings nicht gegen den erklärten Willen eines nennenswerten Teils der Potsdamer Bevölkerung errichten, hieß es. Wenn die Halle hier nicht gewollt sei, werde er sie anderswo bauen – beispielsweise in Berlin. Die Kunsthallen-Gegner mahnte Klipp zur Einsicht. „Entweder wir bauen jetzt die Kunsthalle oder wir werden weitere 20 oder 30 Jahre das Hotel dort haben“, sagte er. Die Chance, aus dem privat genutzten Hochhaus öffentlichen, kulturell genutzten Raum zu machen, müsse ergriffen werden.
Große Teile der Potsdamer Linkspartei haben sich bislang gegen die neue Kunsthalle an dem geplanten Standort ausgesprochen.
dpa/gma




