Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat Anklage gegen den früheren Schatzmeister der Brandenburger Bündnisgrünen, Christian Goetjes, erhoben. „Er muss sich vor dem Landgericht Potsdam wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Untreue in 267 Fällen verantworten“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Ralf Roggenbuck, Morgenpost Online.

Goetjes wird vorgeworfen, von Januar 2009 bis Februar 2011 regelmäßig Geld von Parteikonten auf seine privaten Konten überwiesen zu haben. Er soll mit Parteigeldern auch private Rechnungen bezahlt und Bargeld abgehoben haben. „Wir gehen von einem Gesamtschaden von mehr als 270.000 Euro aus“, sagte Staatsanwalt Roggenbuck. Für jeden einzelnen Fall sei eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorgesehen.

Der inzwischen aus der Partei ausgetretene Goetjes war vor einem Jahr in Berlin-Wedding festgenommen worden. Der Haftbefehl wurde verkündet, aber gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Zuvor war der damals 33-Jährige wochenlang verschwunden. Und mit ihm ein beträchtlicher Teil der Parteikasse. Der langjährige Grünen-Schatzmeister soll zeitweise im Ausland und in ganz Deutschland unterwegs gewesen sein.

Die Bündnisgrünen haben nach eigener Aussage von den Machenschaften Goetjes nichts gewusst. Er führte zuvor zehn Jahre lang ohne Beanstandungen die Kasse des Landesverbandes. Mitte Februar vorigen Jahres hatten Parteifreunde bei einer Zusammenkunft vergebens auf den Schatzmeister gewartet. Er sandte eine SMS, dass er erst gegen 14 Uhr kommen könnte. Danach legte er per E-Mail völlig überraschend sein Amt nieder. Er könne das Ehrenamt aus zeitlichen Gründen nicht mehr ausüben und wolle sich in Zukunft mehr auf sein Studium an einer Berliner Fachhochschule konzentrieren, so Goetjes. Wie sich später herausstellte, war er gar nicht mehr an der Hochschule eingeschrieben.

Nach der E-Mail meldete sich Goetjes nicht mehr – wohl auch bei seiner Familie nicht. Sein Vater gab daraufhin eine Vermisstenanzeige auf. Einen Tag darauf stellte der Vorstand der Grünen bei einer Routinekontrolle fest, dass an drei Tagen zuvor mehrere Barabhebungen von rund 36.800 Euro erfolgt waren. Goetjes hatte eine Kontovollmacht. Die schockierten Parteifreunde erstatteten Anzeige wegen des Verdachts der Untreue.

Nachdem die Grünen alle Unterlagen überprüft hatten, offenbarte sich ihnen ein Fiasko: Zuerst fehlten 40.000 Euro, am Ende mussten sie davon ausgehen, dass ihr Parteifreund sie um rund 200.000 Euro gebracht hat. Der von der Staatsanwaltschaft bezifferte Schaden von rund 270.000 Euro liegt nun noch weitaus höher als bislang befürchtet.

Laut Grünen-Vorstand hat Goetjes die Partei systematisch betrogen und gefälschte Kassenberichte vorgelegt. Dabei habe er das Vertrauensverhältnis gezielt ausgenutzt, das er sich in den Jahren zuvor durch zuverlässige Arbeit erworben habe. Die Konten des Landesverbandes seien stets gedeckt gewesen und alle Rechnungen seien bezahlt worden, sagte Raschke damals. Damit habe es keine Auffälligkeiten durch negative Kontostände oder Mahnungen gegeben. Als Konsequenz haben die Grünen die Regeln für die Kassenführung verschärft.