Ex-Schatzmeister

Grüne erschüttert von Kinderporno-Vorwürfen gegen

Gegen Christian Goetjes, ehemaliger Schatzmeister der Brandenburger Grünen, werden neue Vorwürfe erhoben. Fahnder sollen Kinderporno-Videos auf seinem Computer gefunden haben. Ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue läuft bereits.

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Gegen den früheren Schatzmeister der brandenburgischen Bündnisgrünen, Christian Goetjes, besteht jetzt offenbar auch noch der Verdacht der Kinderpornografie. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, haben Fahnder bei dem 33-Jährigen einen Computer beschlagnahmt, auf dem sich Fotos und Videos mit kinderpornografischen Inhalten befinden sollen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam wollte dies am Sonnabend offiziell nicht bestätigten. Sie dementierte die Informationen aber auch nicht.

Gegen den langjährigen Schatzmeister läuft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue. In der vergangenen Woche hatte der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen mitgeteilt, dass der 33-Jährige vermutlich mehr als 200.000 Euro in den Jahren 2010/11 beiseite geschafft hat. Der inzwischen aus der Partei ausgetretene Schatzmeister sei in den Jahren 2010 und 2011 systematisch „mit offensichtlich krimineller Energie vorgegangen“, informierte der Parteivorstand am Dienstag die Öffentlichkeit von dem Ergebnis der Prüfung. Sie förderte zutage, dass Goetjes fünfmal mehr Geld entwendet hat, als bislang bekannt geworden war. Der Ex-Schatzmeister habe gefälschte Kassenberichte vorgelegt. „Auch der Haushalt beruhte auf falschen Zahlen“, sagte Grünen-Landeschef Benjamin Raschke. Betroffen ist auch der Kreisverband Oberhavel, in dem Goetjes ebenfalls die Kasse geführt hatte. Dort fehlten 7095 Euro.

33-Jähriger war verschwunden

Die Konten des Landesverbandes seien stets gedeckt gewesen, alle Rechnungen wurden bezahlt, so Parteichef Raschke. Deshalb habe es keine Auffälligkeiten durch negative Kontostände oder Mahnungen gegeben. Die Partei hatte den Verlust erst entdeckt, nachdem Goetjes im Februar plötzlich verschwunden war. Sie ging damals noch von einem Fehlbetrag von rund 40.000 Euro aus.

Nachdem er wochenlang auch nicht für seine Eltern erreichbar war, tauchte der Ex-Schatzmeister Ende März in Berlin-Wedding wieder auf und wurde festgenommen. Allerdings wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Er blieb auch nach Bekanntwerden des weitaus höheren Schadens von 201.699,09 Euro auf freiem Fuß. Ein Sprecher der Staatsanwalt sagte, Goetjes erfülle die Auflagen. Die jüngsten Angaben zum Ausmaß des Schadens hätten keinen Einfluss darauf, dass Goetjes weiterhin auf freiem Fuß sei. Die Staatsanwaltschaft sei bereits von einer höheren Geldsumme ausgegangen, hieß es außerdem.

Ermittlungen wegen Geldwäsche

Gegen den Mann wird auch wegen Geldwäsche ermittelt. Er hatte im Mai und Juni 2010 Geld an eine Frau in Bulgarien überwiesen.

Die neuesten Vorwürfe im Zusammenhang mit Kinderpornografie erschüttern die Brandenburger Grünen. Sie hätten Goetjes, wie Landeschef Raschke sagte, immer vertraut. Mehr als zehn Jahre führte er die Kasse des Landesverbandes. Dabei habe es nie Beanstandungen gegeben. Wie Morgenpost Online erfuhr, habe es allerdings vor Jahren Gerüchte über eine drogenabhängige Freundin gegeben.

Raschke, wollte die neuen Vorwürfe wegen Kinderpornografie aber nicht kommentieren. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über laufende Ermittlungsverfahren gegen Herrn Goetjes“, sagte er am Sonnabend. Hinter den Kulissen ist die Partei aber in heftigem Aufruhr. Sie war 2009 mit fast sechs Prozent in den Landtag zurückgekehrt und liegt in den Umfragen mittlerweile bei acht Prozent. Ein führendes Mitglied sagte: „Goetjes hat uns nicht nur um viel Geld betrogen, sondern der Partei auch einen schweren Imageschaden zugefügt.“