Werkstattverfahren

Potsdam sucht das richtige Bäder-Konzept

Die bisherigen Bäder in Potsdam platzen aus allen Nähten. Nun sollen die Bürger über neue Bad-Varianten mitdiskutieren. Drei verschiedene Vorschläge stehen zur Wahl.

Foto: Katrin Starke

Die Landeshauptstadt und ihre Schwimmbäder – eine lange Geschichte, geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. Wäre es nach den Wünschen des Stararchitekten Oscar Niemeyer gegangen, hätte Potsdam heute unterhalb des Brauhausberges eine Schwimm- und Freizeitlandschaft vom Feinsten. Ein „unbezahlbares“ Projekt, das die Stadt nach jahrelangem Streit um Ausschreibung und Förderung zu den Akten legte. Doch auch der im Januar 2010 von den Stadtverordneten beschlossene Neubau eines Familien- und Freizeitbades im Bornstedter Feld neben der Biosphäre steht seit etlichen Monaten wieder zur Disposition. 18 Millionen Euro kalkulierten die Stadtwerke als Bauherr. Zu wenig für die von den Stadtvertretern geforderten Standards, wie sich jetzt zeigt. Und: Der im Gegenzug geplante Abriss des 40 Jahre alten maroden Bades am Brauhausberg – über den Verkauf von Grundstücken dort sollte der Neubau teilweise refinanziert werden – hat mittlerweile eine Bürgerinitiative sich gründen lassen. Mit Unterschriftenlisten und Ideenwettbewerben kämpft sie um den Erhalt des Brauhausbades. Nun setzt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) auf Basisdemokratie. Im März 2012 will er die Potsdamer selbst über die künftige Bäderstruktur entscheiden lassen.

„Ergebnisoffene Diskussion“

In einem Werkstattverfahren können zwischen Januar und Februar Vertreter aller Interessengruppen Badvarianten diskutieren. Das letzte Wort haben aber die Stadtverordneten. Die entscheiden im Mai über den dann vorliegenden Vorschlag. Gegenwärtig betreibt die Bäderlandschaft Potsdam GmbH im Auftrag der Landeshauptstadt mit dem veralteten Bad am Brauhausberg und dem 2005 und 2007 sanierten Kiezbad am Stern zwei Hallenbäder, die von Potsdamern, Schulen und Vereinen genutzt werden. In einer wachsenden Stadt mit derzeit 157000 Bewohnern sind die Bäder allerdings längst an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Drei Varianten für die künftige Bäderstruktur werden emotionsgeladen debattiert: die Sanierung des Brauhausbades, der Neubau eines Familien- und Freizeitbades im Bornstedter Feld, wofür das Brauhausbad abgerissen würde, oder eine Kombi-Lösung aus zu sanierendem Brauhausbad inklusive Neubau eines Kiezbades im Norden. „Bei diesen Modellspielen muss es nicht bleiben“, unterstreicht Bürgermeister Burkhard Exner (SPD). „Das Werkstattverfahren ist ergebnisoffen angelegt, alle Aspekte – von der Wirtschaftlichkeit über die Funktionalität bis zum Heimatgefühl – sollen eine Rolle spielen.“

Die Verwaltungsspitze favorisiert klar den Neubau eines Sport- und Familienbades an der Georg-Hermann-Allee. Exner wie auch Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) und die Sportbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU) wollen dafür öffentlich Überzeugungsarbeit leisten. 23 Millionen Euro müssten die Stadtwerke voraussichtlich für dieses Vorhaben investieren. Mit zehn 50-Meter-Bahnen, Sprungbereich, Lehrschwimmbecken und Zusatzangeboten für bestimmte Zielgruppen würden Vereinsschwimmer, aber auch Familien auf ihre Kosten kommen. Dass die Sportschwimmhalle auch als Wettkampfstätte anerkannt und damit geeigneter Tummelplatz für die OSC-Wasserballer wäre, zählt als Hauptargument für Magdowski.

„Und nur im Bornstedter Feld haben wie Kapazitäten, das Bad zu erweitern. Anders als am Brauhausberg“, sagt Klipp. Acht 50-Meter-Bahnen teilen sich dort Schüler, Familien, Vereine und die Wasserballer. Kein Zustand, wie Klipp konstatiert. Und auch keine Option, wenn man für rund 13 Millionen Euro das Bad sanieren müsste. Nur minimal könnte aufgrund der Renovierungsarbeiten das Angebot ergänzt werden.

Die Bürgerinitiative Pro Brauhausberg plädiert dagegen für eine Mixtur an Bädern. Danach sollte das Bad am Brauhausberg für die nächsten 30 Jahre „haltbar“ gemacht werden. Neben dem bestehenden Kiezbad am Stern müsste im Norden Potsdams zusätzlich ein neues, gleichwertiges Bad entstehen. Gesamtkosten: 24,5 Millionen Euro. Für Bürgermeister Exner keine Lösung: „Weder kann das Bad am Brauhausberg mit neuen Angeboten wirtschaftlich aufgewertet werden, noch wäre eines der Bäder als Wettkampfstätte tauglich.“

Sämtliche Investitions- und Betriebskosten für eine sanierte Halle am Brauhausberg in den nächsten 31 Jahren betragen fast 52 Millionen Euro. Die Stadt müsste ihren Zuschuss an den Betreiber um 1,67 Millionen Euro erhöhen. Bei der Kombilösung mit 96 Millionen Euro Betriebskosten in 31 Jahren müsste die Stadt ihren Zuschuss um rund 3,09 Millionen Euro aufstocken. Nur knapp eine Million müsste sie bei der Neubauvariante berappen. Denn auf 31 Jahre gerechnet, liefen hier nur rund 29 Millionen Euro auf.