Wiederaufbau

So soll Potsdams Garnisonkirche aussehen

Spätestens 2017 soll Potsdam sein historisches Gesicht zurückbekommen. Auf einer Grundfläche von 20 mal 20 Metern wird dann der 89 Meter hohe Turm der Garnisonkirche stehen. Jetzt wurden die Pläne vorgestellt.

Foto: Glanze

Noch klafft eine riesige Baulücke an der Breiten Straße in Potsdam. Vom neuen Wahrzeichen der brandenburgischen Landeshauptstadt ist bisher nichts zu sehen. Doch spätestens 2017 soll die Stadt hier ihr historisches Gesicht zurückbekommen. Auf einer Grundfläche von 20 mal 20 Metern soll dann der 89 Meter hohe Turm der Garnisonkirche stehen. Barrierefrei zugänglich und mit einer Plattform, die einen Blick über die Stadt ermöglichen soll.

Am Mittwoch stellte die Arbeitsgemeinschaft „Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam“ ihre Pläne für den ersten Bauabschnitt vor. „Die Kirche ist ein Wahrzeichen der Stadt Potsdam“, sagte Architekt Christoph Sattler. Daher gehe es bei den Arbeiten darum, das Gebäude möglichst exakt nachzubauen. Die Fassade soll aus Back- und Naturstein wiedererrichtet werden, der Turm wird durch Betondecken gestützt. Die vier Pfeiler, die bis 1968 den Turm stützten, wird es dann nicht mehr geben.

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche, der frühere Bischof Wolfgang Huber, bekräftigte den Plan, die Garnisonkirche originalgetreu nachzubauen. „Allerdings auf dem heutigen Stand der Technik“, sagte Huber. So sollen zwei Fluchtwege für bis zu 1800 Menschen zur Verfügung stehen.

Die Kirche wurde im Jahr 1730 erbaut und 1968 von der DDR gesprengt. „Sie hat verschiedene Epochen durchlaufen und eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich“, sagte Huber. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im April 1945 wurde das Kirchenschiff zerstört, bis 1968 wurde der Gottesdienst im Sockelgeschoss des Turmes gefeiert. An diese Tradition möchte die Arbeitsgemeinschaft wieder anknüpfen. Der neue Andachtsraum soll aber gleichzeitig ein Ort des Erinnerns und Gedenkens sein. An die Menschen, die Widerstand leisteten und gegen das Nazi-Regime und die SED-Führung kämpften. „Die Erinnerung beginnt dort, wo man das Gebäude betritt“, sagt Altbischof Huber. Zum einen sei die Kirche ein Wahrzeichen der Stadt, zum anderen zeige sich an diesem Ort auch die „Widerborstigkeit der Geschichte.“ In der Garnisonkirche feierten nach dem Reichstagsbrand 1933 Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg das Bündnis zwischen Faschismus und preußischem Militär. Der 21. März 1933 ging als „Tag von Potsdam“ in die Geschichte ein.

Eben diese Tradition sorgt in der Landeshauptstadt auch für Kritik am Wiederaufbau. Anfang des Jahres gründete sich die Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“. „Wir wollen nicht, dass einem veralteten Preußentum gehuldigt wird“, sagt der Historiker Henri Herborn, 31, einer der Mitbegründer der Initiative. Aus seiner Sicht stehe der Bau im direkten Zusammenhang mit dem Hitler-Regime und sei ein Symbol der Vergangenheit. Zudem durchtrenne der Neubau eine der Hauptverkehrsadern der Stadt.

Da der Turm zum Teil auf der Breiten Straße steht, muss die umgebaut werden. Die Kosten dafür trägt die Stadt Potsdam. „Das ist auch vertraglich so zugesichert“, sagt Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Das Grundstück, auf dem das Gotteshaus errichtet werden soll, gehörte einer Treuhandgesellschaft. Die wiederum gab es an die Stadt Potsdam ab. Unter einer Bedingung: Die Stadt war verpflichtet, die Fläche kostenlos abzugeben, sobald es wieder Bestrebungen gibt, die Garnisonkirche aufzubauen. Und damit auch die Straßenführung zu verändern.

Doch damit gibt sich die Bürgerinitiative nicht zufrieden. „Es gab in Potsdam keinen Diskurs darüber, ob wir diese Kirche brauchen oder nicht“, sagte Herborn. Das Geld für den kompletten Wiederaufbau, insgesamt knapp 100 Millionen Euro, sei an anderer Stelle sinnvoller investiert. Zum Beispiel in den Schulen des Landes. Oder um die Spaltung zwischen Arm und Reich in der Stadt zu überwinden.

Johann-Peter Bauer lässt diese Argumente nicht gelten. „Wir sammeln unsere Mittel aus Spenden“, sagte er. Die öffentliche Hand habe damit nichts zu tun. Außerdem sei der Wiederaufbau der Kirche auch ein Beitrag, sich mit der eigenen Geschichte und den Verfehlungen auseinanderzusetzen.

Das wünscht sich auch Altbischof Wolfgang Huber. Den neuen Andachtsraum beschreibt er mit vier Schlagworten: Beten, Erinnern, Bilden und Sehen. „Das ist ein Gewinn für die Kirche“, so Huber. Unabhängig davon, ob der Widerständler des 20. Juli 1944 oder der Kämpfer gegen das DDR-Unrechtsregime gedacht werde. Der Andachtsraum direkt unter dem Turm sei dafür ein Symbol. Doch das hat auch seinen Preis.

Allein der Aufbau des Turmes verschlingt nach Schätzungen 39 Millionen Euro. Bisher hat die Arbeitsgemeinschaft vier Millionen Euro gesammelt, wobei ein Großteil davon schon wieder ausgegeben ist. Um das Ziel, den Turm bis 2017 aufzubauen, zu erreichen, soll der Bau in verschiedene Abschnitte eingeteilt werden. „Wenn die Menschen sehen, dass es weitergeht, steigt hoffentlich auch die Spendenbereitschaft“, sagt Peter Leinemann von der Stiftung Garnisonkirche.

Das Architekturbüro, das den Vorentwurf gestern präsentierte, soll nun prüfen, welche Bauabschnitte zu welchen Kosten realisierbar sind. Die gesamte Bauzeit werde wohl zwischen drei und vier Jahren liegen. Leinemann sagte, dass man sich bewusst für einen frühen Baubeginn entschieden habe, um ein Signal zu setzen. „Wir wollten nicht warten, bis wir die 39 Millionen Euro zusammenhaben“, sagte er. Wann der Bau allerdings genau beginnen kann, konnte er gestern noch nicht sagen.

Leinemann zeigte sich aber optimistisch, das nötige Geld für den Bau aufzutreiben. „Wir führen Gespräche, die hoffen lassen“, sagte er. Darauf, dass die Baulücke an der Breiten Straße spätestens 2017 verschwunden ist. Und Potsdam sein historisches Gesicht zurückhat.