Voraussichtlich ab März kommenden Jahres wird die Baustelle am Alten Markt in Potsdam zur Schaustelle: Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Die Linke) rechnet damit, dass die Baugenehmigung für das Landtags-Schloss in etwa zwei Monaten vorliegt und die Arbeiten anschließend beginnen können. "Mit der Schaustelle kann dann jeder verfolgen, wie sich der Bau des neuen Parlamentsgebäudes entwickelt", sagte Markov.
Das Finanzministerium ist Bauherr des künftigen Landtages, der für knapp 120 Millionen Euro gebaut wird und der bis 2013 fertiggestellt sein soll. Das Gebäude soll die Fassade des 1744-51 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erbauten und 1960 abgerissenen Schlosses erhalten. Möglich geworden ist das dank einer 20 Millionen-Euro-Spende des Softwaremilliardärs Hasso Plattner. Neben dem Plenarsaal und den Fraktionsräumen werden Büros für rund 150 Abgeordnete geschaffen. Damit sorgt Brandenburg für den Fall einer Länderfusion von Berlin und Brandenburg vor. Zunächst soll der Landesrechnungshof mit einziehen.
Kleines öffentliches Restaurant auf dem Dach
Der neue Landtag im Herzen der Stadt mit einer Nutzfläche von rund 19.000 Quadratmetern soll auch eine Tiefgarage mit 169 Plätzen erhalten. Nach den Plänen des renommierten Dresdner Architekten Peter Kulka wird die Kuppel für die Tages-Belichtung des Plenarsaals herangezogen. Der Besucher hat in weiten Teilen Zutritt. Auf dem Dach wird ein kleines öffentliches Restaurant mit Dachterrasse öffnen.
Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sieht den Zeitplan für den Spatenstich im März 2010 als "realistisch" an. Der Antrag für die Baugenehmigung war Anfang Dezember bei der Landeshauptstadt eingegangen. Am 2. September hatten Land und das niederländische Baukonsortium, die Royal BAM-Group, den Vertrag unterzeichnet.
Dem Start der Schaustelle im Frühjahr dürfte nichts entgegenstehen, sagte Jakobs. "Bis dahin werden auch die archäologischen Grabungen auf dem Gelände beendet sein." Das Richtfest für den Landtagsneubau wird voraussichtlich im Sommer 2011 gefeiert. Die Übergabe des fertig gestellten Neubaus an den Landtag ist für die Jahreswende 2012/2013 geplant.
Die Verkehrsbauarbeiten um den Alten Markt liegen laut Jakobs ebenfalls im Zeitplan. Allerdings müssen sich die Potsdamer noch auf weitere Behinderungen einstellen. So wird 2010 der Fußgängertunnel von Hafen zur Alten Fahrt der Havel um 1,50 Meter abgesenkt, um das bestehende Gefälle auszugleichen. Zudem wird laut Jakobs auf der Langen Brücke eine spezielle 180-Grad-Wendefahrspur eingerichtet, um das Rechtsabbiegen in den Humboldtring Richtung Babelsberg zu erleichtern. "Und nicht zuletzt wird auch die Breite Straße von der Höhe Spielbank bis zur Dortustraße verkehrstechnisch umgestaltet", sagte Jakobs. Damit würden auch um die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der Garnisonkirche geschaffen.
Schloss soll ein transparentes Bauvorhaben sein
Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) hatte von Anfang an für eine Schaustelle plädiert. "Ich halte es für sehr wichtig, die Potsdamer und ihre Gäste aus nah und fern stets informiert zu halten und über Historie, Gegenwart und Zukunft zu informieren. Das macht das Bauvorhaben transparent", sagte Fritsch. Kernelement der Schaustelle wird eine rund 100 Quadratmeter große Infobox auf dem Alten Markt sein.
Im Erdgeschoss wird eine Ausstellung Wissenswertes zur städtebaulichen Entwicklung des Ortes vermitteln, den Siegerentwurf von Peter Kulka vorstellen und die zukünftigen Nutzung als Sitz des Landesparlamentes erläutern. Auf der über eine umlaufende Rampe erreichbaren offenen Dachterrasse erhalten die Besucher schließlich einen unmittelbaren Eindruck vom Baufeld und dem architektonischen Ensemble am Alten Markt. Der Zugang zu der Infobox und den sanitären Anlagen ist behindertengerecht gestaltet.
Für Finanzminister Markov ist die Schaustelle erst der Anfang. "Ein Parlamentsgebäude ist nicht irgendein Bau, sondern es repräsentiert die oberste Volksvertretung eines Landes in besonderer Weise", sagt Markov. "Der neue Landtag in Potsdams Stadtmitte muss, gerade weil er architektonisch Geschichte und Moderne verbindet, vor allem ein Haus des Volkes, ein offenes Haus werden."





