Brandenburger Gewässer

Anlieger fürchten sich vor Seen-Ausverkauf

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Gudrun Mallwitz

Foto: Christian Kielmann

83 Seen bietet der Bund in Brandenburg zum Verkauf an. Für die Anwohner stellen die privaten Käufer eine Bedrohung dar. Sie wollen, dass das Land selbst die Gewässer erwirbt.

Peter Sombert fischt seit 1993 im Motzener See. In seiner urigen Fischerhütte am Strand von Kallinchen verkauft er vor allem Forellen, Zander, Hecht und geräucherten Aal an die Einheimischen; im Sommer drängen sich vor allem die Touristen um seinen Fisch-Stand. Seit Jahren beliefert er mit seinem frischen Fang regelmäßig auch das hiesige Vier-Sterne-Hotel Residenz. Der 57-Jährige liebt seinen Beruf und seinen See. Seit Jahren ist jedoch ungewiss, wie es mit beidem weitergeht; der Motzener See steht auf der Liste der Gewässer, die der Bund verkaufen will. In Brandenburg geht die Angst um, ein neuer Privatbesitzer könne die Zugangsrechte zum See beschneiden und hohe Gebühren für die Nutzung verlangen.

Bevor ein anderer Privater den Zuschlag bekommt, würde Peter Sombert den Motzener See sogar selbst kaufen. „Vorsorglich habe ich schon mal den Antrag gestellt“, sagt er. Als Pächter des Fischereirechts hat er ein Vorkaufsrecht. Im Fall des Falles würde der Fischer einen Verein gründen, der den See erwirbt und damit die Zugangsrechte für alle sichert.

Zum Gesamtpaket, das die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) dem Land Brandenburg im Januar anbot, gehören 83 Seen und 60 See-Teilflächen. Neben dem Motzener findet sich der Mellensee auf der Liste, ebenso der Caputher See und der Buckowsee in der Uckermark.

Proteste gegen Seen-Verkauf

Bis zum Jahr 2009 hatte der Bund Seen aus seinem Besitz meistbietend verkauft – auch an Privatinvestoren. Erst nach massivem öffentlichem Druck verständigte man sich damals mit den betroffenen Ländern auf ein Moratorium. Eine Online-Petition war zwar an fehlenden Unterschriften knapp gescheitert, doch der Protest gegen den Seen-Ausverkauf ging weiter. Der Bund setzte den Verkauf 2009 schließlich auf unbestimmte Zeit aus.

Bislang aber wartet er vergebens darauf, dass das Land Brandenburg sich um Seen kümmert. „Wir warten nun erst auf das Angebot der Kommunen und des Landes“, sagt BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. „Bis dahin ruht still der See.“

Je länger sich aber das Land Zeit lässt, umso nervöser werden die Anlieger. „Wir wissen doch nicht, was ein Privater mit unserem See anstellen würde“, sagt Fischer Peter Sombert.

Als abschreckendes Beispiel gilt in Brandenburg der Wandlitzsee. Er hatte im Jahr 2003 den Besitzer gewechselt. Den Zuschlag erhielt damals die Firma von Werner Becker für 450.000 Euro. Die Gemeinde Wandlitz hätte dagegen nur 200.000 Euro aufbringen können. Doch seither gab es nur Ärger, denn der neue Eigentümer, ein Anwalt aus Düsseldorf, wollte hohe Gebühren für die Stegbenutzung. Auch die Gemeinde Wandlitz musste tief in die Tasche greifen, um ihr Strandbad behalten zu können und den Steg mit dem Sprungturm. Sie zahlte Becker dafür 60.000 Euro.

Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (parteilos) drängt deshalb auch für den Motzener See auf eine baldige Entscheidung. Die Stadt Zossen habe bereits 2007 einen Zuordnungsantrag für den See gestellt. Doch vor einer Entscheidung sei damals das Verkaufsmoratorium beschlossen worden. „Sollte das Land den Zuschlag erhalten, wäre das für uns auch in Ordnung“, sagt Schreiber. „Es sollte aber endlich passieren.“ Die Stadt Zossen hat bereits den Großen Wünsdorfer See gekauft – in Etappen. Für den Teil, auf dem das Strandbad steht, zahlte sie rund 35.000 Euro, das war der größte Brocken. Über den Rest der Summe schweigt man.

Der Motzener See liegt zur Hälfte auf dem Gebiet des Kreises Teltow-Fläming, zur anderen auf dem von Dahme-Spreewald. Das Land hätte ihn schon kurz nach der politischen Wende gerne gekauft, doch dann gingen die Seen in den Besitz des Bundes über. Motzens Bürgermeister Uwe Pfeiffer (CDU) behauptet allerdings, der See gehöre bereits dem Land. Das bestreiten jedoch Land und Bund. Zu dieser Zuordnung sei es damals nicht gekommen.

CDU drängt zur Eile

In der rot-roten Landesregierung in Potsdam gibt es weiterhin Stimmen, die fordern, der Bund solle die Seen kostenlos zur Verfügung stellen. „Es ist nach wie vor ein Unding, dass das zurückgekauft werden muss, was eigentlich dem Volk gehört“, sagt der parlamentarische Geschäftsfrüher der Linksfraktion im Landtag, Christian Görke. Die Opposition kritisiert diese Maximalforderung. Dieter Dombrowski, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, warnt: „Es wird bei der Seenübertragung keine Geschenke vom Bund geben, damit muss sich die Landesregierung realistischerweise abfinden.“ Die Opposition fordert Brandenburg vielmehr dazu auf, dem Vorbild Mecklenburg-Vorpommerns folgend, schneller zu verhandeln. Mit Mecklenburg-Vorpommern habe sich der Bund über den Ankauf von 37 Gewässern geeinigt, für den Preis von 1,86 Millionen Euro. In Brandenburg könnte der Preis wegen der größeren Wasserflächen womöglich bis zu viermal höher liegen.

Im brandenburgischen Infrastrukturministerium unter Jörg Vogelsänger (SPD) will man sich jedoch nicht drängen lassen. Dort werden derzeit Gewässersteckbriefe zu jedem der angebotenen rund 140 Seen oder Teilflächen erstellt. Sie sollen auch zum Beispiel Altlasten aufzeigen. Damit könnte Brandenburg den Preis für das teure Seenpaket wohl noch etwas drücken.