700.000-Euro-Finanzspritze

Rettung des SV Babelsberg bleibt umstritten

Der Zuschuss von 700.000 Euro für den SV Babelsberg seitens der Stadt Potsdam erfolgte gegen den Willen der Opposition. Ein bereits laufender Untersuchungsausschuss soll die Verbindung zwischen Politik, Vereinsvorstand und Sponsoren unter die Lupe nehmen.

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Die CDU war geschlossen dagegen, die FDP und die Grünen zeigten sich gespalten. Mit einer Mehrheit von SPD und Linker haben Potsdams Stadtverordnete auf Antrag von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beschlossen, dem angeschlagenen Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 in diesem Jahr 700.000 zuzuschießen. Nach Angaben des Oberbürgermeisters hätte sonst die Deutsche Kreditbank (DKB) dem Sportverein nicht zudem eine Bürgschaft in Höhe von 1,4 Millionen gewährt. Diese sichert dem SV den Verbleib in der Dritten Liga. Quasi in letzter Minute reichte der Verein am Mittwoch die Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußball-Bund ein. Der bestätigte per Fax, dass die Lizenzauflagen erfüllt seien. Die Fans können erst einmal aufatmen. Filz und Klüngel in der Landeshauptstadt sorgen aber weiter für Diskussionen. Oberbürgermeister Jann Jakobs muss am 27. Juni bei einer Sondersitzung den Stadtverordneten Rede und Antwort zu den dubiosen Vorgängen bei den Stadtwerken stehen – immerhin ist er auch Aufsichtsratsvorsitzender.

Unterlagen sichergestellt

Im Mittelpunkt der aufgeheizten Debatte steht der Umgang mit öffentlichem Geld. 15 Spezialisten für Wirtschaftsstraftaten des Landeskriminalamtes (LKA) und der Staatsanwaltschaft haben in dieser Woche Unterlagen bei den Stadtwerken sichergestellt. Sie waren auch in der Privatwohnung des ehemaligen Babelsberger Aufsichtsratschefs Peter Paffhausen. Er war wegen des Verdachts von illegalen Bürgschaften in den Fokus der Ermittler geraten. Der inzwischen abgelöste Geschäftsführer der Stadtwerke soll zwei Spielzeiten lang Etatlücken des SV Babelsberg mit Bürgschaften der Stadtwerke-Tochter EWP ausgeglichen haben – ohne Wissen des Aufsichtsrates und der Stadtverordneten. Sollte sich der Verdacht der Untreue bestätigen, drohen eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug. Ob auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ins Visier der Ermittler rückt, ist offen. „Wir werten derzeit alle Medienberichte aus“, sagte Oberstaatsanwalt Helmuth Lange.

Dass der Oberbürgermeister Stadtwerke-Chef Paffhausen offenbar mit einer hohen Summe abgefunden hat, könnten die Strafverfolger als Untreue zulasten der EWP und der Stadt Potsdam werten.

Vereinspräsident war Ex-Innenminister Rainer Speer (SPD). Er ist inzwischen auf Druck von seinem Amt zurückgetreten. Zum Nachfolger wurde der Babelsberger Kinobetreiber Thomas Bastian gewählt. Dass die Stadt jetzt noch einmal Steuergeld in den Sportverein steckt, kritisiert die CDU scharf. „Wir haben politisch verantwortlich zu entscheiden und nicht emotional“, sagt CDU-Fraktionschef Michael Schröder. Die Union wolle kein öffentliches Geld verwenden, um das Missmanagement des Ex-Vereinspräsidenten Rainer Speer „zu kaschieren“, sagt auch CDU-Chefin Katherina Reiche. Oberbürgermeister Jakobs hingegen warb für die erneute Finanzspritze: „Der SV Babelsberg ist ein bedeutendes sportliches Aushängeschild Potsdams.“ Die Linke verteidigt die Entscheidung. Deren Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagt: „In dieser besonderen Situation ist ein besonderes Vorgehen erforderlich.“ Der Verein müsse sich jetzt aber berappeln.

Sponsoren abgeschreckt

So leicht wird dies aber nicht werden. Die Skandale könnten künftige Sponsoren abschrecken. Denn der Untersuchungsausschuss zur Krampnitz-Affäre im Landtag will sich die Verbindungen zwischen Politik, SV-Vorstand und Sponsoren noch eigens vornehmen. Rainer Speer als ehemaliger Minister und Präsident des SV spielt dabei eine Rolle, aber auch zwei Männer, die an dem angeblich zu günstigen Verkauf des früheren Kasernengeländes in Potsdam-Krampnitz zulasten des Landes beteiligt waren: Frank Marczinek und Thilo Steinbach. Beide saßen längere Zeit ebenfalls im Vorstand des Sportvereins. Gegen Marczinek ermittelt der Staatsanwalt wegen des Verdachts der Untreue. Unter ihm als Geschäftsführer tätigte die Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) das umstrittene Krampnitz-Geschäft.