Zwei kleine Mädchen sind im Eberswalder Ortsteil Finow beinahe in einem eiskalten Teich ertrunken. Offenbar hatten sich die zweijährigen Kinder am Mittwoch von einer Wandergruppe ihrer Kindertagesstätte entfernt und waren in das Wasser gestürzt. Erzieherinnen zogen die Mädchen in letzter Sekunde aus dem Weiher. Gegen die Frauen wird jetzt wegen Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt.
Ersten Erkenntnissen nach waren Lilly F. und Liz S. eine tiefe Böschung hinunter gerutscht und durch die nicht tragende Eisdecke gebrochen. Durch die Schreie alarmiert stürzten sich die beiden Betreuerinnen in das Wasser und brachten die Kinder zurück ans Ufer. Zeitgleich trafen Rettungskräfte am Unfallort ein, die von Mitgliedern der Gruppe per Handy gerufen worden waren. Ein Feuerwehrmann musste Lilly noch vor Eintreffen der Notarztwagenbesatzung wiederbeleben. Sie wurde anschließend sofort mit einem Hubschrauber ins Rudolf-Virchow-Klinikum der Charité nach Berlin geflogen. Lillys Zustand ist kritisch, sie schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Die kleine Liz dagegen ist nach Auskunft der Behörden stabil. Sie wird in Eberswalde behandelt.
Die Leiterin der Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“ sagte, dass ausreichend Erzieherinnen bei der Kindergruppe gewesen seien. Genaue Zahlen, auch zu den Kindern in der Wandergruppe, machte sie allerdings nicht. Die Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte standen gestern nach dem Zwischenfall alle unter Schock und mussten betreut werden. Auch für die Kinder wurde eine Versorgung angeordnet, sie hatten von dem Zwischenfall allerdings wenig mitbekommen. Für die kommenden Tage wurden Ersatzerzieher verpflichtet, um die traumatisierten Kollegen der „Villa Kunterbunt“ zu entlasten.
Als erste Reaktion auf das Unglück veranlasste der zuständige Bürgermeister Friedhelm Boginski, dass der Abhang zu dem Gewässer mit einem Bauzaun gesichert wurde. Zudem wurde ein Warmwasserzufluss zu dem Weiher abgestellt, weil dadurch die Eisdecke im Winter immer wieder geschwächt wird. Die Polizei soll auch die Frage klären, wie sich die Kinder offenbar unbemerkt von der Wandergruppe entfernen konnten. „Das sind Zweijährige, da muss doch genau aufgepasst werden“, sagte ein Polizist. „Gerade dann, wenn die Böschung bekannt ist und nur wenige Meter von der Kita entfernt liegt.“ Ob und inwieweit sich die beiden Erzieherinnen strafbar gemacht haben, war zunächst nicht bekannt. Jetzt werden Zeugen vernommen und Spuren gesichert.
Einrichtung hat einen guten Ruf
Die „Villa Kunterbunt“ hat einen guten Ruf in der Gegend um Eberswalde, viele Eltern engagieren sich in der Betreuungseinrichtung. Laut eigenen Angaben im Internet gibt es einen Kleinkind- und Hortbereich. Insgesamt betreuen neun Erzieherinnen einschließlich der Lehrerin rund 85 Kinder. „Das Außengelände gibt unseren Kindern die Möglichkeit, Naturerfahrungen zu sammeln und nach Herzenslust zu toben und zu spielen.“ Zwei kleinen Mädchen wäre ein Ausflug ins Freie beinahe zum Verhängnis geworden.
Die Polizei erneuert in diesem Zusammenhang ihre Warnung, Eisflächen zu betreten. „Zum einen war es noch nicht kalt genug dafür, dass die Eisdecken Menschen tragen könnten“, so Sprecher Martin Otter. Ferner könnten durch den Schneefall der vergangenen Tage Löcher im Eis nicht gesehen werden. „Generell sollte man aus Gründen der eigenen Sicherheit Eis niemals betreten.“
Wer in die Situation kommen sollte, einen Verunglückten retten zu müssen, dem empfiehlt die Brandenburger Polizei, sich diesem liegend mit einer möglichst großen Auflagefläche zu nähern – am besten mit einer Leiter oder einem Brett. An der Einbruchsstelle ist das Eis auch für den Retter sehr brüchig. In jedem Fall muss ein Arzt alarmiert werden, da sich Unterkühlungen auch noch zu einem späteren Zeitpunkt massiv auswirken können.
Im Februar 2009 hatte ein Drama bei Kloster Lehnin für Trauer und Entsetzen gesorgt: Ein 30-jähriger Vater war mit seinem dreijährigen Sohn auf einen zugefrorenen See gegangen. Beide brachen wenig später ein und ertranken in dem eiskalten See. Sie wurden Stunden später von Feuerwehrtauchern entdeckt. Polizei und Feuerwehr hatten zuvor mehrfach eindringlich vor dem Betreten der Einsflächen gewarnt. Der 30 Jahre alte Vater Bernd S. hatte diese Warnung offenbar mutwillig missachtet.

