Kita-Unfall

Lilly starb einen "völlig sinnlosen Tod"

| Lesedauer: 3 Minuten

Die Eltern des zweijährigen Mädchens aus Eberswalde, das ins Eis eingebrochen und gestorben war, standen bis zum Tod ihrer Tochter jeden Tag am Krankenbett und sangen ihr Lieblingslied. Noch immer ist unklar, wie es zum Unfall kam.

Die Eltern des nach einem Sturz in eiskaltes Wasser verstorbenen zweijährigen Kindes aus Eberswalde haben für die große Anteilnahme gedankt. „Für mich ist das wie eine Therapie“, sagte die Mutter der „Märkischen Oderzeitung“. Das Mädchen war vor zwei Wochen zusammen mit einem weiteren Kind bei einem Spaziergang einer Kindergartengruppe an einem Teich ins Eis eingebrochen und am Freitag im Deutschen Herzzentrum Berlin gestorben.

Als sie von dem Unglück erfuhren, waren beide Eltern auf Arbeit, wie es weiter heißt. Ein Seelsorger habe sie ins Herzzentrum begleitet. Jeden Tag standen die Eltern am Bett des im künstlichen Koma liegenden Kindes, sangen dessen Lieblingslied „Hänschen Klein“. „Wie schlimm es um unsere Kleine stand, war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst“, sagte der Vater dem Blatt. Dann sei die niederschmetternde Nachricht gekommen. „Es ist ein völlig sinnloser Tod, eine Verkettung unglücklicher Zufälle. Wir wissen bis heute nicht, wie es dazu kommen konnte“, sagte der Vater.

Das Mädchen war den Angaben zufolge erst im August in die Kita gekommen, bis dahin wurde sie von einer Tagesmutter betreut. In der Kita lernte sie das gleichaltrige Mädchen kennen, das nach dem Unglück wegen Unterkühlung ins Krankenhaus kam und inzwischen wieder genesen ist. Der Kontakt zu dessen Eltern sei nicht abgebrochen.

Das Leben sei momentan nur ein Funktionieren, sagten die Eltern des verstorbenen Kindes. Aufstehen, Anziehen, Essen – alles gehe automatisch. „Wie es weiter geht, wissen wir noch nicht“, sagten sie. Beide wollen nach der Beisetzung ihres Kindes wieder arbeiten gehen. Zu Hause falle ihnen die Decke auf den Kopf, werde das Unfassbare nur noch unfassbarer. „Lilly wird für immer bei uns sein“, sagten sie.

Ermittlungen gehen weiter

Um den genauen Tathergang zu rekonstruieren, sollen die Zeugen nochmals befragt werden, erklären die Ermittler. Geklärt werden solle insbesondere, wie die zwei Kinder offensichtlich unbemerkt die Gruppe verlassen konnten. Das könne allerdings dauern, weil alle in Betracht kommenden Zeugen laut Presseberichten erkrankt seien oder psychologisch betreut würden.

Vor der Kita standen bei der Trauerfeier am Dienstag zahlreiche Kerzen, auch Kuscheltiere waren abgelegt. Am Vorabend hatten auf dem Eberswalder Marktplatz mehrere Hundert Menschen des toten Mädchens gedacht und Kerzen entzündet. Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) hatte sich am Wochenende tief erschüttert über den Tod des Kindes gezeigt. „Unser ganzes Mitgefühl gilt den Eltern und der Familie“, sagte er. Menschen aus Eberswalde und aus ganz Deutschland hätten vergebens gehofft und gebangt. Boginski sagte der Familie Aufmerksamkeit und Hilfe zu.

Das tragische Schicksal des Kindes löste deutschlandweit Trauer und Mitgefühl aus. Auf einer Online-Kondolenzseite der „Märkischen Oderzeitung“ waren bis Mittwoch über 160 Einträge eingegangen, in denen Menschen und zahlreiche Familien aus vielen Orten Deutschlands den Eltern des Kindes und den Angehörigen ihr Beileid aussprechen.

( ddp/toto )