Die Stadtverwaltung Potsdam hat den Stadtverordneten erstmals die neuen Pläne für die Uferzone am Griebnitzsee vorgelegt. Danach soll der derzeitige 2,8 Kilometer lange Kolonnenweg um den Griebnitzsee quasi abgerissen und näher an das Wasser verlegt werden.

Der Entwurf für den neuen Bebauungsplan ist laut Baubeigeordneten Matthias Klipp (Grüne) ein Kompromiss zwischen den Interessen der Stadt und der Öffentlichkeit sowie den Grundstückseigentümern. „Wir haben von einem Uferpark Abstand genommen und konzentrieren uns nun auf einen öffentlich zugänglichen Uferweg“, sagte Klipp. „Die Landschaft soll erlebbar sein, ohne dass wir zu sehr in das Privateigentum der Anlieger eingreifen.“ Das Oberverwaltungsgericht hatte den ersten Bebauungsplan im Mai 2009 vor allem gekippt, weil die Stadt die Belange der Grundstückseigentümer zu wenig berücksichtigt hatte.

Abstand zu Villen größer

Mit der neuen Wegeführung würde sich der Abstand zwischen den Villen und dem Weg vergrößern – und die Radfahrer, Jogger und Fußgänger kämen noch näher als bisher ans Wasser heran. Dafür vergrößert sich für die Villenbesitzer der Abstand zwischen Weg und ihren Häusern.

Die Stadt will für ihren Plan weiterhin öffentliche wie private Flächen nutzen. Und genau das ist der Knackpunkt: Derzeit haben einige Anlieger den Zugang zum Uferweg gesperrt. Um zu verhindern, dass die Stadt bundeseigene Grundstücke für ihre Pläne erwerben kann, haben einige Privateigentümer einen höheren Preis als die Stadt geboten. Der Bund beschloss daraufhin, die 51 zum Verkauf stehenden Grundstücke auszuschreiben – gegen den Protest der Stadt. Deren Kaufverträge lagen damals schon beim Notar.

Die Stadt erhöhte daraufhin ihr ursprüngliches Kaufangebot auf drei Millionen Euro. Der Bund hat eine Entscheidung bislang immer wieder verschoben. „Sollte die Stadt Potsdam den Zuschlag für die Grundstücke der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) nicht bekommen, können wir den jetzt vorgelegten Bebauungsplan vergessen“, sagte der Finanzbeigeordnete Burkhard Exner gestern. Offenbar hofft Potsdam, den Haushaltsauschuss des Bundestags mit den neuesten Plänen zu überzeugen:

Danach würde die Stadt neben den Flächen der Bima auch bundeseigene Ufergrundstücke der Wasserstraßenverwaltung nutzen, die sie angeblich nicht kaufen müsste. Von den Grundstückseigentümern möchte sie ein Wegerecht erhalten oder den für den Weg benötigten Teil des Eigentums erwerben. Die für den Weg nicht benötigten Bereiche privater Eigentümer sollen vollständig als private Grünflächen ausgewiesen werden. Mit 1,20 Meter hohen Zäunen, die zum Hang hin höher, zum Wasser niedriger werden, könnten die Villenbesitzer ihre Flächen vom öffentlichen Weg abgrenzen. Zudem sei eine Heckenbepflanzung erlaubt. „Wir glauben, dass der öffentliche Uferweg nicht zu einer Abwertung, sondern zu einer Aufwertung führt“, sagte der Baubeigeordnete Klipp. „Es ist doch ein Unterschied, ob ein Anlieger vors Haus tritt und im See schwimmen kann oder ob er zusätzlich auf dem Weg seinen Hund ausführen kann.“

Entlang des künftigen, drei Meter breiten Weges ist ein Grünstreifen vorgesehen. Hin und wieder sollen größere Grünflächen zum Aufenthalt einladen. Dort könnten Bänke aufgestellt werden. Im Bereich der Virchowstraße ist zudem eine öffentliche Aussichtsplattform vor dem Ufer geplant. Insgesamt sind für die Verwirklichung des Uferzone-Projekts knapp 13 Millionen Euro veranschlagt.

Den Villenbesitzern stellt die Stadt eine Verbesserung in Aussicht, um die diese seit Jahren kämpfen: Nach dem neuen Bebauungsplan dürfen sie – je nach landschaftlichen Sichtachsen auf das Wasser – vor ihren Seegrundstücken entweder ein Bootshaus oder einen Steg errichten. Insgesamt sollen so bis zu 40 Bootshäuser und 17 Stege zugelassen werden. Ursprünglich hatten nur sechs Anlieger ein Bootshaus genehmigt bekommen, zwei von ihnen haben bereits gebaut.

Auch der Software-Milliardär Hasso Plattner hätte gern ein Bootshaus und hatte sogar schon eine Klage gegen die Stadt in Erwägung gezogen. Sollte der Bebauungsplan tatsächlich in Kraft treten, könnte Plattner wie seine Nachbarn auch frühestens im Oktober 2011 mit einer Genehmigung rechnen. Wenn alles glatt geht, würden die Stadtverordneten am 26. Januar die Auslegung des Planes beschließen. In Kraft treten könnte er frühestens 2012. Für die Bauzeit sind etwa zwei Jahre veranschlagt. Doch so viel Optimismus ist bei den Verantwortlichen nicht zu spüren: Sie rechnen erneut mit Klagen und damit mit weiteren langjährigen Verzögerungen.