Sanierung

Bürokratie lässt Schloss Prötzel zerfallen

Die einst größte Barockanlage Brandenburgs nahe von Strausberg soll seit vier Jahren in ein mondänes Wellnesshotel verwandelt werden. Doch der armenische Käufer sieht sich vom Ortsvorsteher behindert. Dieser wiederum sieht das ganz anders.

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Vagram Ekavyan ist mit seiner Geduld am Ende. „Gott sitzt in Deutschland offenbar im Bauamt“, grollt er. Der Armenier hat sich schon vor Jahren in die einst größte Barockanlage Brandenburgs außerhalb von Berlin verliebt und zweimal um das Anwesen in Prötzel nahe Strausberg gekämpft. Im Sommer 2007 war es endlich so weit. Er erhielt den Zuschlag für Schloss, Park und Ländereien inmitten der Märkischen Schweiz. Der Kaufpreis soll 750.000 Euro betragen haben. Seitdem bemüht sich der osteuropäische Architekt und Bauunternehmer um die Rettung der heruntergekommenen Anlage, deren Schönheit nur noch mit viel Fantasie zu erahnen ist.

Doch Ekavyan, der mit seinem Bruder Aram aus dem Prötzeler Schlossensemble ein Wellnesshotel mit Golfanlagen und Tennisplätzen machen will, stößt seiner Ansicht nach bei den Behörden auf taube Ohren. Nicht zuletzt der Denkmal- und der Naturschutz machen ihm das Leben schwer. Sein mehr als 122 Hektar großes „Sport- und Touristenzentrum Schloss Prötzel“, für das nun schon der dritte Entwurf vorliegt, findet kaum Beachtung.

„In den letzten Gesprächen mit dem Kreisbauamt gewann ich den Eindruck, dass niemand unsere Unterlagen ernst nimmt, geschweige denn sie durcharbeitet“, sagt der verhinderte Investor, der nun ohne behördliche Erlaubnis damit begonnen hat, die Schlosskeller trockenzulegen. Der Prötzeler Ortsvorsteher Olaf Kaupat hat eine andere Sicht auf die Dinge. „Das Problem von Herrn Ekavyan ist, dass er sich weigert, die deutschen Gesetze einzuhalten“, sagt Kaupat.

Es gebe in der Tat „jede Menge Formalitäten“ und einen „bürokratischen Kleinkrieg“, formuliert Ekavyans Architekt Georg Werner denn auch etwas vorsichtiger. Bauherren hätten es oftmals sehr schwer, gesteht eine Mitarbeiterin der kritisierten Behörde. „Wenn wir bis Mai keine Baugenehmigung haben, ist Schluss“, erklärt der Armenier den Gemeindevertretern von Prötzel. „Dann werde ich das Schloss nach meinem Geschmack renovieren, die Öffentlichkeit draußen lassen und notfalls auch Strafe dafür zahlen.“

Sollten die letzten Hürden jetzt allerdings genommen werden, so will Ekavyan in einem ersten Bauabschnitt zehn Millionen Euro investieren. Schon im nächsten Jahr könnten die Fassade und der große Saal saniert sein – pünktlich zum 300. Geburtstag des Schlosses. Paul Anton Kamecke, Kammerjunker und Oberhofmeister von Friedrich I., ließ das Schloss ab 1712 erbauen.

Das Ende der dörflichen Idylle

Und der armenische Investor hat mit der Anlage in der Ostbrandenburger Gemeinde eine Menge vor. Mit der gewohnten dörflichen Idylle dürfte es spätestens dann vorbei sein, wenn er das sanierte Schloss mit dem großen Saal als Veranstaltungsort etabliert hat, Restaurant und Wellnessabteilung in den Gewölbekellern untergebracht sind, Tennis- und Golfplatz angelegt sind.

Beeindrucken kann er die Gemeindevertreter damit anscheinend nicht. Zu viele Luftschlösser sind in Prötzel seit der Wende schon gebaut worden. Statt das kunst- und kulturhistorisch bedeutsame Ensemble in die fachkundige Obhut der Brandenburger Schlösser GmbH zu geben, vertrauten sie lieber den Versprechungen eines Berliner Geschäftsmannes. Schnell geschaffene Arbeitsplätze in einem protzigen Nobelhotel mit reichen Gästen erschienen den Gemeindevertretern damals verlockender als eine langwierige Restaurierung durch die Schlösser GmbH. Sie gründeten eine Kommanditgesellschaft, die aus der Gemeinde und einer Ein-Mann-GmbH bestand. Prötzel übernahm eine Millionenbürgschaft. Das funktionierte nicht, die Kommanditgesellschaft ging 2001 pleite, Prötzel blieben Schulden, das Schloss verfiel immer mehr.

Dennoch stimmen Bürgermeister und die weiteren Gemeindevertreter den Plänen des armenischen Investors zu, auch wenn sie manchem abenteuerlich vorkommen. „Wir haben doch gar keine andere Wahl“, sagt Ortsvorsteher Kaupat, „wenn wir nicht weiter zugucken wollen, wie das Schloss verfällt, müssen wir nach diesem Strohhalm greifen.“

Ekavyan demonstriert Hartnäckigkeit, wohnt schon in dem unsanierten Schloss: „Ich bin fest entschlossen zu bleiben.“ Für August dieses Jahres plant er auf einer Sommerbühne im Schlosspark schon ein erstes Kulturfestival – mit klassischen Chören und armenischer Musik.