Restaurierungsarbeiten

Neues Palais erhält Boden aus Plexiglas

Im Mamorsaal des Neuen Palais in Potsdam zersetzt ein Schwamm die alternden Bodenbalken aus Holz. Damit der Prachtbau trotzdem begehbar bleibt, planen die Restauratoren einen transparenten Steg.

Den einzigartigen und prachtvollen Boden des vor zwei Jahren wegen Einsturzgefahr gesperrten Marmorsaals des Neuen Palais dürfen die Besucher in den nächsten fünf Jahren weiterhin nicht betreten. Erst 2015 wird die Sanierung komplett abgeschlossen sein. Ab 2012 sollen Interessierte ihn aber über einen transparenten Steg aus Plexiglas wieder durchqueren können – rechtzeitig zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II. Das kündigte der Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh zum Start der 4,4 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten an.

Schon jetzt aber lässt sich zumindest ein Blick in den ehemaligen Großen Festsaal werfen, in dem die Arbeiten nach umfangreichen Untersuchungen endlich beginnen können: Die Experten wollen in den nächsten Jahren die Tragfähigkeit der Decke zwischen den zentralen Festsälen – dem Marmor- und dem darunter liegenden Grottensaal – wiederherstellen. Dazu haben sie den Fußboden, der sich wie ein ornamentaler Teppich präsentiert und zu den herausragenden Beispielen des friderizianischen Rokoko zählt, an einigen Stellen geöffnet.

Mit Kameras wie aus dem Kanalbau konnten sie die Schäden unter dem italienischen und schlesischen Marmor filmen. „Wir haben in jede Öffnung geschaut“, sagte der für Sanssouci zuständige Architekt Volker Thiele. Es bestätigte sich, dass Hausschwamm den 128 Eichenbalken schwer zugesetzt hat; zwei müssen sogar durch Kunststoff-Konstruktionen ersetzt werden. „Es hat sich herausgestellt, dass es richtig war, den Saal vor zwei Jahren zu sperren“, sagte Schlösserdirektor Dorgerloh. „Auf die beschädigten Balken drückt auf 600 Quadratmetern ein Gewicht von 90 Tonnen.“

Saal bleibt noch gesperrt

Laut dem Leiter Natursteinrestaurierung bei der Stiftung, Stefan Klappenbach, darf der Boden bei den Sanierungsarbeiten nicht komplett abgetragen werden. Im Herzstück des Neuen Palais müsse daher ein kompliziertes Verfahren angewendet werden, um weder den Fußboden noch die Decke des Grottensaals zu beschädigen. „Zwei bis drei Prozent des Marmorbodens müssen ersetzt werden“, sagte Klappenbach. An manchen Stellen ist er nur zwei Zentimeter dick. Wenn er betreten werde, sei das wie auf einer dünnen Eisschicht, sagten die Experten.

In fast allen Gebäudeteilen des Neuen Palais stellt der Schwamm das Hauptproblem dar. Das Holz sei bereits feucht eingebaut worden, so Architekt Thiele.

Für die Probleme ist Bauherr Friedrich II. angeblich selbst verantwortlich. „Als Konjunkturpaket nach dem Siebenjährigen Krieg ließ er das Palais bauen“, sagte Schlösserchef Dorgerloh. Es sollte schnell gehen, der Marmor wurde auf einer unebenen Decke verlegt und erst im Anschluss geschliffen. Dabei drang Wasser ins Gebälk. Der Preußenkönig folgte auch nicht dem Rat seines Architekten für eine Ziegelkonstruktion über dem Muschelsaal. Die hätte aber auf mehr als vier Pfeilern liegen müssen. Und das gefiel dem König vom ästhetischen und künstlerischen Standpunkt her nicht. Der Muschelsaal war einst der offizielle Zugang zur Wohnung des Königs und dem Appartement für hohe fürstliche Gäste.

Wegen der heute zunehmend desolaten Situation droht auch Gefahr für diesen Saal. Gerüste an den Türen sollen dort Besucher schützen.

Das Neue Palais, das von 1763 bis 1769 errichtet wurde und zur Repräsentation und als Gästeschloss diente, sehen sich jedes Jahr zwischen 220.000 und 250.000 Besucher an. Laut Schlösserdirektor Dorgerloh rangiert es damit in der Beliebtheit gleich hinter Schloss Sanssouci, das etwa 350.000 Besucher zählt. Während dort nicht mehr Gäste zugelassen werden, kann das Neue Palais jedoch „noch mehr Besucher vertragen“, sagte Dorgerloh. Allerdings ist derzeit nur ein kleiner Teil der etwa 600 Räume zugänglich. „Wollten wir das Haus komplett so herstellen, wie es einmal war, brauchten wir 125 Millionen Euro“, schätzte Dorgerloh. 45 Millionen Euro stehen über den Masterplan für die Grundsanierung des gesamten Hauses in den nächsten Jahren bereit.

Schau zum 300. Geburtstag

Anlässlich des 300. Geburtstages Friedrichs des Großen will die Schlösserstiftung ab 28. April 2012 in und um das Neue Palais die vielen Facetten des Preußenkönigs präsentieren. Die Jubiläumspräsentation nähert sich auf 6000 Quadratmetern in 70 teilweise erstmals zugänglichen Räumen dem Menschen Friedrich. Kunstfreunde können sich ein Stück Fußboden sichern – über eine Spende. Ein Quart – ein altes Papiermaß – kostet 40 Euro. Von den 7500 Quarts sind bereits 720 „verkauft“; 28.000 Euro wurden bislang an Spenden eingenommen.