Flughafen Schönefeld

Neue Ticket-Gebühr schreckt Passagiere ab

Die Luftverkehrsabgabe macht dem Berliner Flughafen Schönefeld zu schaffen. Die Passagierzahlen sanken, weil Billigairlines wie Ryanair aufgrund der neuen Gebühr Verbindungen von und in die Hauptstadt eingestellt haben.

Foto: ZB / ZB/DPA

Die Luftverkehrsabgabe führt dazu, dass die Zahl der Passagiere am Flughafen Schönefeld stagniert. Darauf machte Flughafenchef Rainer Schwarz am Mittwoch auf der Internationalen Tourismusbörse aufmerksam. So wurden im Februar 465.875 Passagiere in Schönefeld und damit 1,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat gezählt.

„Damit bewahrheitet sich, was wir bereits im vergangenen Jahr prognostiziert haben. Die Einführung der Luftverkehrsabgabe macht sich deutlich bemerkbar, insbesondere bei den innerdeutschen Verbindungen der Billigflieger“, sagte Schwarz am Mittwoch. So hat die Billigfluggesellschaft Ryanair ihre drei innerdeutschen Strecken nach Weeze, Bremen und Hahn eingestellt, und auch Germanwings fliegt nicht mehr Zweibrücken an. „Damit sind uns im Januar und Februar 100.000 Passagiere im Vergleich zum Vorjahr verloren gegangen“, sagte Schwarz.

Der Flughafenchef geht daher davon aus, dass die Passagierentwicklung in Schönefeld – dort, wo vor allem Billigfluggesellschaften fliegen – weiterhin stagniert.

Trotz dieser negativen Entwicklung blickt Schwarz optimistisch in die Zukunft. Denn insgesamt hält das Passagierwachstum in Berlin seit Jahren an. Zugpferd ist hier vor allem der Flughafen Tegel, an dem zwei Drittel aller Passagiere abgefertigt werden. Im Februar wurden dort 1,1 Millionen Fluggäste gezählt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht das einem Wachstum von 17 Prozent.

New-York-Verbindung

Damit liegen die Berliner Flughäfen im Februar bei einem Plus von 10,9 Prozent und nach Angaben von Flughafenchef Rainer Schwarz nach wie vor „deutlich über dem Durchschnittswachstum aller deutschen Verkehrsflughäfen“. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 22,3 Millionen Passagiere abgefertigt. Das entspricht einem Wachstum von 6,4 Prozent. „Bereits seit 2002 und zum achten Mal in Folge haben sich die Berliner Flughäfen im Vergleich zu anderen internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland besser als der Markt entwickelt“, sagte Schwarz.

Seit der Wende habe ein deutlicher Strukturwandel stattgefunden. So hat sich das Gros der Passagiere weg von den innerdeutschen hin zu den europäischen und außereuropäischen Zielen verlagert. Insbesondere im Langstreckenverkehr hat es Schwarz zufolge im vergangenen Jahr Zuwächse von mehr als 25 Prozent gegeben. Insgesamt nutzten 523.144 Fluggäste die zwölf Langstreckenziele. Gefragt waren vor allem die beiden New-York-Flüge. Hier wurden im vergangenen Jahr 208.394 Fluggäste gezählt. Diese Entwicklung ist nach Einschätzung des Flughafenchefs „eine gute Ausgangsbasis für den neuen Hauptstadtflughafen BBI, der am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen soll.“ Schon heute habe man mit mehr als 22 Millionen Fluggästen und zwölf Langstreckenverbindungen das Ziel erreicht, das man sich zur Eröffnung des BBI gesteckt habe, sagte Schwarz. Als „Impulsgeber“ nannte Schwarz die Fluggesellschaft Air Berlin, die im vergangenen Jahr damit begonnen hat, in Berlin ein Drehkreuz aufzubauen. „Dieses Drehkreuz wird in diesem Jahr deutlich wachsen“, sagte Schwarz. So wird es nicht nur neue Ziele geben, sondern Air Berlin wird auch die täglichen Frequenzen erhöhen, wodurch die Umsteigemöglichkeiten zunehmen.

Am 1. Mai nimmt Air Berlin seine New-York-Verbindung auf und fliegt als künftiges Mitglied der internationalen Flugalliance Oneworld in das Drehkreuz von American Airlines. Damit kann die Airline mit dem roten Berlin-Logo Fluggästen aus Berlin Weiterflüge von New York zu anderen amerikanischen Zielen anbieten. Umgekehrt gewinnt Berlin für die amerikanische Fluggesellschaft an Attraktivität. Nachdem Air Berlin seit geraumer Zeit daran arbeitet, seinen Marktanteil im Hinblick auf den neuen Hauptstadtflughafen BBI kräftig zu erhöhen, will jetzt offenbar auch Konkurrent Lufthansa mit seinem Flugbündnis Star Alliance nachziehen. Noch vor einem Jahr hatte der damalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber dem neuen BBI keine großen Chancen eingeräumt, ein Drehkreuz zu werden. Doch sein Nachfolger Christoph Franz startete vor einigen Wochen das Projekt „Zukunft Berlin“. „Lufthansa und die Star Alliance machen sich jetzt ernsthaft Gedanken, wie sie Berlin aktivieren können“, sagte Flughafenchef Schwarz. Die Kranich-Airline habe jetzt mit Josef Bogdanski einen ihrer erfahrensten Manager mit dieser Aufgabe betraut.

13 neue Verbindungen im Sommer

Mit dem Sommerflugplan können von Berlin aus insgesamt 164 Ziele in 54 Ländern angeflogen werden. Darunter sind 13 neue Verbindungen wie nach Basel, Vilnius, Maastricht, Verona, Linz, Rimini, Jönkoping, Nowosibirsk und Amman. Qatar Airways wird auf ihren täglichen Flügen nach Doha im arabischen Emirat Katar statt des kleinen Airbus A320 einen A330 einsetzen und damit die Anzahl der Sitzplätze verdoppeln. „Das bestätigt unsere Markteinschätzung, dass Berlin reif für neue Langstreckenverbindung ist“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Bei aller Euphorie im Hinblick auf den BBI, ist die Frage, wann die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2012 am BBI stattfindet, laut Flughafengeschäftsführer Manfred Körtgen noch nicht geklärt. „Der ursprünglich geplante Termin im Juni kurz nach Eröffnung des BBI ist für uns ungünstig. Ob die ILA in den Herbst verlegt wird, steht noch nicht fest.“ Wie berichtet, sollte diese Entscheidung Ende Februar fallen.