BER-Stellenbörse

Tausende hoffen auf einen Job am Großflughafen

Der Großflughafen BER lädt ein zur Jobmesse. 20 Aussteller bieten auf dieser Messe über 400 Stellen aus dem sogenannten Non-Aviation-Bereich an. Das reicht vom Kraftfahrer bis zur Check-In-Agentin und vom Fluggerätemechaniker bis zur Verkäuferin. Und Tausende sind kommen – in der Hoffnung auf eine neue Arbeit.

Foto: Glanze

Die offizielle Eröffnung ist für 13 Uhr geplant. Die ersten Interessenten erscheinen jedoch schon kurz vor zehn. Auch Oliver Hahn ist früh da. Er habe in der Zeitung von der Jobmesse am Flughafen Schönefeld gelesen, sagt der arbeitslose Systemelektroniker. „Da war für mich klar: Ich muss da hin.“

Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen spricht anlässlich der Eröffnung dieser Messe „vom Startschuss für das BER Recruiting“ – was bedeutet: Jetzt geht es darum, Arbeitskräfte für die Restaurants, Shops und Service-Einrichtungen des neuen Flughafen Berlin Brandenburg – BER zu finden. 20 Aussteller bieten auf dieser Messe über 400 Stellen aus dem sogenannten Non-Aviation-Bereich an. Das reicht vom Kraftfahrer bis zur Check-In-Agentin und vom Fluggerätemechaniker bis zur Verkäuferin.

Oliver Hahn interessiert sich vor allem für den Lagerbereich. Da hat der 42-Jährige schon Erfahrung. Er hat zunächst Karosserieklempner gelernt, konnte diesen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aber nicht auf Dauer ausüben: „Der Rücken machte nicht mit.“ Er fand zunächst einen Job als Lagerist in Potsdam in einer Filiale der Drogeriemarktkette Drospa. Aber nur für ein Jahr „Die ging dann pleite, und ich stand auf der Straße.“ Es folgte eine zweijährige Ausbildung zum Systemelektroniker. Organisiert vom Arbeitsamt. Aber auch die half Hahn letztlich nicht weiter: „Es war ein Abschluss der Industrie- und Handelskammer (IHK). Bei meinen Bewerbungen stellte ich aber immer wieder fest, dass die Personalreferenten mindesten einen Abschluss der Fachhochschule forderten.“ Aber jetzt sei er „guter Hoffung, hier etwas zu finden. Ich habe an den Ständen schon mit einigen Leuten gesprochen.“. Die Entfernung zu seinem Wohnort Marzahn stört Hahn nicht: „Etwa anderthalb Stunden, dass muss man schon in Kauf nehmen. Als ich in Potsdam arbeitete, musste ich sogar pro Strecke mehr als zwei Stunden fahren. Aber ich war eben froh, dass ich eine Arbeit hatte.“

200 Kilometer Anfahrt

Einen noch weiteren Weg hatte die 21-jährige Katharina Wendt. Sie kommt aus der rund 200 Kilometer entfernten brandenburgischen Stadt Schwedt. Dort hat sie Chemikantin gelernt, war von ihrem Ausbildungsbetrieb, „wie die meisten anderen Lehrlinge“, jedoch nicht übernommen worden. In Schwedt gab es keine Chance auf einen Job. Als ihre Großeltern von der Jobmesse für den Großflughafen lasen, riefen sie die Enkelin sofort an. Sie fuhren sie dann auch mit dem Auto nach Schönefeld. Jetzt hat die Enkelin schon mehrere Stände abgeklappert und einen Stapel Prospekte und Bewerbungsunterlagen unterm Arm. „Ich würde alles machen“, sagt die junge Frau.

Aber am liebsten wäre ihr ein Job, bei dem sie Kontakt mit den Gästen des Flughafens hat. „Und wenn es klappt, würde ich mir in hier eine Wohnung suchen. Nach Berlin wollte ich immer schon.“

Die 36-jährige Holly Tumblin hat „nur zwei Stationen mit der Bahn fahren“ müssen. Sie kommt aus Rudow, arbeitet derzeit in einem Spielcasino, möchte sich aber „beruflich neu orientieren“. Sie hat ihre drei Jahre jüngere Freundin Martina Shepard mitgebracht, die in Charlottenburg wohnt, in der Modebranche arbeitete, aber nun schon seit einem Jahr arbeitslos ist. Auch die beiden Frauen sind „offen für viele Jobs“, würden jedoch „am liebsten im Check-In-Bereich“ arbeiten. Beide sind Halbamerikanerinnen, sprechen fließend Englisch, was bei der Suche nach einer Arbeitstelle in einem Großflughafen natürlich ein Vorteil ist. Fremdsprachenkenntnisse sind hier für viele Jobs sogar ein Muss.

Müde nach Schichtende

Etwas übermüdet wirkt der 31-jährige Sebastian Vogel. Der gelernte Koch wohnt in Pankow und arbeitet in einem Spezialitäten-Restaurant in Frohnau. „Da war erst gegen 1.30 Uhr Schichtende, sagt er. „Aber diese Messe für den neuen Großflughafen wollte ich mir trotzdem nicht entgehen lassen.“ Das liege an dem tollen Flair, aber auch an der Möglichkeit, hier vielleicht etwas mehr verdienen zu können. „Ich bin eine Fachkraft“, sagt Vogel selbstbewusst. „Ich weiß, was ich kann. Und es kommt auch immer darauf, wie gut man die eigene Arbeitskraft verkauft.“