Sanierung

Potsdam erhält seinen Neptun-Brunnen zurück

"Neptuns Triumph" heißt die Skulpturengruppe, die im Wasserbassin des Potsdamer Lustgartens stand. Doch von ihr existieren nur noch Teile. Der Rotary Club will die Anlage wieder zusammensetzen und am Originalstandort aufstellen.

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Das Muschelhorn im Anschlag, die zwei schuppigen Schwänze kraftvoll ins Wasserbassin des Potsdamer Lustgartens peitschend, soll der Dämon die Ankunft Neptuns ankündigen. Doch nicht nur vom Meeresgott fehlt in der brandenburgischen Landeshauptstadt seit knapp 50 Jahren jede Spur. Auch der steinerne Bote existiert nur noch stückweise. Denn zwischen 1950 und 1960 wurde das Ensemble demontiert, ein Teil ist unwiederbringlich verloren. Doch noch in diesem Jahr soll die Skulptur aus Sandstein wieder am Originalstandort mit Blick auf das Hotel Mercure stehen. Mit einer Spende von 60.000 Euro ermöglicht die Stiftung Preußisches Kulturerbe die Rückkehr des Tritonen.

Damit allein ist es aber nicht getan. Die gesamte Skulpturengruppe „Neptuns Triumph“ im Wasserbassin des Lustgartens gleicht einem riesigen Puzzlespiel. Seit zehn Jahren bemüht sich der Rotary Club Potsdam „Alter Markt“ darum, das ursprüngliche Ensemble, das Friedrich II. 1744 in Auftrag gab, wieder zusammenzusetzen. Und nimmt der Stadt Potsdam als Eigentümerin des Lustgartens eine „Herkules-Aufgabe“ ab, die sie wegen fehlender Haushaltsmittel nicht bewältigen könne, bestätigt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). 1,6 Millionen Euro koste es mindestens, die komplette Figurengruppe zu sanieren.

Geld, das auch der Rotary Club nicht allein aufbringen kann. „100.000 Euro konnten wir in den vergangenen Jahren an Spenden zusammentragen. Die Liste der privaten Firmen, die kostenlos den Transport von Teilen, statische Berechnungen oder Metallarbeiten übernommen haben, ist lang“, sagt Rudolph Freiherr von Ketteler, Initiator des Aufbau-Vorhabens. „Das Kunstwerk ist Herzstück des Lustgartens und elementarer Teil, um der Alten Mitte Potsdams wieder zu Glanz zu verhelfen“, sagt der frühere Direktor des Mercure-Hotels.

Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte 2006 die Installation der Potsdamer Künstler Raiko Epperlein und Rainer Fürstenberg. Ihr Modell aus Stahl, Licht und Wasser bildet bis heute die fehlenden Teile der Gruppe im Becken nach. Mit ein paar Cent können Schaulustige einen Automaten vor Ort füttern, der die Illumination der Anlage in Gang setzt. Das Angebot kommt an. „Bis zu 400 Euro können schon mal in drei Monaten zusammenkommen“, sagt Rotary-Club-Präsident Klaus Peter Ladner.

Dass er zu seinen Lebzeiten noch einen intakten Neptun mit Gattin Thetis samt den flankierenden sechs Tritonen, den auf Delfinen reitenden Jungfrauen und den Wasserpferden aus Potsdams größtem Brunnen ragen sieht, bezweifelt von Ketteler allerdings. Wenn es ihm auch nicht an Marketingideen mangelt, um mehr Geld für das Sanierungsprojekt zu akquirieren. „Künstler könnten zum Verkauf in Souvenirläden Miniaturen der Neptungruppe fertigen oder diese neu interpretieren. Auch aus Schokolade könnten die Miniaturen angeboten werden.“

Die Stadt will auch helfen: „Wir werden ein Spendenkonto einrichten, die Arbeiten für die Sanierung des Tritonen ausschreiben und die Umsetzung der Arbeiten koordinieren“, kündigt Jakobs an. Auch ein größeres Bauschild aufzustellen, um Neugier auf das Projekt zu machen, kann sich das Stadtoberhaupt vorstellen. Mit im Boot sitzt auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Freiherr von Ketteler vertraut auf sein Glück. Das habe ihn bei diesem Projekt noch nie im Stich gelassen. Bei der Restaurierung des Karpfenteichs fanden sich direkt neben dem Sockel eines Tritonen zwei Schwanzstücke. „Während des Krieges wurden sie abgeschlagen“, sagt Gundula Christl von der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Als nicht weniger bedeutend stuft von Ketteler die zufälligen Funde auf zwei Privat-Grundstücken ein. 2003 wurde eine fast vollständige Triton-Figur in einem Garten in Kleinmachnow gefunden. Ein Jahr später tauchte in einem Garten in Bergholz-Rehbrücke das Haupt des gut zwei Meter großen Tritonen auf, der den Triumphzug anführt. Freiherr von Ketteler ist überzeugt, dass noch mehr Stücke des Ensembles hinter Brandenburger Zäunen harren. Immerhin wurde die Neptungruppe während des Zweiten Weltkrieges nur leicht beschädigt.

Doch zu DDR-Zeiten, zwischen 1950 und 1960, wurde das Bassin mit Sand gefüllt, die Figuren wurden demontiert. Der VEB Steinmetz Lehrbetrieb verwandelte die imposanten Seepferde in Staub. Bekannt ist aber auch, dass Potsdamer Skulpturenteile mit nach Hause nahmen. Darin liegt von Kettelers Hoffnung: „Allein die Tatsache, dass es noch Teile gibt, zählt für uns. Wir flehen, wir bitten, wir fordern diejenigen auf, die noch Reste des Ensembles beherbergen, uns zu helfen“, lautet sein Appell. Dabei geht es von Ketteler vor allem um die Maße. Die können – trotz überlieferter Aufnahmen – nicht eindeutig bestimmt werden. Niemand müsse sich von den Stücken trennen, sagt auch Expertin Christl. Ein Abguss vom Original, ein Anlegen des Maßbandes sei ausreichend.

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