Über die Kabinettsposten in der Landesregierung von Matthias Platzeck (SPD) wird in Potsdam noch spekuliert, aber eins ist klar: Die Verhandlungsführerin der Linkspartei, Kerstin Kaiser, kann indirekt mitregieren. Als Fraktionsvorsitzende darf sie an den Kabinettssitzungen teilnehmen. Kaiser hatte am Sonntag den Verzicht auf ein Ministeramt erklärt, um den Weg für die rot-rote Koalition frei zu machen. Sie hatte sich zu einer IM-Tätigkeit beim Ministerium für Staatssicherheit verpflichtet und während ihres Studiums in Leningrad Kommilitonen bespitzelt. Deswegen gab es an der SPD-Basis Widerstand gegen einen Kabinettsposten für Kaiser.

Die Linke stellt Platzeck voraussichtlich Ralf Christoffers als stellvertretenden Ministerpräsidenten an die Seite. Als Berufsbezeichnung gibt er folgendes an: „Diplomgesellschaftswissenschaftler“. Jetzt ist er als Finanz- oder Wirtschaftsminister im Gespräch. Christoffers war 2001 bis 2005 PDS-Landeschef.

Auf Seiten der Linken wird zudem Anita Tack als Ministerin für Verkehr und Infrastruktur gehandelt. Die Diplomingenieurin für Städtebau und Regionalplanung war 1999 bis 2001 Brandenburger PDS-Chefin. Für das Bildungsressort wird Gerrit Große, seit Oktober 2004 stellvertretende Vorsitzende der Links-Fraktion im Landtag, in ihrer Partei genannt. Die gelernte Agraringenieurin Kornelia Wehlan aus Luckenwalde könnte das Landwirtschafts- und Umweltressort übernehmen. Die Linke sitzt seit 1999 im Parlament.

Auf SPD-Seite wird davon ausgegangen, dass der Fraktionsvorsitzende Günter Baaske ins Sozialministerium strebt. Der Lehrer war bereits von August 2002 bis Oktober 2004 Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen. Parteikreisen zufolge könnte der SPD-Parlamentarier Reinhold Dellmann aus Wandlitz dessen Nachfolger an der Spitze der Landtagsfraktion werden. Als Anwärter für das traditionell von der CDU geführte Innenressort gilt Rainer Speer, der seit Oktober 2004 Finanzminister ist. Zuvor hatte er fünf Jahre lang die Staatskanzlei geleitet. Der jetzige stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) wird sich am 12. November in den Ruhestand verabschieden.

Platzeck möchte Parteikreisen zufolge für das Ressort Wissenschaft und Kultur eine junge Frau in sein Kabinett holen: Klara Geywitz, 33 Jahre, Diplompolitologin. Geywitz ist seit dem Sommer vergangenen Jahres Vizechefin des SPD-Landesverbandes und außerdem seit 2004 stellvertretende Vorsitzende ihrer Fraktion. Sie hat neben Dellmann auch als Fraktionsvorsitzende gute Chancen.

Als Mitglied in der Sondierungsdelegation der SPD hatte sie deutlich erklärt, dass Stasi-Leute am Kabinettstisch nichts zu suchen haben: „Die Linke muss sich fragen lassen, ob sie unter ihren tausenden Mitgliedern nicht vier Ministrable findet, die nicht bei der Stasi waren.“