Eine fast originale Knobelsdorff-Fassade, ein zufriedener Mäzen Hasso Plattner, doch die Bürgerinitiativen für den Wiederaufbau des Stadtschlosses reagieren mit „blankem Entsetzen“. Das wiedererstehende Stadtschloss beugt sich den modernen Ansprüchen des darin geplanten Landtages: Die Seitenflügel des 119,5-Millionen-Euro-Barockbaus werden deutlich verbreitert, und der historische Innenhof fällt entsprechend kleiner aus. Der Platz wird für ein gemeinsames Parlament Berlin-Brandenburg gebraucht – falls die beiden Länder fusionieren sollten.
Unbeeindruckt von der jahrelangen Debatte um die Gestaltung des Gebäudes stellte ein sichtlich stolzer Finanzminister Rainer Speer (SPD) gestern als Bauherr die Pläne für den umstrittenen Landtagsneubau auf dem Alten Markt vor. Sie stammen von dem renommierten Architekten Peter Kulka.
Linke enthält sich
Der Finanzausschuss des Landtages hatte mehrheitlich den Vertrag mit der deutschen Niederlassung des niederländischen Konzerns „Royal Bam Group“ genehmigt. Die Linke enthielt sich, die rechtsextreme DVU stimmte dagegen.
Speer präsentierte zugleich eine Videobotschaft des Mannes, der mit seiner 20-Millionen-Euro-Spende die möglichst originalgetreue Fassade erst ermöglicht. „Ich freue mich, dass die Entwürfe nach der heißen Diskussion so gelungen sind“, sagte Hasso Plattner. Speer hatte ihn um 7 Uhr morgens Ortszeit in San Francisco informiert. „Wenn der alte König es neu hätte aufbauen müssen, hätte er es vielleicht auch mit einem Doppel-Flur gemacht“, verteidigte Plattner die zweckorientierte Planung. Er ging noch einen Schritt weiter und gab Empfehlungen für ein architektonisch modernes Bauen in der Nachbarschaft.
Finanzminister Speer kündigte den Baubeginn für März/April 2010 an, fertig soll das Gebäude zum Jahreswechsel 2012/13 sein. Der Schlossbau wird in orange-rot verputztem Sandstein errichtet. Die etwa 400 noch erhaltenen Original-Teile sollen weitgehend wieder verwendet werden. Der Bau erhält statt der historischen drei Stockwerke vier Ebenen. Die oberste soll jedoch unter dem Dach aus Zinkblech „versteckt“ werden. Abweichend vom Original sieht der Entwurf zusätzliche Lukenfenster unterhalb der Traufe vor.
Der Haupteingang führt durch das Fortunaportal über den Innenhof ins Knobelsdorff-Treppenhaus im Südflügel. Das historische Treppenhaus muss um einige Meter versetzt werden. Der Plenarsaal befindet sich in der Beletage, im ersten Obergeschoss. Im vierten Obergeschoss des Südflügels ist das öffentliche Landtagsrestaurant mit Dachterrasse geplant. Der Landtag wird über 392 Büro- und Beratungsräume verfügen. Die Garage mit 169 Stellplätzen wird unterirdisch angelegt, der Zugang soll „kaum sichtbar“ sein. Der Innenhof soll öffentlich genutzt werden. Er wird mit knapp 5000 Quadratmetern mehr als 1000 Quadratmeter kleiner als das Original sein.
Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lobte die Pläne: „Brandenburg bekommt damit eine würdige, angemessene und wunderschöne Volksvertretung.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch sagte: „Der Wiederaufbau nach historischem Vorbild wird nicht nur für Potsdam, sondern für alle Brandenburger eine große Signalwirkung haben.“
Der Vertrag soll am 2. September unterschrieben werden. Der unterlegene Stuttgarter Konzern Züblin hat zwei Wochen Zeit für einen Einspruch. Das Gebäude wird in einer öffentlich-privaten Partnerschaft gebaut, mit der das Land laut Finanzminister Speer rund vier Millionen Euro spart. Die Baukosten trägt das Konsortium, das Land mietet für 30 Jahre. In dieser Zeit wird mit Bau- und Betriebskosten von 300 Millionen Euro gerechnet. Von 2013 an zahlt das Land rund neun Millionen jährlich.
Die Sprecherin von „Mitteschön“, Barbara Kuster, ist enttäuscht über die Pläne. „Ich habe eine Wut im Bauch. Das Land verweigert jede Diskussion.“ Joachim Kuke vom Stadtschlossverein kritisierte ebenso das intransparente Verfahren. Dem widersprach Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD): „Alle Forderungen nach mehr Transparenz sind eine direkte Aufforderung, gegen die geltende Rechtslage bei dem gewählten Dialogverfahren zu verstoßen.“





