Tödliche Sexspiele

Fotomodel-Mörder muss zehn Jahre in Haft

Wegen Mordes an einem Fotomodel bei Sexspielen in Beelitz-Heilstätten hat das Potsdamer Landgericht einen 39-jährigen Mann zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Hobbyfotograf soll in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Seine Verteidigung will Revision gegen das Urteil einlegen.

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Michael F. formulierte im Geiste vermutlich schon die Begründung für seine Revision. Der 39-jährige Wissenschaftler machte sich ständig Notizen, als Richter Frank Tiemann das Urteil begründete: Zehn Jahre Haft wegen Mordes und Störung der Totenruhe, verbunden mit der sofortigen Einweisung in die Gefängnispsychiatrie, lautete die Entscheidung des Potsdamer Schwurgerichts. F. wird vorgeworfen, das Hobby-Model Maren G. (Name geändert) am 8. Juli 2008 in einer Ferienwohnung in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) mit einer Bratpfanne betäubt, erwürgt und sich anschließend an ihr vergangen zu haben.

Der Angeklagte hatte den Mordvorwurf stets zurückgewiesen. Er räumte zwar ein, die Frau gewürgt zu haben. Das sei aber Teil eines von beiden Seiten gewollten sadomasochistischen Rollenspiels gewesen. Dabei habe er Maren G. keinesfalls töten wollen.

Fotos von gefesselten und toten Frauen gesammelt

Auch das Schwurgericht ging davon aus, dass Michael F. die junge Frau nicht bewusst in eine mörderische Falle lockte. Tiemann schilderte die Entwicklung des Einser-Abiturienten zum promovierten Wissenschaftler, der zuletzt in Frankfurt/Main im angesehenen Senckenbergmuseum als Projektleiter für Sonderausstellungen tätig war.

Parallel, so der Richter, habe Michael F. für Außenstehende nicht wahrnehmbar in einer anderen Welt gelebt. „Eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit, die er erfolgreich abschirmte und verdrängte.“ Das habe letztlich schon 1998 angefangen, als er begann, Fotos von gefesselten und toten Frauen zu sammeln.

Seit 2001 habe er dann auch en Masse Videos gespeichert, bei denen nachgestellt wird, wie Frauen vergewaltigt und getötet werden. Darunter auch viele Filme, in denen das Opfer erwürgt werde. Tiemann: „Es war sexuell erregend für ihn, Dominanz zu spüren und das Leben eines anderen Menschen in der Hand zu haben.“

In den ersten Jahren habe Michael F. diese Neigungen durch normale Beziehungen mit Frauen kompensiert. Eine Zäsur habe es im November 2007 nach seiner letzten festen Beziehung gegeben. „Er war auf der Suche nach einer Partnerin, mit der er seine sexuelle Neigung ausleben konnte“, sagte der Schwurgerichtsvorsitzende.

Genauer Tatablauf nicht mehr nachvollziehbar

Mit diesen Vorstellungen, davon gehe das Schwurgericht aus, habe er sich auch mit Maren G. in Beelitz-Heilstätten getroffen. Der Hobbyfotograf und die junge Frau hatten sich Monate zuvor über eine Internetplattform für Fotomodelle kennengelernt. Seitdem gab es einen intensiven Austausch per E-Mail, später hatten sie auch nächtelang gechattet. Maren G. habe die sadomasochistischen Interessen des Angeklagten erwidert und ihre devoten Neigungen betont, sagte der Richter.

Das Schwurgericht glaubte dem Angeklagten, dass es am ersten Abend zwischen dem Paar nur Oralsex gegeben habe. Am nächsten Morgen sei der Angeklagte aufgewacht und habe, sexuell stark erregt, das schlafende Mädchen gesehen. „Aus Sicht der Kammer war das der entscheidende Moment“, sagte Tiemann. Es habe bei Michael F. in diesem Moment einen regelrechten Dammbruch gegeben. Der genaue Tatablauf sei nicht mehr nachvollziehbar. Aber es sei vorstellbar, dass dann geschah, was sich auf den von Michael F. gesammelten Videos abgespielt hatte.

Das Gericht folge einem psychiatrischen Gutachter, der dem Angeklagten eine zur Tatzeit verringerte Steuerungsfähigkeit und damit verbunden eine verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Deswegen wurde statt des für Mord obligatorischen Lebenslänglich auch nur eine Strafe von zehn Jahren verhängt. Der Angeklagte sei „kein eiskalter Verbrecher“, sondern ein psychisch kranker Mann, sagte Tiemann. Das psychiatrische Gutachten habe aber auch klar ergeben, dass gerade in seinem Fall eine Wiederholungstat drohe und dass Michael F. gefährlich für die Allgemeinheit sei.

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