Prozess

Mann bestreitet Mord und spricht von Unfall beim Sex

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Leticia Witte

Foto: Michael Gottschalk/ddp / ddp

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft wirft einem Hobby-Fotografen vor, ein junges Model niedergeschlagen, erwürgt und sich an der Toten vergangen zu haben. Der Mann spricht von einem Unfall beim Sex. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht schilderte er seine Version des Vorfalls.

Der Naturwissenschaftler und Fotograf soll das Fotomodel bei Sexspielen ermordet, ihr Nachthemd aufgeschlitzt und die Tote in einem Appartement mehrfach missbraucht haben. Wegen Mordes und Störung der Totenruhe muss sich ein 38-Jähriger aus Mainz vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Der Hobbyfotograf soll laut Staatsanwaltschaft seine 20-jährige Internetbekanntschaft im Juli 2008 in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) mit einer Bratpfanne gegen den Kopf geschlagen und sie „zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs“ erwürgt haben. Der Verteidiger wies am Rande des ersten Prozesstages den Mordvorwurf zurück und sprach von fahrlässiger Tötung.

Der Angeklagte und das Opfer hätten beide gewusst, worauf sie sich bei dem Treffen einlassen: Auf Sexspiele mit Fesseln und Rollenspiele, betonte Verteidiger Matthias Schöneburg. Der Angeklagte beteuerte, es habe kein „Tötungsszenario“ gegeben, er habe die Frau nicht erwürgen wollen und habe nicht gewusst, dass sie tot sei, während er mit ihr schlief. Dass er sich an der Toten vergangen haben soll, seien „abscheuliche“ Vorwürfe.

Sex inmitten eines morbiden Ambientes

Mit dunklem Anzug und Krawatte bekleidet hatte der 38-Jährige der Anklagebank Platz genommen. In seiner weit mehr als 100 Seiten langen Einlassung erklärte er, er habe sich in das Model verliebt und sich mit ihr einvernehmlich zum Sex mit Augenbinde und Fesseln in einem gemieteten Appartement inmitten des morbiden Ambientes der ehemaligen Lungenheilstätten verabredet. Zudem habe der Angeklagte das Model dort fotografieren wollen. Sein Anwalt Schöneburg warf der Staatsanwaltschaft vor, die Persönlichkeiten und die sexuellen Vorlieben von dem Angeklagten und dem Opfer nicht genug berücksichtigt zu haben.

Nach Darstellung des Angeklagten hatte sich die Internet-Bekanntschaft zu der 20-Jährigen seit dem Frühjahr 2008 intensiviert. Seit März hätten sie im Internet bis zu 800 Nachrichten ausgetauscht, hinzu kämen zahlreiche SMS, der Kontakt über Internet habe oftmals bis in die frühen Morgenstunden gedauert. Das Treffen in Beelitz-Heilstätten sei das erste gewesen.

Zu seiner Vita befragt, sagte der 38-Jährige, er sei in Tuttlingen geboren und habe in Stuttgart und Mainz Geologie und Paläontologie studiert. Später habe er als Dozent, beim Rundfunk und als Mitarbeiter an Museen in Karlsruhe und Frankfurt/Main gearbeitet. Sollte es zu einer Verurteilung des Mannes kommen, käme nicht nur Mord, sondern auch fahrlässige Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht, sagte der Vorsitzende Richter Frank Tiemann. Der Prozess wird am Donnerstag mit den ersten Zeugen fortgesetzt. dpa