Beelitz-Prozess

Anklage fordert 14 Jahre Haft für Mord an Model

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Michael Mielke

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

Im Prozess um den Tod einer 20-Jährigen während eines sadomasochistischen Sexspiels hat die Staatsanwaltschaft wegen Mordes und Störung der Totenruhe 14 Jahren Gefängnis für den Angeklagten gefordert. Warum sie vor dem Landgericht Potsdam auf eine lebenslange Strafe verzichtete.

Kein Unfall, sondern Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs – so lautet das Fazit der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den 39-jährigen Michael F. Der promovierte Naturwissenschaftler hatte sich am 28. Juli vergangenen Jahres mit einer 20-Jährigen im südöstlich von Potsdam gelegenen Ort Beelitz-Heilstätten für ein Fotoshooting getroffen. Die beiden hatten sich schon Monate zuvor im Internet kennengelernt. Am 30. Juli wurde dann die Leiche des Hobby-Models in einem Ferienhaus gefunden.

Anklagevertreter Jörg Möbius folgte in seinem Plädoyer der Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters, der dem Angeklagten eine schwere seelische Abartigkeit attestierte und ihn für vermindert schuldfähig hielt. Folgerichtig beantragte er nicht lebenslänglich, sondern 14 Jahre Haft und die Einweisung in die Gefängnispsychiatrie, den sogenannten Maßregelvollzug. Bevor dort die Therapieversuche beginnen, soll Michael F. nach dem Willen des Staatsanwalts zunächst sechs Jahre in einem Gefängnis verbringen.

Möbius hielt die Erklärung des Angeklagten, dass es sich bei der Tötung von Maren G. (Name geändert) um einen Unfall handele, für nicht glaubhaft. Nach seiner Meinung habe die Beweisaufnahme eindeutig ergeben, dass Michael F.die junge Frau zunächst mit einer Bratpfanne schlug, sie so betäubte und dann erwürgte. Anschließend habe er sich an der toten Frau sexuell vergangen.

Als Beweise nannte Möbius die am Tatort und an der Leiche gefundenen Spuren. Zudem seien in der Wohnung von Michael F. Zehntausende Fotos gefunden worden, auf denen tote Frauen abgebildet waren. Außerdem fanden die Ermittler rund 2000 Videos, in denen gezeigt wird, wie Frauen getötet und vor, während und nach der Tat sexuell missbraucht werden. Möbius: „Er hat eine Affinität zu Macht und Tod.“

Der Staatsanwalt ging jedoch nicht davon aus, dass der von dem Gutachter als hochintelligent eingeschätzte Täter den Mord plante. Seiner Einschätzung zufolge habe sich Maren G., die nur fotografiert werden wollte, den Sadomaso-Vorstellungen des Angeklagten verweigert. Michael F. habe das nicht akzeptiert, das Geschehen sei daraufhin eskaliert.

Anwalt Johannes Eisenberg, der für die Eltern der jungen Frau die Nebenklage vertrat, regte in seinem Plädoyer eine lebenslängliche Freiheitsstrafe an, verbunden mit der Einschätzung der besonderen Schwere der Schuld. Der Angeklagte habe genau gewusst, wie gefährlich die Folgen seiner sexuellen Neigung sein könnten.

Der Prozess wird fortgesetzt.