Pfingsten ist der eigentliche Höhepunkt der Spargelsaison, die am 24. Juni mit dem Johannistag endet. In vielen deutschen Haushalten kam an einem der Pfingstfeiertage noch einmal leckerer Beelitzer Spargel auf den Tisch. Ob mit Schinken, Schnitzel, jungen Kartoffeln, als Suppe oder Salat – der dazugehörige Spargel, ob grün oder weiß, sollte aus der Region kommen und kann dann auch ruhig etwas mehr kosten. Dafür verlangen die Verbraucher aber auch Qualität. Und diese ist festgelegt. In der „Verordnung (EG) Nr. 2377/1999“ der Europäischen Kommission vom 9. November 1999 zur Festsetzung der Vermarktung für Spargel.
„Guten Morgen, Qualitätskontrolle“, begrüßt Elisabeth Schuldt eine Gemüsehändlerin auf dem Wochenmarkt an der Wilmersdorfer Nestorstraße. Sie und ihr Kollege Robert Wildenhayn zeigen ihre Ausweise. Die beiden Qualitätskontrolleure des Wirtschafts- und Ordnungsamtes sind an diesem Morgen in Sachen Spargel auf dem Wochenmarkt unterwegs. Es herrscht eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Händler und Kontrolleure kennen sich bereits seit Jahren.
„Ihre Ware sieht wirklich wieder sehr frisch aus“, sagt Schuldt. Weiß, ganz, frei von Schädlingen, die Spargelköpfe fest geschlossen. Die EU-Bürokraten hätten ihre helle Freude. Die Kontrolleure fragen nach dem Lieferschein. Den habe die Händlerin im Büro vergessen, werde ihn aber noch am Nachmittag der Behörde zufaxen, verspricht sie. „Diese Händlerin kennen wir seit Jahren, da können wir uns drauf verlassen“, sagt Wildenhayn. Er muss sie dennoch ermahnen. Die Durchmesserangabe des Spargels fehlt auf der Auszeichnung.
Auf die Länge kommt es an
Bei Spargel der Klasse 1 müssen die Stangen zwischen 16 und 26 Millimeter dick sein. Die Kontrolleure zücken eine geeichte Schablone. Bei den folgenden Stichproben stimmt der Durchmesser, aber die Stangen sind zu lang gestochen. „Die sind nahezu alle zwei Zentimeter zu lang“, sagt Schuldt. Weißer Spargel darf nicht länger als 22 Zentimeter, der Grüne nicht länger als 27 Zentimeter sein. „In diesem Fall ist die Ware sehr frisch, ist sie aber ein bis zwei Tage alt, werden die Enden trocken und holzig. Dann bezahlt der Kunde für Abfall“, sagt Wildenhayn. „Bei manchen Händlern zählt jeder Zentimeter, denn der bringt Gewicht und damit Geld.“ Das summiert sich. Ein Händler erklärt, dass er an guten Tagen rund 500 Kilo Spargel verkauft.
"Unsere Qualitätskontrollen sind sehr wichtig, damit die Verbraucher Vertrauen haben können und die Händler die Spielregel einhalten“, sagt Wildenhayn. „Die Verbraucher schätzen unsere Kontrollen. Wir werden häufig angesprochen und auf mögliche Mängel hingewiesen“, ergänzt Schuldt.
„Diese Kontrollen sind völlig in Ordnung“, sagt Markthändler Jan Czech. Sonst würde zuviel Schindluder betrieben werden. Er berichtet von Ständen, bei denen Kisten mit griechischem Spargel unter dem Tisch lagen, der oben aber als Spargel aus Beelitz verkauft wurde. „Hier muss sofort eingegriffen werden, sonst verliert der gute Beelitzer Spargel seinen Ruf“, sagt Jan Czech. Nicht umsonst fordert die Verordnung die Kennzeichnung der Packstücke mit Name und Anschrift des Packers und dem Absender, der Art des Erzeugnisses wie etwa Spargel Weiß, Violett oder Grünspargel, Ursprung des Erzeugnisses und Handelsmerkmalen. Doch damit nicht genug. Spargel wird nach Färbungen in vier Gruppen eingeteilt, nach Mindesteigenschaften, in Klassen, Größensortierungen nach Länge und Durchmesser, der Aufmachung und, und, und. Neun DIN-A-4-Seiten umfasst die Vermarktungsnorm für Spargel.
Die Tricks der Spargel-Schwindler
„Kurzer Spargel wird meistens sehr günstig angeboten“, sagt Wildenhayn. „Der muss zwischen zwölf und 17 Zentimeter lang sein. Es gibt aber auch Händler, die diesen kurzen Spargel wesentlich teurer als Spargelspitzen anbieten. Das ist nicht zulässig.“ Biete ein Händler diese Ware als Spargelspitzen an, dürfen die Abschnitte nur weniger als elf Zentimeter messen.
Es gibt also einiges zu berichten aus dem Alltag eines Qualitätskontrolleurs. So wurde schon beobachtet, wie hinter einem Stand der Spargel in Wasser gelagert wurde, um das Gewicht und damit den Preis nach oben zu treiben. „Schwarze Schafe unter den Händlern findet man immer wieder mal“, sagt Schuldt. „In den meisten Fällen aber halten sich alle an die Regeln“ Falls nicht, wird mit Verwarnungsgeldern in Höhe von 35 Euro bis hin zu Bußgeldern von 10.000 Euro bestraft.
Die Kontrolleure sind nicht nur auf Wochenmärkten unterwegs, sondern auch in Verbrauchermärkten und Großmärkten bei der Anlieferung. Kontrolliert werden nahezu alle Gemüse- und Obstsorten, je nach Saison. „Zurzeit ist natürlich der Spargel im Fokus der Kontrollen“, sagt Wildenhayn. „Das ist ein hochwertiges Produkt, mit dem sehr viel Geld verdient wird.“
Neue Technik für die Kontrolleure
Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zählte 2008 knapp 5000 Kontrollen und registrierte 6100 Beanstandungen. „Dabei waren bei Spargelkontrollen 141 Verstöße gegen die Mindestanforderungen, 105 Verstöße wegen fehlender oder mangelhafter Kennzeichnungen wie etwa Herkunftsland oder Klasse und zwölf sonstige Verstöße“, listet der Mitarbeiter der Senatsverwaltung, Axel Thiede, auf.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Kontrolleure an diesem Vormittag zufrieden mit den Händlern. Ihre Arbeit könnte sich in naher Zukunft jedoch verändern. Die Wissenschaft arbeitet derzeit an der so genannten Isotopenanalyse. Damit lässt sich dann relativ schnell auch das exakte Herkunftsland des Spargels bestimmen, erklärt Thiede.





