Mietwohnungen in der Landeshauptstadt sind inzwischen teurer und begehrter als in der benachbarten Metropole Berlin. Das geht aus der Jahresstatistik des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervor, die jetzt vorgestellt wurde. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter stieg in den BBU-Beständen 2009 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf nun 4,97 Euro. In Berlin zahlten Mieter durchschnittlich 4,82 Euro (plus 2,6 Prozent). Auch die Leerstandsquoten belegen die steigende Attraktivität Potsdams. Dort standen im Dezember 2009 nur 2,8 Prozent aller Wohnungen von BBU-Mitgliedsunternehmen leer. In Berlin waren es 3,5 Prozent.
Nur noch knapp 1000 freie Wohnungen konnten die Unternehmen Ende 2009 in Potsdam anbieten. Nur durch die übliche Fluktuation, also den Umzug von Mietern, reichte die Reserve aus, um die Nachfrage zu befriedigen, bilanziert der Verband. „Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums werde diese Reserve aber weiter schrumpfen“, sagte BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern. Während für den Verband in anderen Regionen Brandenburgs der Abriss von Wohnungen im Mittelpunkt steht, wird in Potsdam kräftig gebaut und modernisiert. Allein 2009 und 2010 sollen 200 zusätzliche Wohnungen entstehen.
Nach Angaben des Statistikamtes standen im Jahr 2009 in Brandenburg 5294 neue Wohnungen zur Verfügung, was einem Rückgang von 8,4 Prozent entspreche. „Die meisten Wohnungen wurden in Potsdam-Mittelmark und Potsdam bezugsfertig“, teilte die Behörde am Mittwoch unter Bezug auf Meldungen der Bauaufsichtsbehörde mit. Während die Fertigstellung von Wohnungen in Ein- und Zweifamlienhäusern um 15,5 Prozent auf 4152 Einzeiten sank, gab es bei Mehrfamilienhäusern einen Anstieg um 34,8 Prozent auf 1050 Einheiten.
Im Verhältnis zur Größe sei die Neubautätigkeit der BBU-Unternehmen in Potsdam zehnmal größer als in Berlin, sagte Kern. Die BBU-Unternehmen bewirtschaften nach eigenen Angaben knapp die Hälfte aller Mietwohnungen im Land. In den 371.000 Wohnungen leben etwa 800.000 Brandenburger. Im Verband sind 81 kommunale, 123 genossenschaftliche und 14 private Wohnungsunternehmen organisiert.
Insgesamt zog der BBU eine positive Bilanz für den Wohnungsmarkt in Brandenburg. Zugleich warnte er vor einem Ende der Erfolgsgeschichte.
Stadtumbau ist bedroht
Erstmals seit 1998 sank die Quote leer stehender Wohnungen bei den 218 BBU-Mitgliedsunternehmen im Landesdurchschnitt unter die Zehn-Prozent-Marke (9,2 Prozent). Allerdings offenbaren sich große Unterschiede zwischen dem unmittelbaren Berliner Umland und strukturschwachen Regionen. Am niedrigsten ist der Leerstand in Potsdam und in den Landkreisen Dahme-Spreewald (3,8 Prozent) und Oberhavel (4,9 Prozent). Die meisten Wohnungen stehen in der Prignitz (19,9 Prozent) im Landkreis Spree-Neiße (14,9 Prozent) und in der Stadt Brandenburg/Havel (13,4 Prozent) leer. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei den Durchschnittsmieten. Am teuersten sind Wohnungen in Potsdam, am billigsten wohnen Mieter in Pritzwalk (3,89 Euro netto kalt pro Quadratmeter).
Angesicht dieser Zahlen sieht Kern 2010 als „Jahr wichtiger Weichenstellungen“. Der Stadtumbau Ost könne ins Stocken geraten, warnt sie. Bereits vom kommenden Jahr an rechnet der BBU mit einem Anstieg der Leerstandsquoten. Grund: Die sogenannte Altschuldenhilfe des Bundes ist fast ausgeschöpft. Mit ihr werden Unternehmen von Verbindlichkeiten entlastet, die ihnen nach der Wende durch den Einigungsvertrag aufgebürdet wurden. Die Altschuldenhilfe sei neben dem Stadtumbauprogramm die „zweite wichtige Säule der Stadtentwicklung in Brandenburg“, betonte Kern.
In den vergangenen Jahren hatte der Bund für den Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen in Brandenburg etwa 200 Millionen Euro bereitgestellt. Übrig sind nach BBU-Angaben nur noch 23 Millionen. Kommt kein neues Geld, müssten viele Unternehmen nach der Devise „zumauern statt abreißen“ handeln, kritisierte Kern. Die Folge seien „Geisterquartiere mit zugemauerten Fenstern und Türen“. Neue Förderzusagen des Bundes gibt es nach Angaben des BBU noch nicht.
35.000 Wohnungen zu viel
Seit 2002 haben die Mitgliedsunternehmen des Verbandes etwa 48.000 Wohnungen abgerissen. Angesichts der negativen Bevölkerungsentwicklung in Brandenburg müssen nach Ansicht des BBU bis 2020 weitere 35.000 Wohnungen vom Markt genommen werden. Dafür müsste eine zusätzliche Altschuldenhilfe in Höhe von 140 Millionen Euro bereitgestellt werden.
Zudem müsse das Stadtumbau-Programm fortgeschrieben werden. Bislang habe Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) nur für 2010 eine weitere Stadtumbau-Förderung zugesagt. Um den Prozess weiter erfolgreich zu gestalten, wären laut Kern weitere 300 Millionen Euro Stadtumbau-Mittel nötig.




