Moabit

Schultheiss-Brauerei wird zum Shoppingcenter

Nach langer Planungsphase wurde in Berlin-Moabit ein neues Nutzungskonzept für das Areal der alte Brauerei vorgestellt. Neben Sportstudio und Einkaufscenter soll es auch ein Hotel geben.

Foto: Joachim Schulz

Wo einst Bier gebraut wurde, soll schon bald wieder Bier fließen -aus dem Zapfhahn. Auf dem Gelände der Schultheiss-Brauerei zwischen Turm- und Stromstraße in Moabit ist neben einem Einkaufszentrum, einem Hotel mit 200 Betten, Büros, Praxen und Sportstudio auch eine Gastronomie-Gasse geplant. Etwa zehn Cafés und Restaurants werden sich an der historischen Ladestraße mit Kopfsteinpflaster ansiedeln – dort, wo früher die Bierfässer auf die Droschken verladen wurden. Das sind die aktuellen Pläne des Immobilienentwicklers HLG aus Münster, die am Montagabend im Rathaus Tiergarten vorgestellt wurden.

Vor vier Jahren hat die HLG das ehemalige Brauerei-Gelände erworben. Wie viele Pläne seitdem erstellt und wieder verworfen wurden, kann Geschäftsführer Christian Diesen nicht mehr sagen. Immer wieder gab es Probleme mit Anwohnern, Bezirk oder Denkmalschutz. 2008 hatte die HLG den Architekten gewechselt, die neuen Planungen stammen aus dem Berliner Büro Kahlfeldt. Der Investor hofft, mit dem Bau Anfang 2012 beginnen zu können; 2014 soll Eröffnung sein.

100 Millionen Euro investiert die HLG in den Umbau der historischen Brauerei und den Bau von neuen Gebäuden an Turmstraße und Perleberger Straße. Auf einer Verkaufsfläche von etwa 20.000 Quadratmetern werden 50 Geschäfte in den Neubau an der Turmstraße und das alte Sudhaus einziehen. Beide Gebäude sind durch eine Passage verbunden. Erhalten und saniert werden auch der historische Ballsaal und das etwa 200 Jahre alte Pförtnerhäuschen.

Neu in den aktuellen Plänen ist die Zufahrt zum Gelände über eine Spindel an der Perleberger Straße. 500 Stellplätze stehen in einem Parkhaus und einer Tiefgarage zur Verfügung. Außerdem gibt es jetzt mehr Eingänge als vorher und die neu geplante offene Gastronomiezeile. "Die jetzt präsentierten Pläne sind eine entscheidende Verbesserung", sagt Frank Bertermann (Grüne), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Ein Problem, das am Montagabend zur Sprache kam, ist die dichte Bebauung auf dem Gelände an der Lübecker Straße. Anwohner kritisierten auch die Verschattung durch die Spindel zum Parkhaus. "Dennoch begrüßen wir das Projekt, weil das Denkmal-Ensemble endlich saniert und genutzt wird", sagt Bertermann. Auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) sieht in dem Projekt "einen wichtigen Impuls für die Turmstraße."

Die Geschäftsstraße braucht dringend Belebung. Mit der Hertie-Schließung 2009 ging ein schleichender Niedergang einher. "Der Branchenmix fehlt. Momentan gibt es hauptsächlich Lebensmittel, Bäckereien und Döner-Imbisse", sagt Holger Weichler vom Geschäftsstraßenmanagement, für das das Büro "Die Raumplaner" zuständig ist.

Impulse für den ganzen Kiez

Doch jetzt passiert gleich an mehreren Stellen etwas. Das ehemalige Hertie-Haus an der Turmstraße ist an die MIB AG verkauft. Die Investoren wollen demnächst loslegen. Im Gegensatz zum Schultheiss-Areal gibt es hier bestehendes Baurecht aus dem Jahr 1973. Hertie nutzte bis zur Schließung 2009 rund 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Doch die Immobilie ist ausbaufähig: "Die Reserven sind noch nicht ausgeschöpft, so gibt es noch einen unbebauten Parkplatz, der bis zur Stromstraße reicht", sagt Gisbert Preuß vom Koordinationsbüro, das vom Bezirk mit dem Projektmanagement im Sanierungsgebiet beauftragt ist. Klar sei aber auch, dass man nicht jeden Wunsch auf dem Hertie-Grundstück erfüllen könne. "Wir müssen einen verträglichen Kompromiss finden", sagt der Stadtplaner. Wenn es im alten Warenhaus losgehe, sei das ein Signal für die ganze Gegend. Entwicklungspotenzial bietet das Quartier auf weiteren Flächen. So ist 2010 das Woolworth-Gebäude verkauft worden, das Nachbargrundstück ist unbebaut.

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