Nach jahrelangem Tauziehen hat der Abriss der Thälmann-Gedenkstätte in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) begonnen. Zum Auftakt seien der Eingangsbereich und das Dach des denkmalgeschützten Tagungsgebäudes der damaligen KPD beseitigt worden, sagte Stefanie Schirner, Kreisgeschäftsführerin der Linkspartei von Dahme-Spreewald, am Dienstag. Mitglieder des Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals, der Linken und der DKP protestierten gegen den Abriss. Sie hatten sich jahrelang für den Erhalt der seit 2003 geschlossenen Gedenkstätte als Symbol des kommunistischen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Durch das Engagement der Stadt Königs Wusterhausen wurde wenigstens das Inventar der Gedenkstätte gesichert.

Die Gedenkstätte erinnert an den letzten Tagungsort der KPD unter Leitung ihres Vorsitzenden Ernst Thälmann Anfang Februar 1933 - eine Woche nachdem Adolf Hitler an die Macht gekommen war. Thälmann wurde nach elfjähriger Einzelhaft im August 1944 auf Hitlers Befehl erschossen.

Der Landkreis Dahme-Spreewald hatte bereits 2005 die Abrissgenehmigung erteilt. Im Januar 2010 entschied das Brandenburger Verfassungsgericht, dass der Ort auch durch eine Verfassungsbeschwerde nicht zu retten ist. Die Richter wiesen eine Beschwerde und den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung des Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte sowie einer Anwohnerin zurück. Sie wollten den Erhalt der seit Jahren geschlossenen Gedenkstätte, die auf einem 2002 zwangsversteigerten Grundstück im Ortsteil Niederlehme/Ziegenhals steht.

Die Beschwerdeführer befürchteten den vollständigen Verlust der Gedenkstätte, da der Eigentümer des Geländes sie abreißen darf. Sie beriefen sich auf Brandenburgs Landesverfassung, die den Schutz des kulturellen Erbes gewährleiste. Das Verfassungsgericht argumentierte, bei diesem Schutz handele es sich um kein Grundrecht.

dpa/sei