Sinn dieses „Airport-bezogenen-Verkehrs-Informations-Systems“ – kurz Airvis – ist die reibungslose, zeitlich zuverlässige und damit möglichst stressfreie An- und Abfahrt der Passagiere in Berlin. Innovativ daran ist, dass alle Routen und Verkehrsmittel in das Infosystem einbezogen werden, um dem an- und abreisenden Fluggast bei Staus, nach Unfällen oder bei technischen Ausfällen auf Berlins und Brandenburgs Straßen schnell alternative Routen und Verkehrsmittel zu empfehlen. Dies soll durch Radiodurchsagen, Infos auf Navigationsgeräte, Info-Tafeln am Straßenrand und per Durchsage auf dem Flughafen und auf Bahnhöfen geschehen. Das haben sich die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Flughafengesellschaft als Ziel gesetzt.
Mit Airvis soll sichergestellt werden, dass der neue Flughafen in jedem Fall rechtzeitig erreicht werden kann. Das Informationssystem ist für den Einzugsbereich des neuen Flughafens geplant. Dieser bezieht Berlin ein und wird in Brandenburg im Westen von der Bundesstraße 101 und im Osten von Erkner eingegrenzt. Ungefähre Grenze im Süden ist der Berliner Ring. „Dem Flughafennutzer soll ein verkehrsmittelübergreifendes Infosystem an die Hand gegeben werden“, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. „Das gibt es an anderen Flughäfen noch nicht.“ Aus den negativen Erfahrungen am Flughafen Tegel habe man gelernt: Mit dem Auto anreisende Fluggäste können dort nie kalkulieren, ob es Staus auf der Stadtautobahn gibt und wie lange sie dauern werden. Und: Einmal auf die Stadtautobahn aufgefahren, nützen auch Schleichwege nichts mehr. Das soll beim BBI anders werden.
Noch ist man bei der Austüftelung des Systems am Anfang. Zuständig dafür ist die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ). „Das ist ein neues und großes Projekt, das jetzt startet“, sagt VMZ-Leiter Reinhard Giehler. Wie groß und komplex, kann man sich vorstellen, wenn man bedenkt, dass alle Informationen auf den Zufahrtswegen zum BBI, seien es die Autobahn, die Bundesstraßen oder die Schiene, zusammengeführt werden müssen. Diese Informationen sind wiederum mit Kenntnissen technischer Ausfälle bei Bus und Bahn, mit Alternativstrecken und -verkehrsmitteln sowie Fahrtzeiten, Parkhausauslastungen am BBI und Abflug- und Ankunftszeiten zu koordinieren, um sie dann an den Reisenden weiterzugeben. Das Vorhaben sieht viele Projekte vor: Informationstafeln, wie es sie jetzt schon beispielsweise auf dem Tempelhofer Damm gibt, sollen aufgestellt werden, Software muss entwickelt und die bestehenden Leitstellen des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg, der Flughafengesellschaft und der Verkehrsmanagementzentrale sollen an einer Stelle zusammengeführt werden. Allein um festzustellen, ob es Staus oder Unfälle auf der Autobahn gibt, müssen sogenannte Detektoren in oder an der Fahrbahn Fahrzeuge und deren Geschwindigkeit registrieren. Daraus können dann Rückschlüsse auf Staus und Unfälle gezogen werden.
Insgesamt betragen die voraussichtlichen Kosten für die Entwicklung, Organisation und Installation des Airvis-Systems nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 1,86 Millionen Euro bis zur Inbetriebnahme des BBI Anfang Juni 2012. Daran beteiligt werden das Land Berlin mit 560.000 Euro, das Land Brandenburg mit 350000 Euro und der Bund mit 470.000 Euro. 480.000 Euro übernehmen die sogenannten Verkehrsdienstleister.
Davon hat die Flughafengesellschaft mit 400.000 Euro den Löwenanteil zu tragen. Die Verkehrsmanagementzentrale steuert 43.000 Euro, der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg 37.000 Euro zu. Diese Kostenaufteilung schlägt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Abgeordnetenhaus zum Beschluss vor. Der Hauptausschuss vertagte die Entscheidung auf die Zeit nach der Sommerpause.
Bereits seit dem Jahr 2006 wird am Aufbau eines gemeinsamen Verkehrsmanagements der Länder Berlin und Brandenburg gearbeitet. Das Airvis-Projekt ist dabei nur ein Teil des großen Ganzen. Dem Süd-Ost-Raum aber und damit dem Airvis-Bereich kommt nach Angaben von Maria Krautzberger, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, aufgrund des BBI „besondere Bedeutung und Priorität“ zu.
Der neue Hauptstadtflughafen BBI soll nach Verzögerungen jetzt am 3. Juni 2012 und mit einer Passagierkapazität von 27 Millionen an den Start gehen. Geplant ist, dass 50 Prozent der Passagiere über die Schiene anreisen.


