Die BBI-Wohnraum-Lotsen sind schon aktiv. Sie wollen eine Lücke füllen, die auf dem Markt rund um den künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld offenbar noch niemand erkannt hat. „Wir landen Sie richtig in der Boom-Region des zukünftigen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI), Willy Brandt“, heißt der Werbeslogan, mit dem die beiden Berliner Christian König (38) und Oliver Kienapfel (41) mit ihrem „Relocation-Service für zuziehende Menschen“ im Internet werben. Sie setzen auf den Investorenboom und die prosperierende Flughafenregion.
passgerecht wohnen
Für Führungskräfte und deren Mitarbeiter wollen sie passgerechten Wohnraum und Grundstücke in genehmem Umfeld anbieten. So suchen sie das Penthouse für den gut situierten Manager mit Golfplatz in der Nähe, die zentral am Flughafen gelegene kleine schicke Wohnung für die Stewardess oder das Einfamilienhaus außerhalb der Einflugschneise für die Familie der am Flughafen tätigen Führungskraft.
Und nicht nur das bieten die beiden Wohnraum-Lotsen an. Sie beraten bei der Auswahl der Kinderbetreuung, Schule und Freizeitmöglichkeiten und übernehmen auch Anmeldungen bei Behörden und sonstigen Stellen. „Denn wenn ein Firmenumzug ansteht, muss es schnell gehen. Da sind die Unternehmen dankbar, wenn ihnen die passenden Wohnungssuche für die Mitarbeiter abgenommen wird“, weiß König aus Erfahrung. Seit 14 Jahren ist er in der Immobilienbranche tätig. Im Auftrag der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg suchte er Mieter für deren Wohnungsbestände zum Beispiel in Elstal (Havelland).
Zusammenarbeit mit Bauträgern
Die Wohnraum-Lotsen arbeiten zudem mit Bauträgern zusammen und beraten diese, welche Wohnungen überhaupt gefragt sind. Dass es für die Flughafenregion Bedarf für diese Dienstleistungen gibt, bestätigen sowohl die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) und der Flughafen als auch die Berlin Brandenburg Aerospace Alliance (BBAA), Interessenvertretung der regionalen Luftfahrtbranche.
Die ZAB will entsprechende Hinweise jetzt auch auf ihrer Internetplattform für potenzielle Investoren bereitstellen. Dass sich ein lukratives Geschäftsfeld eröffnet, da sind sich die „Lotsen“ sicher. Doch in ihrem in Berlin-Halensee angemieteten Büro läuft derzeit nur der Ventilator, das Geschäft noch nicht. Die, die gelotst werden sollen, lassen auf sich warten. Woran das liegt, darüber zerbrechen sich nicht nur König und Kienapfel den Kopf.
Investorendruck ist noch nicht zu spüren
Der von den Wirtschaftfördergesellschaften Berlin Partner und der ZAB schon für Jahre zuvor prognostizierte Investorendruck ist noch nicht zu spüren. Spekuliert wurde bislang viel über die Ursachen: Abgesehen von der generellen Wirtschaftskrise in den beiden vergangenen Jahren haben Flughafenchef Rainer Schwarz und auch der Vorsitzende der Stiftung Zukunft Berlin und frühere Berliner Kultursenator Volker Hassemer die fehlende Länderfusion als hinderlich für die Vermarktung des Flughafenumfelds ausgemacht. Beide Länder machten sich zu viel Konkurrenz bei der Akquise.
Der Chef von Berlin Partner, René Gurka, wiederum führte als Ursache das Übermaß an Flächen an. Ende des vergangenen Jahres räumten auch die Wirtschaftsminister beider Länder, Harald Wolf und Ralf Christoffers (beide Linke), Defizite aufgrund konkurrierender Länderinteressen bei der Vermarktung ein und gelobten Besserung. Als ersten Schritt kündigten sie die Einsetzung einer kompetenten Persönlichkeit an, die für die Vermarktung des Flughafenumfelds aus einer Hand stehen soll. Das war im November. Man sei noch bei der Suche, hieß es Ende vergangener Woche bei der Zukunftsagentur Brandenburg.
Keine Zweifel an der Boomregion
Dass die Flughafenregion zur Boomregion werden kann, daran zweifelt niemand. Doch geht es offenbar langsamer als bislang von der Politik und den Wirtschaftsförderern behauptet. ZAB-Geschäftsführer Steffen Kammrath spricht mittlerweile auch von einem Ansiedlungs-Marathon. Von einem Sprint könne keine Rede sein. Das wissen auch König und Kienapfel. Erschwerend kommt hinzu, dass der BBI jetzt erst Anfang Juni 2012 und damit sieben Monate später als ursprünglich geplant, fertig werden soll.
„Eigentlich hatten wir uns versprochen, dass wir Ende dieses Jahres erste Verträge mit Interessenten zustande bringen“, sagt Kienapfel. „Doch im Moment heißt es: Still ruht der See.“ Nicht, dass es bereits Anfragen von Unternehmen gegeben hätte, denn bislang warteten viele die Entwicklung erst einmal ab und träfen keine Ansiedlungsentscheidung. Einen „Hype“ erwartet Kienapfel, der nach eigenen Angaben aus dem Bereich Finanzdienstleistung und Marketing kommt, in einem Jahr. Katrin Reisinger, Sprecherin der BBAA, geht davon aus, dass die Nachfrage richtig boomen wird, wenn der BBI in Betrieb ist.



