Unglück in Cottbus

Tot gebissen - Hund war eifersüchtig aufs Baby

Ein Husky ist in Cottbus ganz plötzlich über ein acht Wochen alten Säugling hergefallen. Und es war niemand in der Nähe, der das Tier hätte aufhalten können. Das kleine Mädchen starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Offenbar war der Hund eifersüchtig auf den Familienzuwachs.

Ein Hund hat ein acht Wochen altes Baby in Cottbus totgebissen. "Es war eine schreckliche Tragödie. Das Tier gehört zur Familie", sagte der Cottbuser Polizeisprecher Berndt Fleischer. Die 37 und 38 Jahre alten Eltern stehen demnach unter Schock und können vorerst nicht vernommen werden. Die Polizei hat die Ermittlungen übernommen.

Nach Informationen von Morgenpost Online hatte die Familie den Abend auf der Terrasse ihres Einfamilienhauses im Stadtteil Saspow verbracht. Gegen 22 Uhr hätten die Eltern zusammen mit den 17 und zwölf Jahre alten Söhnen Geschirr und Essensreste ins Haus gebracht, die zwei Monate alte Emily soll zusammen mit dem Husky-Schäferhund Mischling „Bingo“ nur kurze Zeit auf der Terrasse allein gewesen sein.

Offenbar stieß der Hund genau in diesem Moment den Kinderwagen um. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei habe sich der Mischling sofort auf das schreiende Kleinkind gestürzt und ihm in den Kopf gebissen.

Die Eltern alarmierten sofort einen Notarzt, der das kleine Mädchen noch vor Ort zu reanimieren versuchte. Die Bemühungen der Ärzte blieben vergeblich – Emily starb wenig später auf der Intensivstation einer nahe gelegenen Klinik.

Husky-Mischling „Bingo“ wurde noch am späten Abend ins städtische Tierheim gebracht. Ein Veterinär wird darüber entscheiden, ob der Vierbeiner eingeschläfert werden muss oder nicht. Die Cottbuser Kriminalpolizei hat zudem gegen die Eltern ein Ermittlungsverfahren wegen des „Verdachts der Vernachlässigung der Aufsichtspflicht“ eingeleitet. Der Leichnam des Kindes soll laut Polizei am Montag obduziert werden.

Familie L. wohnt erst seit wenigen Monaten in der am Stadtrand gelegenen Einfamilienhaussiedlung. Zu den Nachbarn hätten sich bislang kaum Kontakte entwickelt. Mutter Silvia ist verwitwet. Mit ihrem neuen Lebensgefährten hatte sie ein gemeinsames Kind – die acht Wochen alte Emily. Die beiden fast Jungen stammen aus einer früheren Beziehung des Vaters.

Wie Morgenpost Online am Sonntag aus dem Bekanntenkreis der Familie erfuhr, soll der Mann den Husky-Mischling bereits besessen haben, bevor er seine neue Partnerin kennenlernte. Die Familie hat außer dem Husky noch zwei weitere Hunde, bei denen es sich um Labradore handeln soll.

Auf dem Grundstück der Familie, das an ein Waldstück und Wiesen grenzt, befindet sich auch ein großer Zwinger für die Tiere. Ein Nachbar berichtet, dass sich vor allem die beiden Söhne um die Tiere gekümmert hätten. Es habe aber häufig Beschwerden gegeben, weil die Hunde immer wieder laut gewesen und durch Bellen aufgefallen seien. Den Tieren hätte eine Hundeschule gut getan, verlautete es am Sonntag aus der Nachbarschaft.

Geradezu zynisch mutet ein DIN-A-4-großes Schild an, das bis Sonntag am Gartenzaun der Familie hing: Es zeigte ein Foto von „Bingo“, darunter stand zu lesen: „Vier Beine und eine Schnauze mit sehr scharfen Zähnen!“ Die offenbar spaßig gemeinte Warnung für Briefträger wurde inzwischen entfernt.

Warum der Hund den Säugling angriff, können sich die Ermittler nicht erklären. „Vielleicht war das Tier eifersüchtig, weil es nach der Geburt des Kindes nicht mehr so viel Aufmerksamkeit von der Familie bekam“, vermutete Fleischer. "Wir prüfen, ob der Hund vorher schon auffällig war."

Auch für einen Hundetrainer, den Morgenpost Online befragt hat, kommt Eifersucht als Ursache für die tödliche Beißattacke in Frage. „Der Hund war schon vor dem Baby in der Familie. Das Tier konnte vielleicht nicht verstehen, warum plötzlich das Baby im Mittelpunkt stand. Das kann ein Auslöser sein“, so der Experte. Ferner könnte der Hund psychisch gestört und schon seit längerer Zeit auffällig gewesen sein, was möglicherweise nur durch Strenge des Herrchens kompensiert wurde und nun eine Entladung erfahren hat.

Generell sollten Kinder niemals mit Hunden allein gelassen werden, auch wenn es der Familienhund ist. „Und diesen Husky darf man niemals wieder, sofern er nicht eingeschläfert wird, in die Nähe von Kleinkindern und auch nicht Jugendlichen lassen“, so der Hundetrainer.