Wenige Wochen vor Eröffnung der Landesgartenschau (Laga) in Oranienburg fiebern die Havelstädter der Blütenpracht entgegen - und hoffen auf Imagegewinn für ihre Stadt. "Was unter normalen Bedingungen vielleicht 25 Jahre gedauert hätte, haben wir jetzt in nur zwei, drei Jahren verändert", sagt Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD).

Oranienburg hätte bislang nur ein Graue-Maus-Image gehabt. In den Schlagzeilen wäre man nur als Stadt der vielen Weltkriegsbomben gewesen, so Laesicke weiter. "Mit der Laga und den baulichen Veränderungen bekommen wir Tausende Farbkleckse, die von einer halben Million Besuchern gesehen werden sollen. Die Gäste werden dann ein sehr viel bunteres Stadtbild zeichnen", sagt der Bürgermeister. "Und das soll auch in Zukunft so bleiben", denn im Laga-Konzept inbegriffen ist ein Nachnutzungsplan für das 30 Hektar große Areal direkt am Oranienburger Schloss. "Die Veranstaltung ist für uns viel mehr als nur eine Blütenschau. Es ist der Auftakt für eine völlige Umgestaltung unserer Problemzone Innenstadt", so Laga-Chef und Oranienburgs Baudezernent Frank Oltersdorf.

Ein Kompliment vom Minister

Auch private Investoren ziehen mit, viele Baustellen zeugen von der Aufbruchstimmung. "Durch unsere Stadt ist ein echter Ruck gegangen", sagt Bürgermeister Laesicke. "Man sieht es und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus", meinte auch Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) kürzlich bei einem Besuch in Oranienburg.

Knapp 26 Millionen Euro sind in die Laga-Infrastruktur geflossen. "Diese Summe kann sich natürlich nicht eins zu eins reinvestieren. Bei knapp einer halben Million Besucher und einem Tagesticketpreis von zwölf Euro werden wir, vorsichtig hochgerechnet, Eintrittsgelder von rund sechs Millionen Euro einnehmen. Dazu kommen eingeworbene Sponsorengelder. Hiermit soll nur die Veranstaltung mit dem breiten Rahmenprogramm abgedeckt werden", so Oltersdorf. "Ganz klar, die schwarze Null muss her", so Laesicke. Der Bürgermeister sieht die S-Bahn-Anbindung als das große Plus der diesjährigen Laga. "So können viele Berliner bequem zur Landesgartenschau kommen. Wir schaffen ganz sicher die halbe Million."

Die hohen Investitionen für die Infrastruktur bleiben zunächst außen vor. "Diese Gelder hätten wir auch ohne die Laga für die Umgestaltung der Stadt in die Hand nehmen müssen. Durch die Veranstaltung ist es uns aber leichter gefallen, Fördermittel einzuwerben. Die Laga war für uns ein Sechser im Lotto", sagt der Bürgermeister.

Intensiv wird zurzeit an der Umgestaltung des Schlossparks, der Grachten- und Polderlandschaft sowie am neuen Hafen gearbeitet. Während der Landesgartenschau sollen Hunderte Veranstaltungen die Besucher locken. "Alle Arbeiten liegen voll im Zeitplan. Zwar hat der harte Winter uns zu Jahresbeginn etwas ins Hintertreffen gebracht. Das konnten wir aber wieder aufholen. Der Eröffnungstermin am 25. April ist nicht in Gefahr", sagt Oltersdorf.

Oranienburg widmet das Gartenfestival seiner Namenspatronin und Stadtgründerin, Louise Henriette von Nassau-Oranien. Das Motto "Traumlandschaften einer Kurfürstin" ist eine Referenz an die wohl wichtigste Frau in der Geschichte des Ortes. Zur Gartenschau wird im Barockwäldchen "Vergänglichkeit" an ihren frühen Tod erinnert. Grabsteine, von Efeu überwachsene Skulpturen, Jasmin und Wildrosen sollen die Endlichkeit des Lebens darstellen.

Zu einem Zuschauermagneten soll eine holländische Staatsyacht aus dem 17. Jahrhundert werden, wie sie zur Zeit des Großen Kurfürsten eingesetzt wurde. Das 18 Meter lange und 4,80 Meter breite Schiff wird im Original-Maßstab nach historischen Vorlagen gebaut. Seit Sommer 2008 sind 20 Handwerker in Rathenow (Havelland) damit beschäftigt. Das Original ließ der preußische Schiffbaumeister Pickelhering 1678/79 erbauen. Am 26. März soll das Schiff getauft werden und bis zum 20. April auf dem Landweg nach Oranienburg gebracht werden. Dort wird es während der Gartenschau im Hafen vor dem Schloss vor Anker gehen und als Ausstellungsort fungieren.