Lehrermangel

Eltern protestieren gegen Unterrichtsausfall

Eine Elterinitiative hat am Mittwoch Unterschriften gegen Unterrichtsausfall an Brandenburgs Schulen abgegeben. Erreicht werden soll damit, dass die so genannte Vertretungsreserve in den Lehrerkollegien auf sechs Prozent verdoppelt wird. Außerdem sollen die Schulen mehr Geld erhalten, um Personallücken in Eigenregie auffüllen zu können.

Der Protest gegen Unterrichtsausfall in Brandenburg wird schärfer: Eltern aus den Landkreisen Oberhavel und Havelland wollen am Mittwoch im Landtag an den Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) und den Vorsitzenden des Bildungsausschusses, Ingo Senftleben (CDU), eine Unterschriftenliste mit rund 5000 Unterschriften übergeben.

Die Elterinitiative Brandenburg fordert damit, dass kurzfristig die so genannte Vertretungsreserve in den Lehrerkollegien auf sechs Prozent verdoppelt wird. Außerdem sollen die Schulen mehr Geld erhalten, um Personallücken in Eigenregie auffüllen zu können.

An der Protestaktion beteiligt sind auch Elternvertreter von Schulen aus dem Speckgürtel um Berlin. Dort sinken die Schülerzahlen nicht wie anderswo im Land, sondern sie steigen. "Die Klassengröße ist mit 28 Schülern stets an der Obergrenze, während kranke Lehrer dauerhaft aus der Vertretungsreserve ersetzt werden. Da bleibt kaum Platz für Förderstunden und ähnliches", sagte der Elternvertreter des Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasiums, Peter Jansen. Zudem entfiele auch der Unterricht ganzer Fächer. Dieser Mangel sei kein Verschulden der Schule, sondern ein strukturelles Problem der Lehrerversorgung im Lande.

Die Falkenseer Elternvertreter erhoffen sich Hilfe bei Finanzminister Rainer Speer (SPD), der in Falkensee für die Landtagswahl am 27. September antritt. Speer besuchte zwar die Schule, macht den Eltern aber bislang wenig Hoffnung auf eine schnelle finanzielle Lösung des Problems. Das Landesbildungsministerium räumt gewisse Probleme ein. "Die Eltern ärgern sich nicht zu unrecht, wenn Vertretungen nicht durch einen anderen Lehrer des gleichen Faches, sondern auch durch fachfremde Kollegen geleistet werden", sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Allerdings werde etwa fehlender Förderunterricht von Eltern häufig als Ausfall gewertet. Diese Unterrichtsangebote seien jedoch freiwillige Leistungen.

Krankmeldungen als Problem

Ein schwer lösbares Problem sind dem Ministerium zufolge sich häufig verlängernde Krankmeldungen. Diese seien kaum planbar. Doch selbst bei absehbaren Ausfällen würde sich Personal für sofortigen, aber befristeten Einsatz kaum finden lassen. Versetzungen könnten nicht ohne Vorlauf mitten im Schuljahr angeordnet werden.

Der Komplettausfall von Unterricht an Brandenburgs Schulen liegt nach Angaben des Ministeriums bei etwa 1,5 bis 2 Prozent, für nicht fachgerecht vertretene Unterrichtszeit bei etwa acht Prozent. Diese übliche separate Zählweise will der Vorsitzende des Bildungsausschusses nicht länger akzeptieren. Ingo Senftleben geht von nicht akzeptablen acht bis zehn Prozent Unterrichtsausfall aus: "Unter Unterricht verstehen wir nicht Freiarbeit und damit die Beaufsichtigung einer Klasse durch einen anderen Lehrer." Auch sei es keine Lösung, fachfremde Lehrer die Vertretung übernehmen zu lassen. Und CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski fügt sogar hinzu: "Ich kenne eine Grundschule, in der die Schulsekretärin regelmäßig für kranke Lehrer einspringen muss."

Die Union begrüßt die jüngsten Pläne der SPD, in der neuen Legislaturperiode 1250 Lehrer neu einzustellen und damit 500 mehr als ursprünglich geplant. Außerdem sollen möglichst viele Lehrer möglichst schon in den nächsten zwei bis drei Jahren eingestellt werden, nachdem Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg bereits jetzt kräftig abwerben. Die Union ist bereit, die von der SPD geplante Einführung eines Schülerbafögs ab 2010 mitzutragen, sieht die Priorität aber zunächst in der Beseitigung des Unterrichtsausfalls. Senftleben fordert die sechs Millionen Euro mehr auch für die Schulen. Mit 60.000 Euro pro Schule und Jahr könnte der Unterricht künftig garantiert werden.

Die Bildungsexpertin der Linkspartei im Landtag, Gerrit Große, sagt: "Das System ist durch die Sparorgie der Regierung völlig ausgeblutet." 1990 habe es noch 36.500 Lehrerstellen in Brandenburg gegeben, derzeit seien es nur noch rund 20.000. Da seien 500 neue Lehrer nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut Bildungsministeriumssprecher Breiding will Brandenburg langfristig aber Lehrerstellen abbauen. Geplant sei, bis 2014 ihre Zahl auf etwa 17.000 zu reduzieren.