Lehrermangel

Kranke Lehrer – An vielen Schulen fällt Unterricht aus

In Berlin stellt der Lehrermangel viele Schulen vor massive Probleme. Der hohe Krankenstand verschärft die Lage zusätzlich: Unterricht fällt aus, der Pool an Vertretungslehrern ist ausgeschöpft. Auch die sogenannte Lehrerfeuerwehr ist bereits fest verplant. Dabei hatte Senator Zöllner zu Beginn des Schuljahres Besserung versprochen.

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Lehrermangel ist nach wie vor das Hauptproblem an vielen Berliner Schulen. Die Folge: Unterricht fällt aus oder kann, wenn überhaupt, nur fachfremd vertreten werden. Hinzu kommt das jahreszeitlich bedingte Problem vieler kurzfristiger Erkrankungen, für die die Schulleiter keine Vertretungskräfte mehr finden.

"Der Pool an Vertretungslehrern ist leer", sagte Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW. Nach Erkenntnissen der Lehrergewerkschaft haben gegenwärtig rund 350 Pädagogen einen langfristigen Vertretungsvertrag. Damit sei das vorhandene Potenzial ausgeschöpft.

Auch die sogenannte Lehrerfeuerwehr sei bereits fest verplant. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hatte mit Beginn des Schuljahres für diese Feuerwehr 140 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt, die in Notfällen einspringen sollten. "Das ist gar nicht mehr möglich, weil alle 140 Kollegen längst dauerhaft eingesetzt sind", sagte Seggelke.

Eine Umfrage des Landeselternausschusses ergab jetzt, dass insbesondere im Bereich der Fremdsprachen, aber auch im Bereich der naturwissenschaftlichen Fächer, Lehrkräfte fehlen. An zwei Gymnasien in Reinickendorf gebe es seit Wochen weder Englisch-, noch Französischunterricht, sagte André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. An einer Lichtenberger Grundschule falle der Englischunterricht seit den Herbstferien aus. Ein weiteres Gymnasium in Reinickendorf könne ausfallenden Mathematik- und Physikunterricht nicht vertreten. In Spandau suche eine Realschule händeringend Vertretungskräfte für den Sport- und Kunstunterricht. Die Namen der Schulen will Schindler nicht nennen. "Alle fürchten um ihren Ruf", sagte er.

Jahreszeitbedingte Erkrankungen können auch an der Heinrich-Zille-Grundschule nicht mehr durch die Kollegen aufgefangen werden. Das größere Problem sind jedoch die langfristig kranken Lehrer. "Das Kollegium ist überaltert, die Krankheiten sind deshalb oft schwerwiegender", sagt Schulleiterin Inge Hirschmann. Ersatz aus dem Vertretungspool sei nicht mehr zu finden. Wenn überhaupt gebe es Bewerber ohne zweites Staatsexamen. Die seien nicht in jeder Klasse einsetzbar. Schließlich fehle den Studenten die praktische Erfahrung.

Auch an der Fritzlar-Homberg-Grundschule ist der Krankenstand wie immer um diese Jahreszeit relativ hoch. Der Stundenausfall sei aber geringer als in den vergangenen Jahren, sagt die kommissarische Schulleiterin Charlotte Feese. Zwei Lehrer habe sie zur Vertretung aus dem Pool holen können. Allerdings sei es immer schwieriger, hier Ersatz zu finden, so die Schulleiterin.

Erhard Laube, bei der Bildungsverwaltung für Personalangelegenheiten zuständig, räumte ein, dass es gegenwärtig schwierig sei, kurzfristig Vertretungskräfte zu finden. Vor allem in Mangelfächern habe sich die Situation zugespitzt, sagte er. Die bundesweite Konkurrenz auf dem Lehrerarbeitsmarkt habe deutlich zugenommen.

Die GEW warnt: "Die 400 Berliner Referendare, die ihre Ausbildung demnächst abschließen, haben bereits größtenteils Angebote aus anderen Bundesländern", sagte Rose-Marie Seggelke. Sie forderte, dass die Bildungsverwaltung schnell reagiert. " In Berlin müssen zum Halbjahr mindestens 350 Pädagogen fest eingestellt werden."