Ein Appell kommt sogar aus New York. Der deutsche Nobelpreisträger Günter Blobel schreibt von dort an die Damen und Herren des Brandenburgischen Parlaments: "Bitte haben Sie den Mut, auch den berühmten Innenhof des Stadtschlosses restaurieren zu lassen".
Nur eine konsequente Rekonstruktion mache Sinn. Dies wisse er von seiner Erfahrung mit der Frauenkirche in Dresden, zu deren Wiederaufbau er seinen Nobelpreis gestiftet habe.
Der eindringliche Appell richtet sich an die Jury aus 13 Sachverständigen, Architekten und Politikern, die am Donnerstag hinter verschlossenen Türen im Gebäude der Landesinvestitionsbank in Potsdam über die Entwürfe von drei Bieterkonsortien zum Bau des Landtags in Potsdams Mitte berät. Und eine Empfehlung aussprechen will.
Der Biochemiker Blobel, der rund 820.000 Euro des Preisgeldes des Nobelpreises im Gedenken an seine im Krieg getötete ältere Schwester Ruth für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden gespendet hatte, sagte: "Vom Architektonischen her ist das Potsdamer Stadtschloss noch wichtiger als das Berliner Stadtschloss." Neben Blobel werben 18 Potsdamer Vereine, Institutionen und Künstler für eine originalgetreue Wiederherstellung des einstigen Stadtschlosses.
Forderung nach historischem Innenhof
Die Entwürfe mussten überarbeitet werden, nachdem der Software-Milliardär Hasso Plattner 20 Millionen Euro für das Potsdamer Projekt gespendet hatte. Er koppelte seine großzügige Spende im November 2007 an die Vorgabe, dass der Landtagsneubau die historische Stadtschlossfassade erhält.
So beschloss der Landtag im April vorigen Jahres, die zu präzisierenden Entwürfe sollten eine größtmögliche Annäherung an die äußeren historischen Fassaden des ehemaligen Stadtschlosses sowie die äußere Dachkontur des Südflügels verfolgen. Am Ziel ihrer Wünsche waren die Befürworter des Stadtschloss-Wiederaufbaus damit aber noch nicht. Denn der Landtag bekräftigte auch seine Erwartung, dass ein funktionsfähiges Parlamentsgebäude errichtet wird, bei dem sämtliche Bereiche in einem Gebäudekomplex untergebracht sind.
Die Gestaltung des Innenhofes und der inneren Gebäudestruktur hätten sich dem Ziel unterzuordnen. Der Hof solle weitgehend frei von Bebauung bleiben und die Innenhof-Fassaden in ihrer Qualität die Würde des Parlaments und die Besonderheit des Ortes berücksichtigen.
Die Bürgerinitiative Mitteschön und ihre Mitstreiter hingegen wollen, dass der historische Innenhof rekonstruiert wird. Die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Funck warnt davor, billige Nachbildungen für die Fassade zu verwenden. Zudem fordert sie, dass die Entwürfe nicht nur der Jury gezeigt werden, sondern umgehend öffentlich gemacht werden. Der Bürger habe ein Recht darauf, immerhin werde viel Steuergeld verbaut. Der Bau des Landtags kostet nach bisherigen Plänen rund 120 Millionen Euro.
Ursprünglich waren sechs Konsortien im Rennen. Eines wurde ausgeschlossen, nachdem es im Herbst einen Entwurf vorgelegt haben soll, der keine grundlegenden Änderungen vorsah. Mit zwei Unternehmensgruppen schloss das Finanzministerium Vereinbarungen über den Ausstieg aus dem Verfahren. Angeblich erhielten sie sechsstellige Entschädigungszahlungen.
Platz für Parlament Berlin-Brandenburg
Nach Informationen von Morgenpost Online sieht einer der verbliebenen, bislang streng geheim gehaltenen Entwürfe den historisch gestalteten Innenhof vor. Die Jury will am Donnerstag die vorliegenden Modelle, Pläne und Skizzen den ganzen Tag über auf die architektonische Qualität, auf Funktionalität und damit auch auf die Umsetzung des Raumprogramms prüfen. Der Bau soll für den Fall einer Länderfusion genügend Platz für ein gemeinsames Parlament Berlin-Brandenburg bieten.
Über die Vergabe des Auftrags soll erst im Sommer entschieden werden. Laut Ministeriumssprecher Ingo Decker, wird am Donnerstag eine Bewertung der Entwürfe erfolgen. Im "Dialogverfahren" könnten Nachbesserungen erbeten werden. Geplant ist, am Jahresende mit dem Bau zu beginnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2012 vorgesehen.












