"Da kann es ruhig auch mal ein bisschen lauter zugehen", empfahl der Chef des Potsdamer Stadtschloss-Vereins, Hans-Joachim Kuke, potenziellen Besuchern. Dies schrieb Kuke unter anderem in einem "Brandbrief" an Mitstreiter und Medien.
Kuke wirft der Stiftung "Manipulation" vor. Sie wolle mit der zweiteiligen Veranstaltung zusammen mit dem sogenannten Stadtforum Potsdam eine Bresche für moderne Architektur im alten Stadtzentrum schlagen. Unter den Titeln "Potsdam - Die Mitte verhandeln" und "Der Alte Markt und seine Umgebung" werden am Freitag gleich zwei Podiumsdiskussionen hintereinander geboten. "Hinter der Veranstaltung verbirgt sich ein Großangriff auf die historische Konzeption", warnte Kuke. Auf dem Expertenpodium säßen nur "hervorragende, aber militante Verfechter moderner Konzepte". Sie beziehen sich damit vor allem auf den Baseler Architekten Roger Diener und auf seinen deutschen Kollegen Peter Kulka mit Sitz in Köln und Dresden. Kulka ist laut Bundesstiftung auch bei der Rekonstruktion des Schlosses in der sächsischen Landeshauptstadt tätig. Entgegen einer vorgeblichen Zusage sei kein Vertreter der Bürgerinitiative "Mitteschön" dabei. Diese habe in den vergangenen Monaten eine breite Öffentlichkeit für einen Landtag mit historischer Knobelsdorff-Fassade mobilisiert.
Der Chef der Bundesstiftung Baukultur, Michael Braum, wies den Vorwurf zurück, er wolle das Land als Bauherren des "Landtagsschlosses" und die Öffentlichkeit auf eine moderne Mitte einschwören. "Da sind die aber schlecht informiert. Ich möchte über ein ausgewogenes Zusammenspiel moderner und historischer Elemente diskutieren", sagt Braum. Es müsse darüber geredet werden, warum die Bürger den "Glauben an die Architekten verloren" hätten.
Beißende Polemik befürchtet
Am Ende gehe es darum, sich über ein optimales Planungsvorgehen für das Herz von Potsdam als einer der sechzehn Landeshauptstädte zu verständigen. "Wenn der beste Architekt aus Potsdam käme und planen darf, wäre das gut. Käme er aber aus Ungarn, sollte er die Mitte planen", sagte Braum.
Stadtschloss-Vereinschef Kuke dagegen glaubt nicht an fachliche Debatten auf Augenhöhe. Er rechnet damit, dass die Anhänger der Moderne "mit beißender Polemik alle Argumente pro historisches Schloss und pro historische Hoffassaden mit Füßen niedertrampeln" werden. Seine Zielmarke für die eigenen Debattenredner in Sachen historische Rekonstruktion von "Landtagsschloss" und Stadtmitte hat Kuke klar gesetzt: "Nur wenn die Politiker mit dem Gefühl rausgehen, da stürzt mir mein ganzer Laden ein, wenn ich diesen Wünschen der Potsdamer nicht stattgebe, ist das Projekt in trockene Tücher zu bringen", bekräftigte Kuke den Willen der Initiativen zur historischen Rekonstruktion.
Was die Podiumsgäste angeht, wollte Stiftungschef Braum nur Vorgespräche mit den Stadtmitte-Vereinen und -Initiativen bestätigen. Am Ende habe sich die Stiftung für das Stadtforum als Partner entschieden, weil es hohe Sachkompetenz habe und dennoch "eine Art Nichtregierungsorganisation" in Potsdam sei. Er habe das Podium des Stadtforums ausdrücklich ermuntert, Argumente der Bürgerinitiativen gründlich zu sammeln, damit sie bei der eigenen Veranstaltung kurz danach in die Debatten einfließen könnten. "Alles andere wäre zu emotional geworden", erklärt Braum seine Entscheidung.
Das Stadtforum richtet regelmäßig Debatten zur Stadtentwicklung aus. In der "Kerngruppe" sind Mitglieder aus der Kommunalpolitik und der Kommunalverwaltung aktiv.




