Der Landeshauptstadt Potsdam fehlen Wohnungen. Bis zum Jahr 2020 rund 13.000. Denn die Stadt erlebt einen Zuzugsboom. In zwölf Jahren soll die Einwohnerzahl nach Berechnungen der Stadtplaner von derzeit 151.000 auf 164.000 steigen.

In den vergangenen Wochen hatte die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wiederholt finanzielle Hilfe vom Land gefordert. Die wirtschaftlichen Chancen in Potsdam und dessen landesweit bedeutsame Infrastruktur zögen immer mehr Menschen an. Dies sei auch eine Folge der veränderten Förderpolitik, die unter dem Motto „Stärken stärken“ Regionen mit guter wirtschaftlicher Ausgangsbasis zu Recht unterstütze. Allerdings könne das Land Potsdam dann nicht mit den Konsequenzen auf dem Wohnungsmarkt alleine lassen.

Potenzial für neue Häuser

Zuletzt hatte die Stadt versucht, die Stadtviertel Bornstedter Feld und Teile der Waldstadt als sogenannte „Vorranggebiete“ in einem Landesförderprogamm für Innenstadt-Wohneigentum zu platzieren – ohne Erfolg. „Dort ist Potenzial für die dringend benötigten neuen Etagenwohnungen. Doch das Land besteht darauf, nur in der Innenstadt zu fördern“, sagt Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz.

Sie und die gesamte Stadtspitze möchten, dass das Land die Definition der „Vorranggebiete“ flexibler fasst. So könnte bei Sonderfällen wie Potsdam, wo es Zu- statt Abwanderung gebe, effizienter gefördert werden. Bislang sind nur ein Dutzend Quartiere und Straßenzüge im Herzen von Potsdam beziehungsweise Babelsberg als Fördergebiete vom Land akzeptiert.

Doch dort können nach Studien der Potsdamer Stadtentwickler durch Ausbau und Nutzung von Baulücken nur noch maximal 3500 Wohnungen entstehen. Benötigt aber werden 13.000.

Doch das Land sieht die Potsdamer Lage offenbar weniger dramatisch. Vor dem Hintergrund von Leerstand und landesweit 55.000 Wohnungen, die abgerissen werden, hatte der Landtag beschlossen, Wohnungsbau nicht mehr zu fördern. „Eine echte Wohnungsnot gibt es nicht. Wenn es in bestimmten Segmenten, etwa bei kleinen günstigen Wohnungen einen Engpass geben sollte, sind in erster Linie die Stadt und ihre Wohnungsunternehmen gefragt“, so eine Sprecherin des zuständigen Bauministeriums. Ministeriumssprecherin weiter. Sie verweist auf 55000 leerstehende Wohnungen die landesweit abgerissen werden müssen.

Tatsächlich arbeitet die Stadt an einem sogenannten Stadtentwicklungskonzept Wohnen. Es soll den Bedarf nach Wohnungstypen und Lagen präzisieren: Außerdem will die Stadt Möglichkeiten prüfen, billiges Bauland für sozialen Wohnungsbau bereitzustellen, etwa durch Erbbaupachtverträge. Mitte 2009 wollen die Stadtentwickler das Papier vorstellen.

Was die geforderte Eigeninitiative der Stadt beim Wohnungsbau angeht, sieht Planungschef Andreas Goetzmann vor allem die wirtschaftlichen Grenzen der kommunalen Gesellschaften erreicht. „Unter einem Preis von sieben Euro pro Quadratmeter lassen sich Neubauwohnungen in Potsdam nicht wirtschaftlich errichten. Um es preiswerter zu machen, muss einfach Landesförderung dazu kommen“, betont Goetzmann.

Warnung vor hohen Preisen

Vor einer drohenden sozialen Auslese durch den angespannten Wohnungsmarkt und die hohen Preise warnt auch Carsten Hagenau. Der Sprecher von „Stadtspuren“, einem Stadtentwicklungsprojekt mehrerer Potsdamer Wohnungsgenossenschaften und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, beobachtet eine Tendenz. Für Gering- und Normalverdiener sei es schwerer geworden, in Potsdam Fuß zu fassen. Er fordert von der Stadt ein Bekenntnis zum „Wohnen für alle“ in Potsdam. „Wohnungsbauförderung gibt es seit rund hundert Jahren. Da kann man sich Anregungen holen“, rät Hagenau. Ihm schweben ebenfalls Erbaupachtverträge vor, aber auch die Umwandlung von Forstflächen in Bauland für sozialen Wohnungsbau.