Die Verordneten des Bauausschusses der Stadtverordnetenversammlung sahen das ähnlich - und handelten prompt: Sie forderten den Investor, die stadteigene Bauholding Pro Potsdam auf, die Pläne zu überarbeiten. In rund zwei Wochen sollen sie erneut debattiert werden. Der Investor ist rechtlich auf einen positiven Bescheid des Ausschusses angewiesen.

Die rund sieben Hektar große Speicherstadt gilt durch ihre Wasserlage und Innenstadtnähe als letztes städtebauliches "Filetstück". Drei Unternehmen wollen auf dem ehemaligen Gewerbegelände insgesamt bis zu 200 Millionen Euro investieren. Entstehen soll ein ökologisch orientiertes Stadtquartier der gehobenen Klasse. Die Investoren wollen die von namhaften Baumeistern wie Persius und Schinkel gestalteten Getreidespeicher als Wohn- und Gewerbebauten rekonstruieren.

Die Bedenken der Denkmalpfleger betreffen allerdings die Pläne für ein komplett neues, mehr als dreißig Meter hohes und neunstöckig geplantes Wohngebäude. Es soll direkt neben den historischen Mühlenbauten entstehen. Die Denkmalpfleger kritisieren, dass diese und andere Gebäude verdeckt werden. Außerdem sehen sie unvertretbare Eingriffe in die für Potsdam bedeutsamen Sichtachsen zwischen berühmten historischen Bauten.

Blick zum wieder entstehenden Turm der Garnisonkirche würde "angeschnitten"

Eine Mehrheit der Bauausschuss-Mitglieder zeigte Verständnis für diese Position, nach dem die Stadtplaner eine elektronische Präsentation vorgeführt hatten. "Da gab es besonders schmerzhafte Punkte", sagte Ausschusschef Christian Seidel (SPD). So würde beispielsweise der Blick vom Brauhausberg - gegenwärtig noch Sitz des Landtages - hin zum wieder entstehenden Turm der Potsdamer Garnisonkirche "angeschnitten".

Allein die reine Masse des Baukörpers erschreckte die Ausschussmitglieder. "Das ist ziemlich wuchtig, so nahe am historischen Persius-Speicher. Und wenn selbst die nicht gerade kleinen Mühlenbauten in direkter Nachbarschaft dagegen zierlich wirken, passt da irgendetwas nicht", fasste Seidel die Ausschussmeinungen zusammen.

Pro Potsdam-Geschäftsführer Horst Müller-Zinsius zeigte sich auf Nachfrage darüber beunruhigt. "Natürlich haben wir Sorge um das Projekt, und das drückt sich auch ökonomisch aus. Und zwar in Form einer siebenstelligen Summe", sagte er. Gemeint ist damit vor allem das finanzielle Vorab-Engagement der Pro Potsdam von rund fünf Millionen Euro: Das Unternehmen hatte durch Grundstücksaufkäufe übersichtlichere Eigentumsverhältnisse geschaffen. Dadurch kam das festgefahrene Vorhaben wieder in Fahrt.

Für Müller-Zinsius hat die wirtschaftliche Nutzung des Areals Vorrang. Die geforderte Reduzierung auf zwei bis drei Stockwerke nennt er "inakzeptabel". "Alle Argumente müssen auf ein Zusammenspiel von Nutzbarkeit, Stadtplanung und Denkmalpflege geprüft werden", fordert er und warnt die Denkmalpflege vor einer zu einseitigen Sicht: "Potsdam muss nicht die ganze Stadt konservieren. Wir können uns auch Neubauten erlauben."