Weil er buchstäblich brandgefährliche Pakete verschickte und so ein Postauto entflammte, muss sich ein 35-Jähriger seit Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Die Anklage wirft ihm Betrug, besonders schwere Brandstiftung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor.
Gleich zu Prozessbeginn bot der Vorsitzende Richter Frank Tscheslog dem Angeklagten einen Deal an. „Wenn Sie sich hier und jetzt geständig einlassen, dann beträgt ihre Strafe minimal fünf, maximal sechs Jahre.“ Ansonsten drohte dem schmächtig wirkenden Mann aus Oranienburg (Oberhavel) eine höhere Strafe. Er gestand.
Anfang Juli 2014 war der gelernte Koch laut Anklage wegen massiver Geldprobleme auf die Idee gekommen, über ein Online-Aktionshaus Waren zum Schein zu verkaufen. Etwa 4000 Euro hat er dann für einen Laptop und einen Beamer eingenommen, über die er nie verfügte. Mit dem Geld wollte er Schulden begleichen. Nach einem Unfall zu Silvester 2011/12 habe er seinen Job verloren, musste eine Umschulung machen und habe kaum Geld gehabt, schilderte der Vater einer Tochter seine Lage.
Um den Betrug nicht auffliegen zu lassen, wollte er einen Versandschaden inszenieren. Hierfür stellte der ambitionierte Autoschrauber zwei Pakete mit Brennpaste, Zündvorrichtungen, Timer, Sägespänen und Computerschrott zusammen. Die Mixtur für die Paste, die unter dem Namen Napalm als Kriegswaffe bekannt ist, hatte er sich zuvor im Internet besorgt. Auf seinem heimischen Elektroherd braute das Zeug in einem Kochtopf aus Benzin und Seife zusammen.
Postauto in Flammen
Am 14. Juli erschien der 35-Jährige in Wandlitz und übergab die getarnten Brandsätze einem Postfahrer. Als der Paketbote an einer anderen Filiale in Wandlitz anhielt, zündeten die Pakete und der Wagen brannte ab. Der Fahrer blieb unverletzt.
„Ich wollte niemanden verletzten“, erklärte der 35-Jährige. Tscheslog überzeugte dies nicht. „Sie haben zwei bis drei Liter Napalm verwendet. Da konnten Sie doch gar nicht sicher sein, dass niemandem etwas zu stößt.“ Der Angeklagte widersprach und verwies auf die Timer.
„Es ist richtig klug eingefädelt“, meinte Staatsanwalt Frank Riedel. Er habe kein Faible für Explosionen, versicherte der Angeklagte. Die Polizei fand auf seinem Computer jedoch Filme, die zeigen, wie der 35-Jährige eine Waschmaschine und eine Chemietoilette auf einer Raststätte sprengt. Ein Urteil wird für März erwartet.
dpa/ap




