Als der „Law-and-Order-Mann“ Jörg Schönbohm nach dem Einzug der CDU in die brandenburgische Regierung 1999 das Innenministerium übernahm, fürchteten die Mitarbeiter, dass der frühere Bundeswehrgeneral womöglich allzu hart durchgreifen könnte. Das stellte sich als unbegründet heraus. Schönbohm gab sich nach außen gern hart, innen aber hat er einen weichen Kern. Der Mann, der das Innenministerium in den nächsten fünf Jahren führen soll, gilt auch als Hardliner. Über seinen weichen Kern ist noch nichts bekannt. In seiner bisherigen Umgebung spurten alle, heißt es.

Die Kabinettskollegen sind genauso gespannt auf Karl-Heinz Schröter. Der Landrat von Oberhavel steht nicht nur wegen seines rigorosen Umgangs mit Asylbewerbern massiv in der Kritik – er war bislang auch alles andere als ein Freund von Rot-Rot. Ob sich das ändert, werde sich in den kommenden Monaten herausstellen, sagte der 60-Jährige am Rande seiner Ernennung zum Innenminister. Ganz offen. Angst anzuecken, hat der als Querdenker bekannte Sozialdemokrat nicht.

Dass sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ausgerechnet für Schröter entschieden hat, sehen viele in der Landespolitik als Beweis dafür, dass er nach den Landtagswahlen im September zunächst doch ernsthaft vorhatte, ein rot-schwarzes Kabinett zu bilden. Obwohl SPD und Linke nur drei Stimmen Mehrheit im Parlament haben, regiert Woidke erneut mit Rot-Rot. Die Sondierung mit der CDU hatte er als gescheitert erklärt.

„Unsägliche Asylpolitik“

Ärger zwischen der Linken und dem neuen Minister ist nun programmiert. Denn als Landrat gab Karl-Heinz Schröter in Oberhavel Gutscheine statt Bargeld aus. Er sei ein „brandenburgischer Sarrazin“, kritisiert deshalb der Linken-Fraktionschef im Kreistag Oberhavel, Peter Ligner. Andere nennen Schröter „Mister Granit“. Die Linke-Fraktionschefin im Landtag, Margitta Mächtig, klagt, der SPD-Politiker mache eine „unsägliche Asylpolitik“. Der Ministerpräsident gibt sich davon unbeeindruckt. Er habe schon mit Kritik gerechnet, sagt Woidke dazu, „ich bin aber überzeugt: Karl-Heinz Schröter ist genau der Richtige für das Innenressort“.

Der Richtige, um das schwierigste und umstrittenste Vorhaben durchzuziehen, das in dieser Wahlperiode ansteht: die Kommunalreform. Schröters Aufgabe wird es sein, die aufgeblähten Kreisstrukturen im Land zu straffen. Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass es künftig statt bislang 14 höchstens zehn Kreisverwaltungen geben soll. Die Städte Brandenburg/Havel, Cottbus und Frankfurt/Oder könnten den kreisfreien Status verlieren – und wehren sich schon jetzt kräftig dagegen. Potsdam muss sich vermutlich keine Sorgen machen.

Der neue Innenminister ist auch für die Polizei zuständig. Er will, wie er sagt, „mit Augenmaß die Polizeireform zu einem guten Ende führen“. Es müsse „klug gehandelt werden, um mit den vorhandenen Mitteln das Sicherheitsgefühl zu verbessern“, so Schröter. Umstritten ist aber auch sein neuer Staatssekretär Arne Feuring. Der bisherige Polizeipräsident war zuletzt wegen der Ermittlungen im „Maskenmann“-Fall in die Kritik geraten. Beamte hatten kritisiert, sie hätten nicht in alle Richtungen zu dem Fall recherchieren können, was Feuring zurückwies. Schröter setzt auf dessen „Kenntnisse und Erfahrung“.

Die Aufregung um seiner Flüchtlingspolitik hält Karl-Heinz Schröter für ungerechtfertigt. Er habe als Landrat lediglich nach Gesetz gehandelt. „Wenn Gesetzestreue gleich Hardlinerschaft ist, werde ich diesen Ruf wohl beibehalten“, sagt der Sozialdemokrat. Unbeirrbar ist er bislang seinen Weg gegangen – und schaffte es damit an die Spitze des Landkreistages Brandenburg. Er wurde auch zum Vize-Präsidenten des Deutschen Landkreistages gewählt.

Erfolgreich im Landkreis

Unbestritten führte er als Landrat seinen Landkreis zum Erfolg. Die Finanzen stimmen, die Investitionen auch: Oberhavel gehört zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen in Ostdeutschland. Das bestreiten selbst die ärgsten Kritiker nicht. Zäh, ausdauernd und vorausschauend sei er, der Marathonläufer Schröter, sagen alle. Durchsetzungsstark sowieso. Ein Macher.

Nur umgänglich und zugewandt, das sei Schröter nicht. Im Kreistag forderte der SPD-Abgeordnete Uwe Klein aus Glienicke/Nordbahn in diesem Sommer sogar einen Ordnungsruf für den Landrat – wegen des „unterirdischen Umgangs“ miteinander. Schröter hatte wieder einmal Abgeordnete belehrt. Mit Hinweis auf die Tagesordnung verweigerte er die Antwort auf eine Frage zu Deutschkursen für Asylbewerber – aus „pädagogischen Gründen“, wie er es nannte.