Die Open-Air-Wahlparty der Christdemokraten drohte ins Wasser zu fallen. Denn der Himmel über der Geschäftsstelle der Partei in der Potsdamer Gregor-Mendel-Straße verdüsterte sich am Nachmittag bedenklich – und unter den Mitgliedern des Landesverbandes ging am Nachmittag die Angst um, dass die zuletzt guten Umfragewerte der Partei sich am Wahlabend doch nicht bestätigen würden. Umso lauter jubelten die Christdemokraten unter den aufgestellten weißen Partyzelten bei der ersten Prognose. Im Vergleich zur Wahl im Jahr 2009 legte die Partei merklich zu.
Als Spitzenkandidat Michael Schierack den Garten der Geschäftsstelle betrat, drehte der DJ die Musik ein wenig lauter auf. Schierack strahlte. Der Druck auf ihn war groß, denn im direkten Vergleich mit dem SPD-Ministerpräsidenten Dietmar Woidke schnitt der 47-Jährige schlecht ab, selbst unter CDU-Anhängern. Bei einem Ergebnis unter den Erwartungen hätte womöglich so mancher, der sich in den vergangenen Wochen zurückhielt, an seinem Stuhl als Fraktions- und Landesvorsitzender sägen können.
Nun aber konnte Schierack mit Stolz in der Stimme verkünden: „Wir haben klar zugelegt, und Rot-Rot hat deutlich verloren. Das ist die Botschaft dieses Abends.“ Wenig später stellte der Quereinsteiger in die Politik – eigentlich ist er Orthopäde – klar, dass er seitens der SPD nun „ernsthafte Sondierungsgespräche“ erwartet. „Wir wollen ein stabiler Partner sein in diesem Land“, sagte Schierack. Im Klartext: Obwohl Woidke vor der Wahl angedeutet hatte, dass er wohl eher mit der Linken weiterregieren will als einen Neustart mit der CDU zu wagen, will Schierack seine Partei in die Regierungsverantwortung führen.
Interesse für Ergebnis der Linken
Die meisten Gäste an diesem Abend sehen es ähnlich. „Ich sehe das Ergebnis als klaren Regierungsauftrag für Schwarz-Rot“, sagt Dierk Homeyer, Mitglied im Fraktionsvorstand. Schierack erklärt, vor allem die Linke sei für „ihre Inkompetenz und Überheblichkeit abgestraft worden“. Tatsächlich scheint das schlechte Abschneiden der Linken für viele CDUler fast wichtiger zu sein als das eigene Ergebnis. „Unsere Säule ist deutlich größer als die der Linken“, freut sich Parteimitglied Andreas Schipka, als er die neueste Hochrechnung verfolgt.
Vom guten Abschneiden der erstmals in den Landtag einziehenden „Alternative für Deutschland“ (AfD) will sich niemand die Stimmung verderben lassen. Ob es falsch gewesen sei, dass er auf das Thema Innere Sicherheit gesetzt habe, weil er die AfD damit erst stark gemacht habe, wird Schierack gefragt. Nein, es bringe nichts, Themen, die den Bürgern wichtig seien, zu tabuisieren, sagt er.
Rein rechnerisch hätte die SPD, die die unangefochten stärkste Kraft in Brandenburg geblieben ist und mit Dietmar Woidke weiter den Ministerpräsidenten stellen wird, mit der CDU eine komfortablere Mehrheit als mit der Linken. Besonders wahrscheinlich ist eine Regierungsbeteiligung der CDU trotzdem nicht. Die vergangenen fünf Jahre mit der Linken seien sehr erfolgreich gewesen, hatte Dietmar Woidke vor der Wahl gesagt. Für die CDU heißt das, dass sie zwar mehr Abgeordnete stellen wird als bisher. Sie werden aber wohl eher die undankbare Rolle der Opposition ausüben müssen. Kann diese eher bescheidene Perspektive einem nicht doch den sonst recht vergnüglichen Wahlabend vermiesen? Nein, sagt der Landtagsabgeordnete Dierk Homeyer. „Das ist halt Politik.“





