Der Jubel in der Potsdamer Kneipe „Hafthorn“ war riesig. Bei der Wahlparty der Grünen löste sich alle Anspannung, nachdem der grüne Balken auf dem Bildschirm bei der ersten Hochrechnung nach oben gewandert war. Damit bestätigte sich, was auch letzte Umfragen prognostiziert hatten: Es war knapp für die Grünen, aber es hat gereicht. Zumindest für den Einzug ins Parlament – eine Regierungsbeteiligung war ohnehin nie ein Thema. Und doch war die Freude nicht ganz ungetrübt. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagte Axel Vogel, einer der beiden Spitzenkandidaten, im RBB-Fernsehen. „Die Rückwärtspartei AfD hat ein zweistelliges Ergebnis eingefahren, und die Zukunftspartei Grüne tritt auf der Stelle“, sagte er.

Den Wahlkampf führten die Grünen, die in allen 44 Wahlkreisen mit Direktkandidaten angetreten waren, mit ökologischen Themen, die wohl vor allem die vielen Zugezogenen im Berliner Speckgürtel erreicht haben. Die haben die brandenburgische Wählerstruktur in den vergangenen Jahren aufgemischt und werden am Ende wahrscheinlich die fehlenden Stimmen im Flächenland ausgeglichen haben. Doch auch wenn der Einzug ins Parlament wie zu erwarten knapp war: Die Grünen haben es seit 2009, als sie den Einzug in den Landtag schafften, zu Anerkennung gebracht – mit klaren Positionen und reger Beteiligung. So hat die Fraktion erreicht, dass die Vergangenheit der Abgeordneten auf mögliche Verbindungen mit der Stasi überprüft wurde – und landete Treffer. Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher hielt im Parlament die meisten Reden. Doch die politische Anerkennung konnte sich nicht mit einer Anerkennung der Bürger Brandenburgs in den Wahlergebnissen niederschlagen.

Im Wahlkampf hatte die Partei, die mit Ursula Nonnemacher und Axel Vogel traditionell mit einer Doppelspitze angetreten war, auf zwei Schwerpunktthemen gesetzt: Die industrielle Massentierhaltung und den Braunkohleabbau in der Lausitz. Der wird den Grünen zumindest in den betroffenen Regionen Stimmen gebracht haben. Denn viele Orte in der Lausitz mussten bereits den Baggern weichen, weitere sind bedroht.

Das Land hofft, mit der Weiterführung des Kohleabbaus die Versorgungslücke, die durch den Ausstieg aus der Atomkraft entsteht, zum Teil füllen zu können. Die Grünen machten das von Beginn an zu ihrem Thema und trafen damit auf bundesweite Zustimmung. Die Zustimmung der Wähler hielt sich jedoch in Grenzen. „Es scheint so zu sein, als ob es für die Brandenburger nicht die wichtigsten Themen sind“, sagte Vogel nach der Verkündung der ersten Hochrechnungen.