Die Suche nach einem vermissten 14-jährigen Jungen in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) hat die Brandenburger Polizei auf die Spur eines 52 Jahre alten mutmaßlichen Sexualstraftäters geführt. Es gehe um 100 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und um weitere 75 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen, sagte die Cottbuser Oberstaatsanwältin Petra Hertwig am Sonnabend. Dazu gebe es den Vorwurf eines besonderes schweren Falles der Kindesentziehung.
Der Haftbefehl wurde am Sonnabendmittag durch einen Staatsanwalt erlassen. Der Tatverdächtige soll nun am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Morgenpost-Informationen handelt es sich um den Taxifahrer Thomas W. Der 52-Jährige leistete laut Ermittlerkreisen bei seiner Festnahme keinen Widerstand. Da Fluchtgefahr besteht, sitzt der mutmaßliche Kinderschänder in Untersuchungshaft.
Die Vorwürfe gegen ihn waren in Zusammenhang mit der Suche nach einem vier Wochen lang vermissten 14-Jährigen ans Licht gekommen. Das geistig behinderte Kind war am Freitag in der Wohnung des 52-Jährigen in Lübbenau entdeckt worden. Er hatte den Jungen die ganze Zeit über festgehalten.
Justin war seit 29. Juni verschwunden
Der 14-jährige Justin D. war seit Sonntag, den 29. Juni 2014, verschwunden. „Justin verließ in der Nacht zu Sonntag seinen Lebensmittelpunkt in der Lübbenauer Geschwister-Scholl-Straße mit unbekanntem Ziel. Am Montag erschien er ebenfalls nicht in der Förderschule in Lübbenau.“ Die Brandenburger Polizei hatte nach Verschwinden des Jungen die Bevölkerung um Hilfe gebeten.
Äußerlich wirkte das Kind unversehrt, als die Ermittler es aus der Wohnung des Verdächtigen befreiten. Was in den vier Wochen passierte, müsse im Gespräch mit einem Psychologen erörtert werden, sagte Oberstaatsanwältin Hertwig.
Der mutmaßliche Sexualtäter war im Vorfeld drei Mal vernommen worden. In den vergangenen Tagen verdichtete sich der Verdacht gegen ihn, so dass ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt und am Freitag vollstreckt werden konnte.
Im Zuge der Ermittlungen und auf der Suche nach dem geistig behinderten Jungen waren die Fahnder auf fünf weitere mögliche Opfer des Mannes aufmerksam geworden. Bei langwierigen und sehr vertraulichen Gesprächen offenbarten sie sich nach und nach. Einige der Missbrauchstaten sollen rund 20 Jahre alt sein. Sie stammten bereits von 1994, heißt es. Insgesamt soll es sich um 175 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen handeln.
Hunde suchten nach dem Jungen
Nach Angaben eines Ermittlers ist derzeit nicht bekannt, ob neben Justin weitere geistig Behinderte zu den Opfern gehören. Der Tatverdächtige habe sich seine Opfer in seinem persönlichen Umfeld gesucht.
„Bei Recherchen in Lübbenau und darüber hinaus in Sachsen sind eine Vielzahl von Ermittlungshandlungen geführt worden“, hieß es bei der Polizei am Sonnabend. „Es wurden Zeugen befragt und das Wohnumfeld des Opfers und des möglichen Täters beobachtet.“ Dabei kamen auch technische Maßnahmen zum Einsatz wie beispielsweise das Abhören von Telefonen. Zudem setzten die Fahnder bei der Suche nach dem Jungen auf speziell ausgebildete Polizeihunde.
Der Junge befindet sich mittlerweile auf eigenen Wunsch in der Obhut des Jugendamtes. Ob der geistig Behinderte Opfer sexueller Übergriffe geworden ist, steht noch nicht fest. Weitere Ermittlungen sollen behutsam geführt, Sachverständige hinzugezogen werden. Weitere Erkenntnisse könnten laut Brandenburger Polizei nicht vor Anfang kommender Woche mitgeteilt werden.


